Im Kreishaus Lüdenscheid stand jetzt ein Thema im Fokus, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen berührt: das Erinnern. Landrat Ralf Schwarzkopf, zugleich Vorsitzender des Kreisverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, tauschte sich mit Jens Effkemann, dem Regionalgeschäftsführer des Volksbundes für Westfalen-Lippe, aus.
Der Termin folgte einer bewährten Tradition: Im Märkischen Kreis übernimmt der Landrat den Kreisvorsitz des Volksbundes. Für beide Seiten war das Treffen daher nicht nur ein formaler Akt, sondern vor allem eine gute Gelegenheit, die gemeinsame Arbeit zu vertiefen. Im Dialog wurde schnell deutlich, wie vielseitig die Aufgaben des Volksbundes sind. Seit 1954 ist der Verein im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland dafür zuständig, die Gräber deutscher Kriegstoter im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Eine Aufgabe, die bis heute andauert – und die weit über die reine Grabpflege hinausgeht. Im Inland liegt die Zuständigkeit bei den Kommunen, die dabei auf die fachliche Unterstützung des Volksbundes vertrauen können.
Darüber hinaus versteht sich der Volksbund als Brückenbauer: Zwischen Generationen, zwischen Ländern und zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Begegnungsprogramme und historisch-politische Bildungsangebote – insbesondere für junge Menschen – machen die Geschichte greifbar und fördern ein Bewusstsein für Frieden und Verantwortung. „Die Arbeit des Volksbundes zeigt, dass Erinnerung nichts Statisches ist, sondern etwas, das wir aktiv begleiten müssen“, sagte Landrat Ralf Schwarzkopf und ergänzte: „Gerade in einer Zeit, in der Zeitzeugen immer weniger werden, kommt der Bildungsarbeit und den Gedenkstätten eine besondere Bedeutung zu. Sie helfen uns, Geschichte zu verstehen – und daraus die richtigen Schlüsse für Gegenwart und Zukunft zu ziehen.“
Erinnerungskultur
Ein konkretes Beispiel für diese lebendige Erinnerungskultur bieten die kommenden Veranstaltungen im Märkischen Kreis rund um den Jahrestag der Deportation der letzten Lüdenscheider Jüdinnen und Juden am 28. April 1942. Unter dem Titel „Jahrestag der letzten Lüdenscheider Judendeportation“ lädt der Verein Ge-Denk-Zellen zu einer Reihe von Veranstaltungen ein. Den Auftakt bildet eine Ausstellung im Jürgen-Dietrich-Forum im Rathaus Lüdenscheid bis zum 22. Mai. Die Eröffnung fand am 23. April mit Bürgermeister Sebastian Wagemeyer und Jens Effkemann vom Volksbund statt. Am eigentlichen Jahrestag – 28. April – folgt um 19 Uhr eine Lesung von Lorenz Hemiker unter dem Titel „Vom Bauamt in Lüdenscheid zu den Todesgruben im Baltikum“.
Weitere Vorträge folgen: Am 12. Mai sprechen Dr. Stefan Corssen und Matthias Wagner über Kriegsendverbrechen zwischen Köln und Lüdenscheid, bevor Dr. Stefan Klemp am 19. Mai die Rolle von Polizeibataillonen im Kontext der nationalsozialistischen Verbrechen beleuchtet. Weitere Informationen: www.ge-denk-zellen-altes-rathaus.de