Eindringliche Worte zum Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus

Schülerinnen und Schüler der Adolf-Weichwein-Gesamtschule und des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs zeigten sich tief beeindruckt von der Ausstellung „Verachtung und Achtung – die zwölf Jahre vor und nach 1945 in Lüdenscheid“ des Ge-Denk-Zellen Vereins im Lüdenscheider Kreishaus.

„Ist es nicht beschämend, dass gerade wir, die wir in Deutschland doch aus unserer eigenen Geschichte gelernt haben sollten, wohin Verblendung, Rassenwahn und Ausländerfeindlichkeit führen, in der heutigen Zeit Veranstaltungswochen gegen Rassismus, Diskriminierung und Menschenverachtung durchführen müssen?“, fragte Landrat Ralf Schwarzkopf provokativ bei der Auftaktveranstaltung der Internationalen Wochen gegen Rassismus und Eröffnung der Ge-Denk-Zellen-Ausstellung.  

Unter dem Motto „100% Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus und Extremismus“ bieten Kommunen, Bildungseinrichtungen und der Kreissportbund mit seinen Vereinen in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum Märkischer Kreises (KI) vom 16. bis 29. März 42 kostenlose Veranstaltungen und Begegnungsformate an. Dazu gehören Ausstellungen, kulturelle Angebote wie Kino- und Theatervorführungen, sportliche Aktionen, Workshops und Trainingseinheiten in Schulen.

Bei den Veranstaltungswochen unter Schirmherrschaft des Landrats setzen zahlreiche engagierte Menschen ein deutliches Zeichen für ein demokratisches und solidarisches Miteinander. Schwarzkopf sagte es deutlich: „Wir können und dürfen Antisemitismus, Schändung von Friedhöfen, religiösen und kulturellen Einrichtungen und feige Übergriffe auf Menschen in unserem Land nicht dulden. (…) Wir dürfen nicht zulassen, dass asoziale, radikale und/oder aggressive Minderheiten bestimmen, wer bei uns frei leben und sich entfalten darf. (…) Unsere stärksten Mittel dagegen sind Aufmerksamkeit, Mut zur Zivilcourage und die Entschlossenheit, Schwächeren beizustehen.“

Die Unterschiede zwischen NS-Diktatur und Demokratie arbeitet die Ausstellung „Verachtung und Achtung – die zwölf Jahre vor und nach 1945 in Lüdenscheid“ des Ge-Denk-Zellen Vereins klug heraus. 18 Tafeln und Roll-Ups erinnern an die 4.000 Toten der NS-Zeit in Lüdenscheid und an die 40.000 Toten im Märkischen Kreis.

In seinem Vortrag skizzierte der Historiker Matthias Wagner, in welchem atemberaubenden Tempo die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung die demokratischen Strukturen der Weimarer Republik zerschlugen, in dem sie Gewerkschaften, politische Parteien und Institutionen, Verwaltungen, Medien und Kultur sowie Vereine, Berufsverbände und Jugendorganisationen gleichschalteten und der NS-Ideologie unterordneten. Indoktrinierung von der Wiege bis zur Bahre war dabei erklärtes Ziel der Nationalsozialisten. Für Menschenwürde, Selbstbestimmung, Vielfalt und freie Meinungsäußerung war in der NS-Diktatur kein Platz.

Andersdenkende wurden verfolgt, eingeschüchtert und/oder eingesperrt. Die Rassenlehre der Nationalsozialisten unterteilte in Herrenrasse, Untermenschen und Parasiten. Bedroht und Verfolgt wurden insbesondere Juden, Sinti und Roma, aber auch Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen. Die Konsequenz: Vernichtung in Konzentrationslagern beziehungsweise in Euthanasieprogrammen. Es ist ein Verdienst der Alliierten, dass sie nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland neben der Entmilitarisierung und Entnazifizierung auch die Demokratisierung angestoßen haben.

Bernd Benscheidt vom Ge-Denk-Zellen-Verein Lüdenscheid verwies darauf, dass unsere Gesellschaft heute demokratische Grundrechte, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit oft als zu selbstverständlich ansehen. Mit dem Zitat: „Was Demokratie bedeutet, werden Sie erst merken, wenn sie verloren ist“, mahnte er, sich für diese kostbaren, nach 1945 hart errungenen Werte einzusetzen.

Weitere Informationen zum Programm der Internationalen Wochen gegen Rassismus gibt es hier: https://t1p.de/bnrbp

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