Kindern ein neues Zuhause geben: Pflegeeltern werden

Es ist eine verantwortungsvolle, hoch sinnstiftende und erfüllende Aufgabe: Pflegefamilien geben einem Kind, das nicht bei seinen leiblichen Eltern leben kann, nicht nur ein Dach über dem Kopf. Sie bieten ihm Zuwendung, Geborgenheit und verlässliche Bindungen – kurz ein neues Zuhause. In der Dauerpflege erziehen Pflegeeltern ein Kind, bis es auf eigenen Füßen stehen kann. Begleitet und beraten werden sie dabei vom Jugendamt.

Der Pflegekinderdienst des Märkischen Kreises betreut aktuell 140 Pflegekinder und sucht laufend Paare und Familien, die sich vorstellen können, ein Pflegekind auf Dauer bei sich aufzunehmen. 2024 musste das Kreisjugendamt in seinem Zuständigkeitsbereich 49 Kinder im Alter von 0 bis 17 Jahren in Obhut nehmen – Tendenz steigend. Der Großteil der Kinder, die bei Pflegefamilien untergebrachten werden, sind zwischen null bis sechs Jahre alt.

„Durch intensive Gespräche und ein vorbereitendes Seminar prüfen wir gründlich, ob jemand als Pflegeperson geeignet ist“, erklärt Inge Hellwig vom Pflegekinderdienst. Gleichzeitig bekommen angehende Pflegefamilien die Chance, sich konkret mit den Rahmenbedingungen und den praktischen Herausforderungen sozialer Elternschaft auseinanderzusetzen – und das anhand lebendiger Beispiele aus der Praxis. Für die Bewerbung zwingend notwendig ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, ein ärztliches Attest sowie Einblicke in das Wohnumfeld und die finanzielle Situation.

Am 21. Februar startet in Kooperation mit dem Haus St. Josef in Lüdenscheid ein neuer Bewerberkurs für Adoption, Dauerpflege und Bereitschaftspflege. Beim Bewerberkurs können sich Pflegeeltern auf die Herausforderungen des Alltags mit Pflegekindern bestmöglich vorbereiten.

Die Themen sind:

- Die Rolle der Pflegefamilie in rechtlicher Hinsicht und im Blick auf die Kooperation mit Jugendamt, Vormündern, Familiengericht und weiteren Beteiligten

- Bindungsentwicklung

- Besondere Herausforderungen und mögliche Verhaltensauffälligkeiten von Pflegekindern in Folge von Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch

- Bedeutung und Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie des Pflegekindes

- Austausch mit erfahrenden Pflegeeltern

Wenn das Jugendamt ein Kind in seine Obhut nimmt, bringt es oft eine Last aus unverarbeiteten Erlebnissen mit: Vernachlässigung, psychische und körperliche Misshandlungen oder sexueller Missbrauch hinterlassen Spuren, die das Leben des Kindes und seine Fähigkeiten formen – und die Bezugspersonen vor echte Herausforderungen stellen können. Ebenso kann der Konsum von Alkohol oder Drogen während der Schwangerschaft dem Kind schwere Gesundheitsprobleme und Entwicklungsstörungen bescheren.

Umso wichtiger ist es Inge Hellwig die Kinder individuell und passgenau zu ihren Bedürfnissen an verantwortungsbewusste und lebensbejahende Pflegeeltern zu vermitteln. „Die Chemie muss stimmen“, sagt sie. Dazu dient eine Anbahnungsphase, in der sich Kinder und Pflegeeltern in einem neutralen, geschützten Raum Schritt für Schritt kennenlernen können.

Viele Kinder erfahren in einer Pflegefamilie erstmals Sicherheit und zuverlässige soziale Bindungen. Sie brauchen Schutz, Geborgenheit und liebevolle Zuwendung, um sich gut zu entwickeln. Seitens der Pflegefamilie ist dabei viel Einfühlungsvermögen und Geduld gefragt.

Natürlich steht der Pflegekinderdienst dem Pflegekind und der Pflegefamilie auch nach der Vermittlung bei. „Einmal im Quartal besucht eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter des Jugendamtes die Pflegefamilie Zuhause und unterstützt bei der Gestaltung des Zusammenlebens. Auch die Kontakte des Kindes mit der Herkunftsfamilie werden vom Jugendamt moderiert und finden meist in einer neutralen Umgebung statt“, erzählt die Sozialpädagogin. Bei eventuellen Krisen besteht in Lüdenscheid und Balve die Möglichkeit der Supervision. Darüber hinaus bietet das Jugendamt zur Entlastung der Pflegefamilien gemeinsame Freizeitaktivitäten der Kinder, Familienausflüge und andere familienfreundlichen Aktivitäten an.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Kind auf Dauer bei sich aufzunehmen, kann sich gerne unter pflegekinderdiens@​maerkischer-kreis.de beim Pflegekinderdienst melden. Weitere Informationen gibt es unter https://www.maerkischer-kreis.de/familie/pflegekinderdienst.

 

×