Ein Grund zum Feiern: Vor 25 Jahren begründeten der Märkische Kreis und der polnische Kreis Ratibor eine enge und erfolgreiche Partnerschaft. Beim Festakt im Lüdenscheider Kreishaus zogen der polnische Landrat Grzegorz Swoboda und Landrat Ralf Schwarzkopf eine positive Bilanz und bekräftigten mit ihrer Unterschrift erneut den Partnerschaftsvertrag.
Schwarzkopf erinnerte in seiner Rede an die Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft und freundliche Zusammenarbeit vor 35 Jahren, genau gesagt am 17. Juni 1991. Nach dem Fall der Mauer habe dieser Vertrag den Weg für die städte- und kreispartnerschaftlichen Beziehungen geebnet. Erst mit der Normalisierung der Beziehungen war es vielen Bürgerinnen und Bürgern des Märkischen Kreises mit Wurzeln in der Wojewodschaft Schlesien möglich, ihre alte Heimat zu besuchen.
In den 25 Jahren der Partnerschaft hat es einen regen Austausch gegeben. Mehr als 4.000 Menschen aus beiden Kreisen sind sich in dieser Zeit begegnet. Zahlreiche Jugendaustausche beispielsweise beim Camp Together, gemeinsame Publikationen und Kunstausstellungen, fachliche Austausche auf Wirtschaftsebene, Praktika und Studienbesuche, sportliche Begegnungen von Vereinen beispielsweise beim Internationalen Schwimmfest in Werdohl, Jugendfeuerwehraustausche, regelmäßige Begegnungen der Trachtengruppe „Altvater Rübezahl“ und Wanderreisen des SGV Iserlohn und des PTTK Ratibor, Musikfestivals und den Austausch von Touristengruppen, waren einige der Ereignisse, durch die die Partnerschaft so aktiv in den vergangenen 25 Jähren gelebt wurde.
Heute seien Polen und Deutschland politisch, kulturell und wirtschaftlich eng verflochten, hob Landrat Schwarzkopf hervor. Beide Staaten sind zudem enge NATO-Bündnispartner. Angesichts des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland sowie der allgemein angespannten politischen Weltlage stehe Europa 2026 und in den nächsten Jahren vor einer großen Bewährungsprobe: „Wir müssen lernen, unsere gemeinsamen Werte nach innen und außen zu leben und zu verteidigen. Und ich glaube, dass die Menschen in Polen schon viel weiter sind als wir, ihre Freiheit und Souveränität verteidigen zu wollen und zu können“, sagte Landrat Ralf Schwarzkopf.
Gegenseitiges Vertrauen und gute Beziehungen
Für Grzegorz Swoboda, Landrat des polnischen Partnerkreises Ratibor, ist diese Partnerschaft „zu einem Beispiel dafür geworden, wie viel durch Zusammenarbeit über Grenzen hinweg erreicht werden kann. In Zeiten dynamischer Veränderungen und neuer Herausforderungen ist es besonders wichtig, die europäische Solidarität, das gegenseitige Vertrauen und die guten Beziehungen zwischen den lokalen Gemeinschaften zu pflegen.“
Swoboda bedankte sich bei allen Menschen, die sich im Laufe der Jahre für die Entwicklung dieser Zusammenarbeit eingesetzt und mit ihrer Offenheit und Herzlichkeit das Fundament für die Partnerschaft geschaffen haben. Auch aus heutiger Sicht sei es eine richtige und weitsichtige Entscheidung gewesen, „eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit zu unterschreiben, die auf gegenseitigem Respekt, Offenheit und der Überzeugung beruhte, dass echte Partnerschaft durch Dialog und die täglichen Beziehungen zwischen Menschen entsteht.“
Zu den Feierlichkeiten waren eigens Delegationen aus dem polnischen Partnerkreis Ratibor, dem brandenburgischen Partnerkreis Elbe-Elster, den ebenfalls eine Partnerschaft mit dem Kreis Ratibor verbindet, und dem irischen Partnerkreis Waterford angereist.
Landrat Marcel Schmidt vom Landkreis Elbe-Elster hob in seinem Grußwort die Stärke von Partnerschaften hervor: „Sie leben nicht allein von Verträgen oder Festakten. Sie leben davon, dass Menschen neugierig aufeinander bleiben. Dass sie sich zuhören. Dass sie miteinander reden, miteinander feiern, manchmal auch miteinander ringen – und dabei feststellen, wie viel sie verbindet.“ Dabei gehen internationale Partnerschaften inzwischen über den kulturellen Austausch hinaus. „Gerade in Zeiten internationaler Krisen gewinnt der Austausch zwischen Regionen, Verwaltungen und Sicherheitsstrukturen an Bedeutung. (…) Partnerschaften schaffen Vertrauen – und Vertrauen ist eine wichtige Grundlage für Stabilität und Zusammenarbeit in Europa.“
Dem europäischen Gedanken fühlt sich auch John Pratt, stellvertretender Landrat des irischen Partnerkreises Waterford, verpflichtet: „Wir sind uns bewusst, dass sich unsere Geschichte, unsere Sprachen und unsere Traditionen zwar unterscheiden mögen, unsere Ziele jedoch bemerkenswert ähnlich sind. Wir alle wünschen uns lebendige Gemeinschaften, in denen die Menschen leben, arbeiten, lernen, investieren und sich entfalten können.“
Weitere Grußworte sprachen Paul Ziemiak, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe, sowie der stellvertretende Leiter des Kreisverbindungskommandos Märkischer Kreis Major der Reserve, Andreas Jeide.
Unter den vielen Ehrengästen aus Politik und Verwaltung begrüßte Landrat Ralf Schwarzkopf unter anderem seine Amtsvorgänger, Landrat a.D. Aloys Steppuhn auch als Ehrenpräsident der Europäischen Wandervereinigung und Ehrenmitglied des Deutschen Wanderverbandes und Landrat a.D. Thomas Gemke als Präsident des SGV. Beide haben sich um die Partnerschaft besonders verdient gemacht. So ist es dem großen persönlichen Engagement Steppuhns gemeinsam mit den polnischen Freunden zu verdanken, dass die Partnerschaft zustande kam.
Landrat a.D. Gemke führte die Partnerschaft mit viel Herzblut weiter und begleitete sie auch als Präsident des SGV. Schwarzkopf würdigte auch die Verdienste des bereits verstorbenen Mitinitiators der Partnerschaft und Ehrenvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Hans-Joachim Muschiol. Sein besonderes Anliegen war die Pflege der engen geschichtlichen Verbindungen zwischen dem Märkischen Kreis und dem Kreis Ratibor. Gemeinsam mit Landrat a.D. Thomas Gemke hatte er 2016 die Büste des in Ratibor geborenen Dichters Freiherr Joseph von Eichendorffs in Letmathe enthüllt. Nachfahren Eichendorffs leben im Märkischen Kreis.
Musikalisch mitgestaltet wurde der Festakt von der schlesischen Trachten- und Jugendgruppe „Altvater Rübezahl“ aus Iserlohn unter Leitung von Ulrich Muschiol, dem Sohn von Hans-Joachim Muschiol.