Quellenarbeit im Kreisarchiv

Die Austauschschüler aus Pinsk leisteten wertvolle Übersetzungshilfen bei der Quellenarbeit. Foto Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Die Austauschschüler aus Pinsk leisteten wertvolle Übersetzungshilfen bei der Quellenarbeit. Foto Ulla Erkens/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 14.08.2019
|

Im Rahmen des Jugendaustauschs zwischen der Stadt Altena und ihrer weißrussischen Partnerstadt Pinsk informierten sich die Projektteilnehmer im Kreisarchiv über das Leben osteuropäischer Zwangsarbeiter in Altena während der Zeit des Nationalsozialismus. Am Tag zuvor besichtigten sie das Kriegsgefangenenlager in Hemer. Auf dem Programm steht auch noch ein Besuch im MiQua, dem Jüdischen Museum in Köln, um das Schicksal der Juden zu thematisieren. Geleitet wird die Gruppe von Gregor Kertelge, geschichtsbewusster Deutsch- und Philosophielehrer am Burggymnasium in Altena, der dort auch die Partnerschaft mit dem Gymnasium No. 2 aus Pinsk betreut.


Archivar Ulrich Biroth schilderte anhand ausgewählter Fotos die Lebensbedingungen derer, die unter falschen Versprechungen der Nazis zum Arbeiten ins Land gelockt wurden. „Der jüngste registrierte Zwangsarbeiter war gerade mal 16 Jahre“, erzählte er. Nur wenige Zwangsarbeiter kamen in Altena auf Bauernhöfen oder in Familien unter. Die meisten lebten in einem mit Stacheldraht umzäunten und bewachten Lager. Trotz harter Arbeit erhielten die Männer und Frauen oft nur wenig Verpflegung. Viele schrieben ihren Familien und baten um Lebensmittel und Kleidung. Nicht wenige starben an Erschöpfung. Der Kontakt mit Deutschen war während der Arbeit auf das Notwendigste beschränkt und in der Freizeit bei Strafe verboten. Das Lager für kleine Ausflüge zu verlassen, war nur Frauen erlaubt und nur das in Vierergruppen. Eine von ihnen war für das Wohlverhalten der anderen verantwortlich. Wer aus dem Lager flüchtete wurde in Altenas Wäldern in regelrechten Treibjagden gesucht. Viele landetet danach im Konzentrationslager. Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Leiden vieler russischer Zwangsarbeiter noch nicht zu Ende: „Als vermeintliche Vaterlandsverräter wurden die Männer nach Sibirien geschickt und Frauen mussten in Lazaretts Dienst tun.
Das Kreisarchiv verfügt über zahlreiche Quellen aus dieser Zeit. Ordentlich wie die Deutschen nun mal sind, wurde damals jeder Zwangsarbeiter fotografiert und registriert. Leider wurden die Namen so geschrieben, wie gehört. „Dass die Namen komplett falsch geschrieben sind, macht es für uns heute äußerst schwierig sie zuzuordnen“, macht Biroth deutlich. Auch eine Vielzahl von Briefen und Erlebnisberichten von Zeitzeugen sind dokumentiert. Ulrich Biroth freute sich, dass einige der wertvollen Quellen nun mit Unterstützung der Gäste ins Deutsche übersetzt werden konnten.

Zuletzt aktualisiert am: 15.08.2019