„Mein Kind atmet nicht mehr“

Tag für Tag helfen Leitstellendisponenten und Einsatzkräfte Menschen in medizinischen Notfällen. Dazu gehört auch der Herzstillstand. In der Leitstelle des Märkischen Kreises wurden im Jahr 2025 insgesamt 517 Telefonreanimationen durchgeführt, davon auch 23 bei Kindern. Disponent Steven Roß berichtet über drei Kinder-Telefonreanimationen, die er im vergangenen Jahr angeleitet hat.

Tag für Tag helfen Leitstellendisponenten und Einsatzkräfte Menschen in medizinischen Notfällen. Dazu gehört auch der Herzstillstand. In der Leitstelle des Märkischen Kreises wurden im Jahr 2025 insgesamt 517 Telefonreanimationen durchgeführt, davon auch 23 bei Kindern. Disponent Steven Roß berichtet über drei Kinder-Telefonreanimationen, die er im vergangenen Jahr angeleitet hat. |

„Mein Kind atmet nicht mehr“ oder „Mein Kind ist blau angelaufen“. Das sind oft die ersten Sätze, die Eltern beim Absetzen des Notrufes panisch ins Telefon rufen, wenn das Herz ihres Kindes plötzlich nicht mehr schlägt und sie Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten müssen. Leitstellen-Disponent Steven Roß ist dieser Situation im vergangenen Jahr drei Mal begegnet.

Sobald er den Notruf annimmt, fühlt er: „Es ist eine enorm angespannte Situation auf beiden Seiten. Trotzdem versuche ich, die Eltern innerhalb weniger Sekunden einzufangen, zu beruhigen und ihnen zu sagen, dass wir das zusammen schaffen. Das ist wichtig, damit ich gemeinsam mit den Eltern schnellstmöglich die telefonische Reanimation bei dem Kind einleiten kann.“

Auch für Steven Roß ist eine Kinderreanimation nicht alltäglich. Trotzdem führt er die Eltern professionell durch die Situation: „Ich erkläre ihnen, was sie bei der Wiederbelebung zu tun haben und frage, ob die Atemwege des Kindes frei sind. Dann leite ich an, dass das Kind gerade auf den Boden oder einen Tisch gelegt werden soll, den Kopf nicht überstrecken.“ Im nächsten Schritt erfolgt die Wiederbelebung des Kindes. „Die Eltern müssen das Kind beatmen und eine Herzdruckmassage durchführen. Bis die von mir parallel dazu alarmierten Einsatzkräfte da sind, bleibe ich am Telefon“, erklärt Steven Roß.

Hand in Hand mit dem Rettungsdienst

Perspektivwechsel zum alarmierten Rettungsdienst: Unter dem Einsatzstichwort „Kinderreanimation“ schickt die Leitstelle zwei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug. Der Grund: Kinderreanimationen sind extrem belastende Einsätze. Hier zählt jede Hand, jede Manpower. „Aus der Erfahrung heraus kommen wir deshalb mit den Teams von zwei Rettungswagen zum Einsatzort. Die zwei weiteren Personen unterstützen bei der medizinischen Versorgung des Kindes“, erzählt Susanne Weber, Ärztliche Leitung Rettungsdienst im Märkischen Kreis. Sobald das Kind versorgt ist, kann sich das zweite Rettungswagen-Team um die Eltern kümmern. „Wir betreuen die Eltern direkt vor Ort und sind für sie da, hören zu und unterstützen“, fasst Susanne Weber zusammen. Ist der Einsatz beendet, erhält Steven Roß im Nachgang regelmäßig vom Rettungsdienst eine Rückmeldung, wie die telefonische Reanimation abgelaufen ist. Wie es danach mit dem Kind weitergegangen ist, erfährt er jedoch nicht. Der Grund hierfür sind datenschutzrechtliche Bestimmungen.

Wiederbelebung so schnell wie möglich beginnen

Der Leitstellendisponent stellt klar: „Eine Kinderreanimation ist für Eltern extrem belastend, aber auch für mich stressiger als eine telefonische Reanimation bei Erwachsenen.“ Eine große Hilfe nach so einem Notruf ist das Team aus insgesamt 44 Disponenten und Lagedienstführern, die füreinander da sind und zuhören. Nach Bedarf gibt es auch psychologische Unterstützung.

Rückblickend wurden insgesamt 23 Kinder-Telefonreanimationen (2024: 13) im Jahr 2025 auf der Leitstelle des Märkischen Kreises angeleitet. Sollte jemand in diese Situation kommen, gibt Steven Roß mit auf den Weg: „Wichtig ist, so schnell wie möglich zu handeln, also den Menschen wiederzubeleben. Wer handelt, kann nichts falsch machen. Es zählt jede Sekunde. Zusätzlich helfen wir Disponenten professionell und ruhig am Telefon fachlich als auch emotional durch so eine schwere Situation und geben das Gefühl mit, nicht alleine zu sein.“

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