Wie kann Künstliche Intelligenz die industrielle Fertigung verändern? Antworten auf diese Frage gab es jetzt in der Produktion. Landrat Ralf Schwarzkopf besuchte gemeinsam mit der agentur mark das Unternehmen Prinz Verbindungselemente GmbH in Plettenberg. Im Fokus standen dabei greifbare Anwendungen von Digitalisierung und KI im laufenden Betrieb: Mitten in der Kaltumformung, mitten in der Serienproduktion.
Das Unternehmen Prinz ist ein Dauerbrenner der regionalen Industriegeschichte: Gegründet im Jahr 1875, heute mit rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zehn Auszubildenden und einem Jahresumsatz von rund 31,5 Millionen Euro. Produziert wurden in 2025 rund 120 Millionen Umformteile aus etwa 7.000 Tonnen Draht, gefertigt in Plettenberg, mit hoher Präzision in Entwicklung, Werkzeugbau und Produktion. Rund 60 Prozent gehen in die Automobilindustrie, weitere Produkte in den Werkzeugbau, die Zweiradbranche, Haushaltsgeräte und weitere industrielle Anwendungen. Die Exportquote liegt bei rund 50 Prozent mit Abnehmern in den USA, Mexiko, Asien und weiteren internationalen Märkten.
Was auf den ersten Blick hochgradig technisch wirkt, also Umformen, Stauchen, Biegen, Walzen oder Gewindeformen, wurde beim Rundgang schnell greifbar. Fertigungsleiter Burkard Götz wählte dafür ein anschauliches Bild: Die Fertigung sei vergleichbar mit einem Pizzateig, der unter Druck, Bewegung und Formgebung stabil bleiben müsse, ohne zu reißen oder seine Eigenschaften zu verlieren. Genau diese Präzision sei der entscheidende Wettbewerbsvorteil. „In der Digitalisierung sehen wir große Chancen“, betonte Stephan Schwarz, Geschäftsführer des Unternehmens, im Austausch mit dem Landrat und der agentur mark. „Gerade in der Produktion helfen uns datenbasierte Systeme und Künstliche Intelligenz, Prozesse stabiler, schneller und zugleich ressourcenschonender zu machen.“
Enge Zusammenarbeit mit agentur mark
Begleitet wird Prinz dabei seit mehreren Jahren von der agentur mark, die als regionale Gesellschaft in den Feldern Arbeit, Unternehmensentwicklung und Fachkräftesicherung aktiv ist. Geschäftsführerin Kirsten Kling hob hervor, wie sehr die einzelnen Aktivitäten auf die Bedarfe der hiesigen Unternehmen ausgerichtet werden: „Spannend ist vor allem zu sehen, wie KI im Alltag tatsächlich wirkt. Entscheidend ist nicht die Idee allein, sondern die Umsetzung im Betrieb. Genau dabei unterstützen wir als Zukunftszentrum KI NRW (gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW und dem ESF Plus) zusammen mit den dort tätigen, technischen Partnern.“ Seit 2020 arbeitet Prinz eng mit der agentur mark zusammen und nahm unter anderem an der Schulungsreihe Digital Scouts und KI Guides teil, bei denen es um die eigene Befähigung geht, die Digitalisierung im eigenen Unternehmen voranzutreiben oder KI einzuführen.
Abläufe verschlanken, Mitarbeiter entlasten
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis zeigte, wie weit die Entwicklung bereits reicht: Digitale Schichtprotokolle haben beim Unternehmen Prinz in Plettenberg die klassische Papierdokumentation vollständig ersetzt. Darauf aufbauend werden heute Prozessdaten systematisch erfasst und ausgewertet. In der Produktion von Werkzeug-Rohlingen etwa unterstützt KI inzwischen dabei, im Planungsprozess frühzeitig und schnell Entscheidungen für die Gradheit der Teile zu treffen und dadurch Richtprozesse gezielt einzusetzen oder sogar zu vermeiden. Ziel ist es, Abläufe zu verschlanken und die Mitarbeiter von administrativen Aufgaben zu entlasten. Die KI wird dabei nicht als isoliertes System verstanden, sondern als Teil eines laufenden Produktionsprozesses, der kontinuierlich weiterentwickelt wird, auch in der Verknüpfung mit dem PRINZ-Business-Intelligence-Tool (BI).
Landrat Ralf Schwarzkopf ist beeindruckt von der praktischen Umsetzung: „Hier sieht man sehr deutlich, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz keine abstrakten Zukunftsthemen sind. Sie werden hier bei uns im Märkischen Kreis bereits ganz konkret eingesetzt, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Arbeitsplätze zu stärken. Entscheidend ist die Bereitschaft der Unternehmen, diesen Weg aktiv und mit enger Einbindung der Beschäftigten zu gehen. Genau das passiert hier bei Prinz in beeindruckender Weise.“