Seniorenpark Reeswinkel in Schalksmühle meistert erste Impfrunde

Versorgungsassistentin Jacqueline Sander bei der Impfung im Seniorenpark Reeswinkel in Schalksmühle. Foto: Alexander Bange/Märkischer Kreis
Versorgungsassistentin Jacqueline Sander bei der Impfung im Seniorenpark Reeswinkel in Schalksmühle. Foto: Alexander Bange/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 05.01.2021
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Es sind zwei aufregende Tage im Seniorenpark Reeswinkel. Die Bewohner und Pflegekräfte gehören zu den ersten Menschen im Märkischen Kreis und im ganzen Land, die gegen das Coronavirus geimpft worden sind. „Das ist ein historischer Moment. Wir sind überglücklich, erleichtert und wissen es sehr zu schätzen, dass wir zu den Privilegierten gehören, die als erstes von der Schutzimpfung profitieren“, sagt Heimleiter Steffen Mischnick.
Die vergangenen Wochen und Monate waren für ihn und die rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Herausforderung. „Wir haben – wie alle Altenpflegeeinrichtungen im Land auch – große Anstrengungen unternommen, um die Bewohner, die Besucher sowie alle Angestellten optimal zu schützen. Mit sehr viel Arbeit und natürlich auch dem nötigen Quäntchen Glück sind wir bislang coronafrei geblieben. Die Impfung jetzt und die zweite Impfung in drei Wochen gewährleisten mittelfristig gesehen mehr Sicherheit für unser Haus“, berichtet Steffen Mischnick. Der Heimleiter lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Märkischen Kreis, mit allen Behörden und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Mischnick: „Was hier in der Kürze der Zeit auf die Beine gestellt worden ist, davor ziehe ich meinen Hut.“
Rückblick
Am Heiligen Abend erreicht ihn und das Team des Seniorenparks die Information der Kassenärztlichen Vereinigung, dass der Impfstart unmittelbar bevorsteht. Dann geht alles schnell und gründlich: Angehörige, Betreuer sowie die Bewohner des Seniorenparks werden in Gesprächen und per E-Mail ausführlich über das Vakzin vom Mainzer Unternehmen Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie über das weitere Vorgehen informiert – mit Erfolg. „Die Impfbereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt bei mehr als 90 Prozent, bei den Bewohnern sogar bei nahezu 100 Prozent. Diejenigen, die sich nicht impfen lassen möchten, haben dafür triftige medizinische Gründe“, berichtet Steffen Mischnick.
Hohe Hygienestandards und Einbahnstraßensystem
Am 29. Dezember versendet der Heimleiter die Bestellung für die 76 Bewohner/innen sowie für das Pflegepersonal an die Kassenärztliche Vereinigung. Die wiederum leitet die Daten an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS NRW) weiter. Binnen eines Tages wird der Auftrag an das zuständige Logistikunternehmen vermittelt. Am 4. Januar um 7.40 Uhr erreicht das Vakzin schließlich den Seniorenpark Reeswinkel in Schalksmühle und wird dort fachgerecht in Kühlbehältern gelagert. Alles wird mit hohen Hygienestandards und im Einbahnstraßensystem geregelt, um Berührungspunkte zu vermeiden. Dr. Margret Lehmkühler und Dr. med. Katrin Lüsebrink nehmen unter anderem die Impfungen vor.
Vor dem Pieks erhalten die Impfwilligen wichtige Antworten – unter anderem mittels eines ärztlichen Aufklärungsbogens. Der dient als Vorab-Information sowie als Check-Liste für die Ärztinnen während des persönlichen Aufklärungsgesprächs. Dem ärztlichen Personal sind ein Einwilligungs- und Anamnesebogen sowie – falls vorhanden – der Impfpass vorzulegen. Eine Impfpflicht besteht nicht.
Schmerzfreie Impfung
Verabreicht wird die Corona-Impfung „intramuskulär“. Das bedeutet, dass sie in aller Regel in den sogenannten Deltamuskel am Oberarm gespritzt wird. Die Impfung verläuft weitgehend schmerzfrei: Kaum ein Bewohner im Schalksmühler Seniorenpark hat ein mulmiges Gefühl, Impfwillige mit ausgeprägter Angst vor Spritzen gibt es hier nicht. Wer doch Angst habe, solle das ohne Scham offen gegenüber den Medizinern ansprechen, raten die Experten vor Ort. Im Anschluss werden die Geimpften 15 Minuten lang beobachtet – in Einzelfällen auch länger.
„Hoffnungsschimmer“
Heimleiter Steffen Mischnick freut sich auf die zweite Runde in voraussichtlich drei Wochen und darüber, dass die Impfungen im Seniorenpark Reeswinkel komplikationsfrei über die Bühne gegangen sind: „Es herrscht ein Gefühl der Erleichterung. Ein Hoffnungsschimmer, dass die Corona-Pandemie dank dieses Mittels in absehbarer Zeit ein Ende finden könnte.“


Chronologie, Organisation und Ablauf: Impftermin in Pflegeheimen durch mobile Impfteams
-> Mitte Dezember 2020 wird die Reihenfolge der vorrangig zu impfenden Personen von der Bundesregierung und dem Land NRW festgelegt.
-> Pflegeheimdaten werden vom Gesundheitsministerium, dem Märkischen Kreis und der Kassenärztlichen Vereinigung erfasst.
-> Am 21. Dezember 2020 erfolgt die Zulassung des ersten COVID-19 Impfstoffs in der EU und auch in Deutschland.
-> Am 23. Dezember 2020 erteilt das Gesundheitsministerium des Landes NRW der Kassenärztlichen Vereinigung den Auftrag, die Impfung in den Pflegeheimen mit mobilen Impfteams ab dem 27. Dezember durchzuführen.
-> Innerhalb weniger Stunden werden Aufklärungs- und Einverständniserklärungen zur Impfung gedruckt und an die Pflegeheime verteilt.
-> Die Organisation der Impfung in den Pflegeheimen zwischen Weihnachten und Neujahr wird im Märkischen Kreis durch die organisatorische und medizinische Leitung des Impfzentrums organisiert und begleitet.
-> Alle anderen Heime verteilen die Informationen zur Impfung an ihre Bewohner und Mitarbeiter, fragen die Impfbereitschaft ab und vereinbaren mögliche Impftermine mit den Heimärzten, die die Impfung durchführen wollen.
-> Allen Heimen, die keine eigenen Impfärzte haben, werden von der medizinischen Leitung des Impfzentrums Impfärzte vermittelt, so dass für jedes Heim ein Impfteam bereitsteht.
-> Wenn die Zahl der zu impfenden Bewohner und Mitarbeiter feststeht und mit dem Impfteam ein Termin vereinbart worden ist, meldet das Heim diese Daten an die Kassenärztliche Vereinigung.
-> Diese übermittelt die Daten an das Gesundheitsministerium, das dann den Transport des hochempfindlichen Impfstoffs zum Pflegeheim zum gewünschten Termin organisiert.
-> Am Impftag kommt das mobile Impfteam (in der Regel ein bis zwei Ärzte mit medizinischen Fachangestellten), bereitet den Impfstoff vor und führt die Impfung durch.

Zuletzt aktualisiert am: 14.01.2021