Biologischer Waldbrand im Märkischen Kreis

Das Baumsterben im Märkischen Kreis greift um sich. Foto: Alena Scharrenbroich/Wald und Holz
Das Baumsterben im Märkischen Kreis greift um sich. Foto: Alena Scharrenbroich/Wald und Holz

Pressemeldung vom 12.09.2019
|

Die Folgen des Klimawandels sind mittlerweile auch in den Märkischen Wäldern unübersehbar. Nicht nur, dass die Wälder des Amazonas und der russischen Taiga brennen – nein, auch im den hiesigen Wäldern tobt gerade – ausgelöst durch die anhaltende Dürre - ein biologischer Waldbrand. Denn - so Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland – das Ergebnis ist das gleiche: Hektarweise vernichteter Wald.
Temperaturanstieg und deutlich abnehmende Niederschläge, dazu wiederkehrende heftige Sturmereignisse wie zuletzt im Januar 2018 haben im Märkischen Kreis zum massenhaften Absterben der Bäume durch Borkenkäferbefall und Trockenschäden geführt. „Das hat neben einer enormen finanziellen Wertevernichtung dramatische Folgen für den Klimaschutz“, zeigt sich auch Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper besorgt um den Zustand der hiesigen Wälder.
Insbesondere die Fichtenwälder sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Kreisweit zeigen neben den Fichten aber auch die älteren Buchen Eichen und Birken eine starke Kronenverlichtung bis hin zum kompletten Absterben. Ahorn und Esche leiden unter der Rußrindenkrankheit und dem Eschentriebsterben. Die Eschen sind so stark betroffen, dass sie aus Wald und freier Landschaft weitgehend verschwinden werden.


Klimakraftwerk Wald in Gefahr
Damit ist vor allen Dingen die jetzt so wichtige Treibhausgasspeicherung der hiesigen Wälder in Gefahr, konstatiert Jörn Hevendehl. Schließlich ist die Hälfte des Märkischen Kreises mit Wald bedeckt. Das sind 56.000 Hektar. Dieser Wald ist das leistungsfähigste örtliche Klimakraftwerk, das die Märker haben. Bis zu 20 Prozent der jährlichen, kreisweiten CO2-Emissionen wurden bislang der Atmosphäre direkt wieder durch das hiesige Waldvorkommen und dessen nachhaltiger Bewirtschaftung entzogen. „Gerade jetzt brauchen wir im Ringen um CO2-Senkung intakte, leistungsfähige Wälder“, so Hevendehl.
Zu Überwachung der Wälder helfen seit Neustem auch Daten aus dem Weltall. So sind die Revierförster des Regionalforstamtes mit spezieller EDV in den Wäldern unterwegs, um mögliche Befallsherde zu lokalisieren.
Die Karten illustrieren in sieben Stufen und einem 10x10-Meter-Raster, wie sehr die Bäume geschwächt sind und dadurch anfällig für Borkenkäferbefall. Was zunächst banal klingt, ist für Förster und Waldbesitzende eine große Hilfe bei der Borkenkäfer-Bekämpfung. Die Entwicklung der Karten ist ein Ergebnis aus der Arbeit in der „Task-Force Borkenkäfer“ des Umweltministeriums NRW. Sie sind online abrufbar über das Portal www.waldinfo.nrw.de.
Übereifer ist jedoch fehl am Platz. Für Marcus Teuber und seinen Revierassistenten Jonathan Schulte heißt es kühlen Kopf bewahren. Schnelle und rationelle Entscheidungen sind wichtig, um die vorhandenen Arbeitskräfte und Holzabsatzkanäle im Sinne der Walderhaltung zu koordinieren.
Dafür ist die Kooperation mit den Forstbetriebsgemeinschaften, den Kommunen und der Holzvermarktungsorganisation WaldHolz Sauerland entscheidender Erfolgsfaktor, so die Experten vom Regionalforstamt.



Wohin mit dem ganzen Schadholz?
Mittlerweile werden schon mehr als 50 Prozent des Schadholzes nach Asien exportiert, weil die hiesigen Sägewerke den Holzanfall nicht mehr bewältigen können. Aktuell werden dazu durch das Regionalforstamt auf kommunaler Ebene zusätzliche Containerverladeplätze für Schadholz eingerichtet, berichtet Forstreferendarin Alena Scharrenbroich.



Nationaler Waldgipfel am 25. September
Am 25. September findet ein bundespolitischer Ebene ein nationaler Krisengipfel statt. Aber auch in der Kreisverwaltung ist das Thema hochaktuell. So prüfen verschiedene Ressorts die Potenziale an möglichen Nasslagerplätzen.
Schon jetzt sei absehbar, dass in den nächsten Jahren wieder erhebliche Mengen an jungen Bäumen gepflanzt werden müssen, ist sich Kreisdirektorin Dienstel-Kümper sicher. Dazu müsse in den kommenden Jahren massiv in gemischte Waldbestände investiert werden, denn Vielfalt schafft Stabilität im Wald. Ähnlich wie im Aktienmarkt gilt auch im Wald: "Lege niemals alle Eier in einen Korb", so umschreibt Jörn Hevendehl plakativ das zukünftige Waldbaukonzept. Vor allem bedarf es für die Umsetzung ausreichend Forstpersonal „auf der Fläche“, um die klimastabile Wiederbewaldung sicher stellen zu können. Sofortmaßnahmen und finanzielle Mittel sind wichtig. „Wir brauchen allerdings die nötige Personalausstattung, um die Wiederbewaldung auch umsetzen zu können“, blickt der Forstamtsleiter in die nahe Zukunft.


 


 


 


Zum Hintergrund: Regionalforstamt Märkisches Sauerland



Das Regionalforstamt Märkisches Sauerland mit Sitz in Lüdenscheid arbeitet mit seinen 35 Beschäftigten als eines von 14 in der Fläche zuständigen Regionalforstämtern Nordrhein-Westfalens für die nachhaltige Sicherung aller Leistungen der Wälder im Märkischen Kreis.


Zu den Aufgaben gehören:
• Beratung und Betreuung der rund 4.000 Waldbesitzenden, einschließlich der kommunalen Wälder auf rund 30.000 ha Waldfläche
• Umsetzung von Fördermaßnahmen im Wald
• Förderung der Biodiversität durch Beratung und Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen der multifunktionalen Waldbewirtschaftung
• Hoheitliche Aufgaben auf 56.000 ha Waldfläche nach dem Landesforstgesetz NRW und dem Landesnaturschutzgesetz NRW
• Beteiligung an Planungsverfahren, die den Wald betreffen (z.B. Straßenbau, Gewerbegebiete)
• Umweltbildung in allen Altersstufen, insbesondere durch die Waldschule im Märkischen Kreis, Iserlohn-Letmathe


 


 

Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper und Forstamtsleiter Jörn Hevendehl diskutieren die Vitalitätsabnahme. Foto: Alena Scharrenbroich/ Wald und Holz
Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper und Forstamtsleiter Jörn Hevendehl diskutieren die Vitalitätsabnahme. Foto: Alena Scharrenbroich/ Wald und Holz
Zuletzt aktualisiert am: 12.09.2019