Im Kreishaus Lüdenscheid wurde bilanziert: Im Jahr 2025 wurde weniger Abfall als im Vorjahr produziert. Auch der Energieverbrauch ist von 2021 bis 2023 um rund zehn Prozent gesunken. Neueste Entwicklung: Die Kreisverwaltung beteiligt sich am interkommunalen Hochwasserschutzkonzept für das Einzugsgebiet der Ennepe. |
Premiere im Ausschuss für Abfallwirtschaft, Umweltschutz und Planung: Die Energie- und Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz) für die Jahre 2021 bis 2023 wurde erstmalig vorgestellt. Sie ist auch die erste im Märkischen Kreis, die nach dem sogenannten BISKO-Standard von der energielenker projects GmbH erhoben wurde. Das Ergebnis: Der Endenergieverbrauch im Kreisgebiet betrug im Bilanzjahr 2023 rund 10.659 Gigawattstunden (GWh) – so viel, um mit einem E-Auto etwa mehr als 70-Mal bis zum Mond und zurück zu fahren. Damit ist der Energieverbrauch von 2021 bis 2023 um rund zehn Prozent gesunken. Dies lässt sich teils witterungsbedingt erklären: 2021 war deutlich kälter als 2023, wodurch der Heizenergiebedarf höher war – sowie als Effekt der „Energiekrise“ 2021 bis 2022.
Mit Blick auf die Industrie zeigt sich: Diese Branche produzierte 2023 rund 43 Prozent der Treibhausgas-Emissionen wie Kohlenstoffdioxid, Lachgas und Methan. Grund sei die überdurchschnittlich starke Industrie- und Gewerbestruktur im Märkischen Kreis im Bundesvergleich. Weitere, größere Anteile haben der Verkehr mit 25 Prozent und Haushalte mit 23 Prozent. Bricht man die Auswertung auf Treibhausgas-Emissionen pro Kopf runter, liegt der Wert 2023 somit bei etwa 8,7 tCO2e pro Kopf und damit über dem Bundesdurchschnitt mit 6,8 tCO2e/ Kopf.
Statistisch erfasst wurde auch die Energiewende. Während der Anteil Erneuerbarer Energien 2023 mit fünf Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt mit 18 Prozent liegt, zeigt sich gleichzeitig eine positive Entwicklung: die erneuerbare Stromproduktion hat sich zwischen 2021 und 2023 von vier auf acht Prozent verdoppelt. Windenergie und Photovoltaik hatten dabei im Jahr 2023 mit 47 Prozent und 27 Prozent die größten Anteile an der regenerativen Stromproduktion. Bei der Wärmeversorgung konnten 2023 rund fünf Prozent der benötigten Wärme aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden, wobei die Biomasse mit einem Anteil von 78 Prozent den höchsten Beitrag daran leistete, gefolgt von Umweltwärme (12 Prozent) und Solarthermie (10 Prozent).
Weniger Müll im Kreisgebiet
Bilanziert wurde auch das Gesamtabfallaufkommen in den kreiseigenen Anlagen, dem Müllheizkraftwerk Iserlohn (MHKW Iserlohn) und der Deponie Lüdenscheid-Lösenbach. Das Ergebnis: 2025 fiel im Märkischen Kreis weniger Müll als im Vorjahr an. Die Gesamtabfallmenge ist im Jahr 2025 leicht auf 299.291 Mg Abfall (2024: 317.141 Mg) gesunken. „Eine Ursache der zurückgehenden Müllmengen ist der leichte Bevölkerungsrückgang von 408.289 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2024 auf 407.018 im Bilanzjahr 2025“, erklärte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper.
Den größten Anteil machten gemischte Siedungsabfälle aus Haushalten vorwiegend zur thermischen Behandlung (101.969 Mg Abfall) aus. Dazu zählen im Wesentlichen die Abfallgemische aus den Restmülltonnen der privaten Haushalte und des Gewerbes sowie der Sperrmüll. Danach folgen bau- und (bau-)mineralische Abfälle (94.317 Mg) wie Bauschutt, Dämmstoffe, Boden und Steine, getrennt erfasste Siedlungsabfälle vorwiegend zur Verwertung (85.799 Mg), wie zum Beispiel kompostierbare Grünabfälle (30.232 Mg), Papier und Pappe (19.924 Mg) und Leichtverpackungen (16.882 Mg). Sonstige, nicht ausgeschlossene Abfälle aus anderen Herkunftsbereichen, wie Dämmstoffe oder Aufsaugmaterialien, machen mit 17.207 Mg mit nur sechs Prozent den geringsten Anteil am Gesamtabfallaufkommen aus. Betrachtet man die Entwicklung im Jahresvergleich zwischen 2024 und 2025, ist beim Bauschutt mit 22 Prozent der größte Rückgang zu verzeichnen (2024: 62.011 Mg, 2025: 48.462 Mg) sowie im Bereich Boden und Steine mit 16 Prozent der größte Anstieg (2024: 37.972 Mg, 2025: 44.008 Mg).
Zustimmung für interkommunales Hochwasserschutzkonzept
Eine wichtige Entscheidung haben die Ausschussmitglieder in Bezug auf ein interkommunales Hochwasserschutzkonzept für das Einzugsgebiet der Ennepe getroffen. Dies betrifft den Märkischen Kreis, weil die Ennepe als linker Nebenfluss der Volme südöstlich von Halver in einem Quellgebiet entspringt und das Halveraner Stadtgebiet in Richtung Breckerfeld und damit den Märkischen Kreis verlässt. Der Ausschuss stimmte dem Projekt unter Leitung des Ruhrverbands mit Beteiligung der Stadt Hagen, dem Ennepe-Ruhr-Kreis und den kreisangehörigen Städten Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg und Halver zu. „Dazu stellen wir als Kreisverwaltung unsere schon vorliegende Starkregengefahrenkarte bereit. Zusätzlich werden wir voraussichtlich je nach Einzelmaßnahmen als Genehmigungsbehörde durch unsere Untere Wasserbehörde, unsere Untere Naturschutzbehörde und unsere Untere Bodenschutzbehörde beteiligt“, erläuterte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper. Dies könnte bei Maßnahmen wie dem Gewässerausbau oder der Errichtung von Überschwemmungsgebieten beziehungsweise Auen zutreffen. Die finalen Entscheidungen zur Beteiligung an dem Konzept werden im Kreisausschuss und Kreistag getroffen.