Wie Industriekultur als DNA des Märkischen Sauerlands funktioniert

Technikdenkmäler, Museen oder historische Fabrikanlagen: Industriekultur ist im Märkischen Sauerland erlebbar. Sie ist aber auch ein verbindendes Element der touristischen Arbeit. Wie Industriekultur regionalübergreifend stärker in den Fokus rücken kann und welches Potential sie bietet, war Thema der Regionalkonferenz Kultur und Tourismus im Märkischen Sauerland.

Technikdenkmäler, Museen oder historische Fabrikanlagen: Industriekultur ist im Märkischen Sauerland erlebbar. Sie ist aber auch ein verbindendes Element der touristischen Arbeit. Wie Industriekultur regionalübergreifend stärker in den Fokus rücken kann und welches Potential sie bietet, war Thema der Regionalkonferenz Kultur und Tourismus im Märkischen Sauerland. |

Stundenlange Flugreisen oder hunderte Kilometer lange Autofahrten sind nicht notwendig, um besondere Orte der Industriegeschichte zu besuchen. Vielmehr kann die Entdeckungsreise schon direkt vor der eigenen Haustür beginnen: Im Märkischen Sauerland und seinen Nachbarregionen laden zahlreiche Schmiedehämmer, Drahtfabriken, Kohlemeiler oder Messingwalzwerke zu Entdeckungstouren ein. Darüber waren sich auch die mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Regionalkonferenz Kultur und Tourismus im Märkischen Sauerland einig. In der historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf in Iserlohn kamen die Vertreterinnen und Vertreter von Tourist-Informationen, Stadtmarketing, Museen und Kulturzentren aus dem Märkischen Kreis und Mitgliederinnen und Mitglieder des Vereins WasserEisenLand zusammen. Das diesjährige Thema: „Industriekultur vom Feinsten“.

Der Märkische Kreis ist bis heute nachhaltig von seiner Industriegeschichte geprägt. „Eisenverhüttung begann vor mehreren tausend Jahren im Sauer- und Siegerland mit Rennöfen zur Erzverhüttung. Heute haben wir eine starke Zulieferindustrie unter anderem in der metallverarbeitenden Industrie. Sie fertigen im Märkischen Kreis zum Beispiel diverse Einzelteile, die dann in Kraftfahrzeugen oder Flugzeugen verbaut werden. Unsere Region zeichnet sich bis heute durch eine hohe Spezialisierung und Innovationskraft aus“, betonte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper. Folgerichtig ist die Industriekultur mit ihren zahlreichen Denkmälern und Ankerpunkten ein wichtiges touristisches Alleinstellungsmerkmal der Region.

Den weiteren fachlichen Einstieg in die Regionalkonferenz gestaltete Dr. Oliver Schmidt, erster Vorsitzender von WasserEisenLand und Leiter des Sauerland-Museums Arnsberg. In seinem Impulsvortrag zeigte er auf: „Industriekultur ist im Märkischen Sauerland und in ganz Südwestfalen lebendige Geschichte. Mit den vielen einzigartigen technischen Kulturdenkmälern und Museen ist sie überall sichtbar und vor allem erlebbar. Diese gelebte Industriekultur zu schützen, zu fördern und zu entwickeln ist die Aufgabe des Vereins WasserEisenLand – Industriekultur in Südwestfalen.“

Was zeichnet Industriekultur aus?

Grundlage für die Regionalkonferenz war die Frage danach, was Industriekultur ausmacht. Antworten wurden in Holzrahmen als Schaufenster gesammelt. Hier konnten verschiedene Orte der Industriekultur kreativ dargestellt werden. Es wurde gezeichnet, gebastelt, gebaut und geknetet. Gemeinsame Ergebnisse waren unter anderem: Industriekultur verbindet und entwickelt sich stetig weiter. Sie kann emotional sein und auch etwas, das Menschen zum Beispiel aufgrund persönlicher Geschichten berührt. Auch Natur kann mit Industriekultur verbunden werden. Zusätzlich wird an Orten der Industriekultur der Erfindergeist einer Region und damit Geschichte erlebbar.

Doch wie kann gelebte Industriekultur aussehen? Bei einer Führung durch das neue Nadelmuseum in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf mit Dr. Sandra Hertel, Leiterin der Städtischen Museen Iserlohn, gab es Einblicke. Im weiteren Austausch stellte sich auch heraus: Industriekultur hört nicht mit Museen auf. Vielmehr bieten auch digitale Angebote eine wichtige Ergänzung zum Kulturerlebnis. So stellten Hana Beer, Touristikerin des Märkischen Kreises, und Melanie Hagen, CEO und Gründerin, die App „RoadStory“ vor. Dabei geht es um digitale Audioguides entlang der „Route Industriekultur“. GPS-basiert werden Geschichten und Infos je nach Standort der Nutzerinnen und Nutzer auf dem Handy eingespielt. In Lüdenscheid wurde bereits eine Route umgesetzt, der Drahthandelsweg ist in Arbeit. Solche Entwicklungen inspirieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

DNA & Zusammenarbeit stärken

Nach Gruppenarbeiten, Dialogen, Diskussionen und Ideen hat sich durch die Konferenz verdeutlicht: Industriekultur verbindet viele Bereiche miteinander, ist sozusagen die DNA vom Märkischen Sauerland. Damit entsteht eine gute Grundlage für die weitere gemeinsame Zusammenarbeit in der Region.

Abschließend gab Hana Beer den Blickwinkel mit, dass das Märkische Sauerland bis heute eine der stärksten Industrieregionen Deutschlands mit einer hohen Dichte an Industriedenkmälern ist. „Genau darin liegt ein touristisches Potenzial, das wir künftig noch sichtbarer machen möchten. Industriekultur verbindet Kultur, Wirtschaft, Bildung und Tourismus. Sie schafft Identität, stärkt das Bewusstsein für die Besonderheiten unserer Region. Industriekultur macht das Märkische Sauerland als authentischen und innovativen Lebens-, Ausflugs- und Freizeitraum erlebbar“, und ergänzte: „Besonders gefreut hat mich, mit wie viel Offenheit und gemeinsamen Gestaltungswillen die unterschiedlichen Akteure an diesem Thema gearbeitet haben. Gerade diese Konstellation macht Mut für die weitere Zusammenarbeit.“ Der begonnene Austausch soll noch in diesem Jahr im Rahmen einer Folgeveranstaltung fortgesetzt werden.

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