Mobilität nach Maß: Märkischer Kreis und MVG stellen Weichen für den ÖPNV der Zukunft

Wie können Busse und andere Mobilitätsangebote künftig dort unterwegs sein, wo Menschen sie tatsächlich brauchen? Wie lässt sich Mobilität im ländlichen Raum sichern? Und wie können moderne Angebote dabei helfen, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich der Struktur- und Wirtschaftsausschuss des Märkischen Kreises (30. Juni) sowie der Kreistag (9. Juli). Dann steht die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes im Fokus.

Der Nahverkehrsplan bildet die Grundlage für die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Kreisgebiet. Die finanziellen und betrieblichen Rahmenbedingungen haben sich zuletzt im Vergleich zu den Vorjahren wesentlich verändert. Begrenzte finanzielle Spielräume treffen auf steigende Kosten im ÖPNV und auf einen zukünftig zu erwartenden Fachkräftemangel. Deshalb soll der Nahverkehrsplan nun weiterentwickelt werden, mit einem klaren Ziel: Auch unter diesen Rahmenbedingungen soll der ÖPNV bedarfsgerecht, bezahlbar und somit zukunftsfähig sein. Die bestehenden Angebote werden daher regelmäßig überprüft, an den tatsächlichen Bedürfnissen ausgerichtet und entsprechend weiterentwickelt.

„Mobilität nach Maß“ ist der Leitgedanke. Dahinter steckt die Überzeugung, dass ein gutes Verkehrsangebot nicht allein daran gemessen werden kann, wie viele Busse unterwegs sind. Entscheidend ist vielmehr, ob Menschen zuverlässig zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt, zum Einkaufen oder in ihrer Freizeit ans Ziel kommen. Die Kreisverwaltung will in enger Zusammenarbeit mit der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) prüfen, wie das bestehende Angebot künftig bedarfsgerechter, flexibler und langfristig tragfähig gestaltet werden kann. Dabei geht es nicht nur um klassische Buslinien. Auch neue, stärker nachfrageorientierte Angebotsformen sollen eine größere Rolle spielen.

„Mobilität nach Maß“ bedeutet dabei vor allem passgenaue Mobilität. Dort, wo viele Menschen unterwegs sind, sollen starke und verlässliche Verbindungen erhalten und weiterentwickelt werden. In dünn besiedelten Räumen können flexible und bedarfsgerechte Angebote eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative darstellen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge, sondern die Frage, ob die Menschen ihre Ziele zuverlässig erreichen können.

Ein gutes Beispiel dafür ist das On-Demand-Angebot „BEA“ (Bestellen, Einsteigen, Ankommen) in Meinerzhagen-Valbert. Nutzer können ihre Fahrt flexibel buchen, Fahrten mit ähnlichen Zielen werden gebündelt und gemeinsam durchgeführt. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass dieses Modell funktioniert. Allein im Jahr 2025 nutzten rund 20.000 Fahrgäste das Angebot. Besonders wichtig ist dabei die Verbindungsfunktion zwischen Valbert und dem Stadtzentrum von Meinerzhagen.

„BEA“ soll fortgeführt werden

Vor diesem Hintergrund soll der Betrieb von „BEA“ bis Ende 2027 verlängert werden. Die gewonnenen Erfahrungen sollen direkt in die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes einfließen. Das Angebot gilt als wichtiges Pilotprojekt für die Weiterentwicklung des Nahverkehrs in ländlichen Gebieten. „Wir müssen den ÖPNV so weiterentwickeln, dass er für die Menschen funktioniert – heute und auch in Zukunft“, heißt es seitens der Kreisverwaltung und der MVG. Dazu gehöre auch die ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, welche ÖPNV-Leistungen dauerhaft finanzierbar seien und damit auch dauerhaft angeboten werden könnten.

Die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes bedeute daher nicht, den bisherigen Kurs grundsätzlich in Frage zu stellen. Vielmehr gehe es darum, die vorhandenen Mittel dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger im Märkischen Kreis entfalten. Dabei sollen Hauptachsen, Schulverkehre, Verbindungen zwischen Städten und Ortsteilen sowie flexible Angebote gemeinsam betrachtet werden.

Kreistag entscheidet am 9. Juli

Deshalb sollen in den kommenden Monaten verschiedene Varianten untersucht und bewertet werden. Dabei steht nicht die Betrachtung einzelner Linien im Vordergrund, sondern die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes für die Mobilität im Märkischen Kreis. Es wird datenbasiert ein Verkehrsangebot entwickelt werden, das sowohl bedarfsgerecht als auch wirtschaftlich tragfähig ist und damit langfristig den Auftrag der Daseinsvorsorge sichert.

Über die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes entscheidet die Politik in der Sitzung des Kreistages am Donnerstag, 9. Juli, im Kreishaus Lüdenscheid.

Die Ergebnisse der Fortschreibung sollen bis Ende 2026 vorliegen. Sie bilden anschließend die Grundlage für die zukünftige Vergabe von Verkehrsleistungen im Kreisgebiet.

×