Geschichte durch die Linse sehen

Die acht Jugendlichen und die Betreuer freuen sich schon auf ein Wiedersehen im November. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Die acht Jugendlichen und die Betreuer freuen sich schon auf ein Wiedersehen im November. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 11.10.2019
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„Hass zerstört alles“, sagt der 17-jährige Bartlomiej. Das ist für ihn eine zentrale Erkenntnis aus dem Geschichtsprojekt des Märkischen Kreises und dem polnischen Partnerkreis Ratibor mit dem Titel „Wege zur Erinnerung – sind Chancen für die Zukunft“. Bartlomiej ist einer der acht Jugendlichen die fünf Tage lang die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in der Region erforscht haben. Vier Teilnehmer aus Ratibor und vier aus Lüdenscheid. Damit die Jugendlichen aus ihrer Lebenswelt heraus auf Entdeckungsreise gehen, bekommen sie die Aufgabe einen Film über die Ausflüge zu drehen. Dafür werden sie mit professionellem Gerät und dem nötigen Know-How ausgestattet.
Amy Slimok, Isabel Gasparovic, Antonie Paul und Johanna Blümel machen am Ende des Schuljahres ihr Abitur in Lüdenscheid auf dem Zeppelin-Gymnasium. Emilka und Julia Larysz, Wiktor Hütter und Bartlomiej Placzek gehen in die 12. Klasse des Lyceums in Ratibor. Ihnen fehlen noch zwei Jahre bis zum Schulabschluss. Jetzt stehen sie gemeinsam in der Wewelsburg in Büren und erfahren Details über die größenwahnsinnigen Pläne des NS-Regimes und die Schrecken die im Konzentrationslager Niederhagen geschehen sind – nur wenige Gehminuten von der Gedenkstätte entfernt. Die vier polnischen Gäste sprechen alle hervorragend Deutsch. So fällt der Austausch leicht – auch wenn das Thema den Jugendlichen nahe geht und sie sehr viele Infos in kurzer Zeit verarbeiten. Dass alleine das „Hören des falschen Radiosenders schon zu Folter führen konnte“ berührt den geschichtsinteressierten Bartek: „Es zeigt wohin Hass und Rassismus führen.“
Am Tag ihrer Ankunft hat die deutsch-polnische Gruppe zunächst einen Tag mit Ingo Starink in seiner Lüdenscheider Agentur Media 4 Web verbracht. Denn: Mit professionellem Video-Equipment kennen sich die 16- bis 18-Jährigen noch nicht aus. Was muss bei Aufnahmen beachtet werden, wie wird das schwere Gerät bedient und was muss man überhaupt filmen? Diese Fragen werden im Workshop besprochen. Und kurz darauf im ersten Interview mit Sebastian Wagemeyer, dem Schulleiter des Zeppelin-Gymnasium, „getestet“.
Dass die Schrecken der Geschichte „nicht nur in Berlin“ stattgefunden haben, sehen sie mit ihren eigenen Augen. Durch ihren gemeinsamen Film lassen sie ihre Mitschüler an der schrecklichen Epoche der deutschen Geschichte teilhaben. Besuche der Gedenkstätte am ehemaligen Stammlager VI A in Hemer – dem heutigen Sauerlandpark, dem Kriegsgefangenenfriedhof „Auf dem Duloh“, der Steinwache in Dortmund oder auch die Lüdenscheider Ge-Denk-Zellen: Alles wird aufgezeichnet.
Das vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk geförderte Projekt findet dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Thomas Miebach, Geschichtslehrer am Zeppelin-Gymnasium und Begleiter des Projekts, findet, dass das Projekt eine tolle Möglichkeit für die Schüler ist, „nicht nur Daten und Fakten über die Geschichte zu kennen, sondern Menschen und Schicksale dahinter kennenzulernen“.
Am Ende haben sie einen 15-minütigen Film über ihre Erlebnisse geschnitten. Mit deutschem und polnischem Begleittext. Isabel findet, dass das Medium Film „für unsere Altersgruppe echt gut ist. Was passiert ist, scheint weit weg, aber so kommt man dem Thema nah.“ Für alle war es etwas neues und eine Herausforderung die Geschichte durch eine Linse zu betrachten. Jetzt freuen sie sich auf den Gegenbesuch in Ratibor. Thematisch wird auch die Zeit des Zweiten Weltkrieges aufgegriffen. Der Fokus wird jedoch auf Fotografie liegen. Ende November machen sich die vier auf den Weg.

Unter professioneller Anleitung von Ingo Starink, Inhaber der Agentur Media 4 Web, lernen die Schüler den Umgang mit Kamera und Mikrofon. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Unter professioneller Anleitung von Ingo Starink, Inhaber der Agentur Media 4 Web, lernen die Schüler den Umgang mit Kamera und Mikrofon. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Im Rahmen des Projektes besichtigten die Jugendlichen verschiedene Gedenkstätten. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Im Rahmen des Projektes besichtigten die Jugendlichen verschiedene Gedenkstätten. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 11.10.2019