Kreistag: Mehrheit für Nahverkehrsplan und klares Bekenntnis zur Südwestfalen Agentur

Wie sieht ein öffentlicher Nahverkehr aus, der auch in Zukunft zuverlässig funktioniert – trotz knapper Kassen und zunehmendem Fachkräftemangel? Diese Frage stand im Fokus einer intensiven Debatte im Kreistag. Am Ende beschloss der Kreistag die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes mit 51 Ja-Stimmen, 25 Nein-Stimmen und bei einer Enthaltung.

Der Beschluss im Kreistag ist bewusst noch kein Fahrplan für einzelne Linien, sondern die Grundlage für die strategische Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs. Ziel ist eine Mobilität, die sich künftig stärker daran orientieren soll, wo und wann Menschen tatsächlich unterwegs sind. Unter dem Leitgedanken „Mobilität nach Maß“ sollen klassische Buslinien und flexible Angebote (On-Demand) zusammengedacht werden. Während auf stark nachgefragten Strecken leistungsfähige Verbindungen erhalten und weiterentwickelt werden sollen, können für Linien ohne Nachfrage alternative Formen eine sinnvolle Ergänzung sein. Grundlage dafür sind umfangreiche Fahrgastanalysen.

Sie zeigen schon jetzt, dass einzelne Fahrten nur äußerst selten genutzt werden, vor allem in den Abendstunden, und daher auch aus ökologischen Gründen zukünftig entfallen sollen. Der Nahverkehrsplan sieht ausdrücklich vor, das gesamte Mobilitätsangebot datenbasiert weiterzuentwickeln. Im Fokus steht ein Gesamtkonzept für den Märkischen Kreis, das Hauptachsen, Schulverkehre, Verbindungen zwischen Städten und Ortsteilen sowie flexible Mobilitätsangebote betrachtet.

BEA: 20.000 Fahrgäste in 2025

Ein gutes Beispiel für ein funktionierendes, flexibles Mobilitätsangebot bleibt „BEA“ (Bestellen, Einsteigen, Ankommen) in Meinerzhagen und Valbert. Der Kreistag beschloss mit großer Mehrheit, den Betrieb um ein weiteres Jahr bis zum 31. Dezember 2027 zu verlängern. Voraussetzung ist, dass sich die Stadt Meinerzhagen erneut mit 100.000 Euro an der Finanzierung beteiligt. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt fließen unmittelbar in die Fortschreibung des Nahverkehrsplans ein. Allein im vergangenen Jahr nutzten rund 20.000 Fahrgäste das flexible Angebot.

Südwestfalen Agentur: Klares Votum aus vier Kreisen

Neben dem Nahverkehr setzte der Kreistag ein weiteres Ausrufezeichen. Einstimmig sprach er sich dafür aus, die Arbeit der Südwestfalen Agentur über 2026 hinaus fortzuführen. Der Märkische Kreis stellt dafür in den Jahren 2027 und 2028 jeweils 200.000 Euro bereit. Gleichzeitig beschloss der Kreistag, dass die Agentur im November dieses Jahres im Struktur- und Wirtschaftsausschuss konkrete Ziele, Kennzahlen, Aufgaben und Schwerpunkte für ihre weitere Arbeit vorstellen soll. Auf dieser Grundlage soll im Rahmen der Haushaltsberatungen über eine Fortsetzung nach 2028 entschieden werden. Dazu Ralf Schwarzkopf, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Südwestfalen Agentur: „Vier der fünf südwestfälischen Kreise haben sich jetzt eindeutig zur Südwestfalen Agentur bekannt. Das ist ein starkes Signal für unsere Region und für die weitere Zusammenarbeit. Die kurzfristige Vertagung der Entscheidung im Kreis Siegen-Wittgenstein bedauere ich, weil die Situation für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belastend ist. Wir arbeiten aber intensiv daran, die noch offenen Fragen zu klären. Bei uns im Märkischen Kreis haben wir ein klares Statement gesetzt.“

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