Integration gelingt dann besonders gut, wenn Menschen, Unternehmen und Institutionen gemeinsam an einem Strang ziehen. Ein Musterbeispiel dafür ist die Geschichte von Vitalii Valko, der aus der Ukraine nach Deutschland gekommen ist. Er arbeitet heute als Architekt beim CL Architekturbüro in Halver.
Architektur ist die Kunst, die Welt ein Stück weit schöner und lebenswerter zu gestalten. Es ist die Fähigkeit, Räume nicht nur zu entwerfen, sondern auch ein gutes Gespür für Details zu haben. Architektur ist seine Leidenschaft: Vitalii Valko hat das schon immer fasziniert. Er hat eine fundierte Ausbildung, Praxiserfahrung und seit langer Zeit einen großen beruflichen Traum: als Architekt in Deutschland zu arbeiten und Projekte mitzugestalten.
2022 macht Vitalii Valko den ersten Schritt, um sich diesen Traum zu erfüllen. Als die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Ukraine immer schwieriger werden, weil der Krieg näher an seine Heimat in der Nähe der Hauptstadt Kiew rückt, fasst er sich ein Herz und lässt sein altes Leben hinter sich. Sein Weg führt ihn nach Deutschland. Neue Menschen, fremde Sprache – und auch in seiner Berufung, der Architektur, gibt es natürlich Unterschiede.
Vitalii Valko kommt zunächst in der Gemeinde Ense im Kreis Soest an. Von dort zieht er nach Menden und macht erste berufliche Erfahrungen. Dabei wird er intensiv vom Jobcenter Märkischer Kreis unterstützt. Der Kontakt zum Unternehmen CL Architektur in Halver entsteht eher zufällig. Im Zusammenhang mit einem größeren Bauvorhaben in Bochum kreuzen sich die Wege von Valko und dem Betrieb. Schnell zeigt sich: die fachliche Schnittmenge passt. Über ein vom Jobcenter begleitetes Coaching-Modell startet der 30-Jährige zunächst mit einem vierwöchigen Praktikum. In dieser Zeit, berichtet Geschäftsführer und Diplom-Ingenieur (FH) Architekt Stefan Czarkowski, überzeugt Valko nicht nur fachlich, sondern auch menschlich: mit großer Motivation, Lernbereitschaft, einem guten Sprachniveau und der Fähigkeit, sich schnell in neue Arbeitsabläufe einzuarbeiten. „Er musste die neue Software erlernen, schnell neue Fachbegriffe kennen und selbstverständlich zum Team passen. Das alles hat Vitalii bis jetzt sehr gut gemeistert“, lobt Stefan Czarkowski seinen Mitarbeiter. Und lobt gleichzeitig sein Team: „Die Kolleginnen und Kollegen haben Vitalii super aufgenommen.“
Heute arbeitet Vitalii Valko in Vollzeit im Büro CL Architektur und lebt in Lüdenscheid – unterstützt durch einen Eingliederungszuschuss des Jobcenters Märkischer Kreis und begleitendes Coaching. Parallel verbessert er kontinuierlich seine Deutschkenntnisse und arbeitet an der beruflichen Anerkennung als Architekt in Deutschland.
Auf Wachstumskurs
Das CL Architekturbüro in Halver ist regional fest verwurzelt und zugleich breit aufgestellt. Im Jahr 2009 als Zwei-Mann-Büro gegründet, ist das Unternehmen stetig gewachsen und beschäftigt heute 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zwei Gebäuden in Halver. Das Leistungsspektrum reicht von der Beratung über alle Planungsphasen bis hin zur Bauleitung – vom privaten Einfamilienhaus über Schwimmbäder bis hin zu Großprojekten wie Industriebauten, Bürogebäuden, Sonderbauten wie Feuerwehr-Gerätehäusern, Banken und Krankenhäusern unter anderem im Märkischen Kreis, im Ruhrgebiet und im Siegerland.
Nachwuchsförderung ist dabei seit Jahren ein zentraler Baustein: Seit mehr als zehn Jahren bildet das Büro regelmäßig Bauzeichnerinnen und Bauzeichner sowie Kaufleute aus – oft in Kooperation mit Berufskollegs im Ruhrgebiet und im Rahmen dualer Studiengänge. Mehr als 70 Prozent der Auszubildenden werden in der Regel übernommen. Einige gehen anschließend ins Architekturstudium und kehren später als Architekten zurück. „Der Arbeitsmarkt bringt längst nicht mehr genügend qualifizierten Nachwuchs hervor“, berichtet Stefan Czarkowski und ergänzt: „Umso wichtiger ist es, selbst auszubilden und Potenziale zu erkennen – auch bei Menschen wie Vitalii Valko, die neu nach Deutschland kommen.“
Jobcenter MK begleitet Menschen aktiv
Für das Jobcenter Märkischer Kreis ist das Beispiel von Vitalii Valko eines, das Schule machen soll. Denn hier zeigt sich, dass Integration gelingen kann, wenn Menschen, Unternehmen und Institutionen Hand in Hand zusammenarbeiten. Das Jobcenter MK begleitet solche Wege aktiv. Ziel ist es, Menschen nicht nur in Arbeit zu bringen, sondern ihnen eine Perspektive zu eröffnen, die ihrer Qualifikation entspricht. Gerade bei Geflüchteten mit hohem Ausbildungsstand gelingt der Einstieg oft gut. Ein Vorteil für beide Seiten – für die Menschen und für die Unternehmen, die händeringend qualifiziertes Personal suchen. „Bei Vitalii Valko war früh erkennbar, dass wir hier über Integration auf Fachkräfteniveau sprechen“, sagt Anna Markmann, Geschäftsführerin des Jobcenters Märkischer Kreis. Mit grundständiger Sprachförderung, Qualifizierung und gezieltem Coaching durch das Jobcenter sowie der Bereitschaft aller Beteiligten, die berühmte „Extrameile“ zu gehen, ist hier der Übergang in eine Vollzeit-Beschäftigung gelungen.
Alleine im Märkischen Kreis ist die Anzahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die als Geflüchtete hierhergekommen sind, von 2.322 im April 2023 auf knapp 3.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bis April 2025 angewachsen. Viele geflüchtete Menschen haben großes Potenzial für den heimischen Arbeitsmarkt, berichtet Anna Markmann, wie am Beispiel von Vitalii Valko zu sehen ist – auch als Fachkraft. Die Einstellung von geflüchteten Menschen zahlt auf diese Weise auf die Fachkräftesicherung in unserer Region ein.
Chancen nutzen
Neben dem Job half auch das Netzwerk praktisch mit: Bei der Wohnungssuche unterstützten Kontakte aus der Ukraine-Hilfe in Halver. Für den 30-jährigen Vitalii Valko bedeutet das Sicherheit und Ankommen zugleich – beruflich wie privat. „Hier gibt es eine gute Struktur und eine sehr offene Atmosphäre“, sagt er. „Das ist eine große Chance für mich und die möchte ich weiter nutzen. Mein Traum ist wahr geworden.“