Botschafter des Märkischen Kreises zu Gast beim Landrat

Schirmherr Landrat Thomas Gemke und Fachdienstleiter Detlef Krüger würdigten die Leistungen des RAAM Teams als Botschafter für den Märkischen Kreis. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Schirmherr Landrat Thomas Gemke und Fachdienstleiter Detlef Krüger würdigten die Leistungen des RAAM Teams als Botschafter für den Märkischen Kreis. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 31.07.2019
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„Aufgeben war nie eine Option – auch wenn gleich am Anfang des Rennens vieles gegen uns lief“, machte Teamchef Frank Lachnitt deutlich. In sechs Tagen, neun Stunden und vier Minuten haben Markus Gärtner, Julian Becker, Sven Dunker und Miki Milivoje Nilovic mit Unterstützung ihres elfköpfigen Betreuerteams die 4812 Kilometer des legendären Race Across America bewältigt. Mit ihrem Durchhaltevermögen schafften es die Hobbyrennradler sogar auf den dritten Platz des Siegertreppchens. Landrat Thomas Gemke zeigte seine Hochachtung vor der sportlichen Leistung dieser Botschafter für den Märkischen Kreis. „Sie haben sich diese Auszeichnung als Team wahrlich verdient“, lobte er
Unter der Schirmherrschaft des Landrats hatte sich das Team zwei Jahre lang auf dieses Event vorbereitet, die Logistik geplant, Sponsoren und Spendengelder bei verschiedenen Veranstaltungen eingeworben und knochenhart trainiert. Gemeinsam mit dem Märkischen Kreis wurde die RAAM-Team Nordroute und Südroute aufgelegt. Im Rahmen der Kreispartnerschaften radelten die Sportler 2017 in den brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster und wurden dort auch im Mai 2019 herzlich empfangen.
Im Blick hatten die Sportler dabei nicht nur ihren eigenen Ehrgeiz. Ihr Engagement sollte von Anfang an einem guten Zweck dienen, der Palliativabteilung der Märkischen Kliniken in Lüdenscheid. 8.000 Euro spendete das RAAM Team bereits zwischenzeitlich. „Aber wir können die Summe erheblich erhöhen“, verkündete Markus Gärtner stolz, ohne allerdings nähere Einzelheiten zu nennen. „Das machen wir erst, wenn wir Ihnen und den Märkischen Kliniken feierlich den Scheck überreichen“, erklärte Lachnitt dem Landrat. Nur so viel: „Wir haben versucht so sparsam wie möglich zu wirtschaften, um das Maximum an Spendensumme übrig zu behalten. Dadurch sind wir in der Lage, wahrscheinlich eine der größten Summen von allen RAAM Teams, die in den USA gestartet sind, zu spenden“, verriet Julian Becker. Im September wird auch der Film im Kinoformat von Filmemacher Jannik Fischbach fertig sein, der das Abenteuer gemeinsam mit Axel Schneider dokumentiert hat. Der Film soll in heimischen Kinos gezeigt werden.
Doch zurück zum Rennen von der Westküste bis zur Ostküste Amerikas: Nach einem grandiosen Start in Oceanside, Kalifornien, folgte leider ein unfreiwilliger Ausflug in die falsche Richtung. Der Zeitverlust war noch zu verschmerzen. Aber dann kam nachts an der Grenze zu Arizona der Gau: Miki Milivoje Nilovic stürzte beim Überqueren einer Grenzkontrolle über eine Geschwindigkeitsreduzierung und brach sich das Schlüsselbein! „Das war keine abgerundete Schwelle. Das war eher etwas wie ein kantiger Balken“, erzählt der 47-jährige Orthopäde. „Ich habe im Dunkeln das Schild ‚Slow down‘ gesehen und auf 20 Stundenkilometer abgebremst. In dem Moment wurde ich von einem Blitzlicht geblendet und dann flog ich auch schon über den Lenker.“ „Selbst wir im Followcar haben noch einen ordentlichen Hopser gemacht,“ ergänzt Julian Becker. Dank Teamärztin Susanne Weber aus Meinerzhagen und Physiotherapeut Volker Stuberg konnte der Bruch gut stabilisiert werden.
In den anstehenden Bergetappen war für Nilovic an Weiterradeln erst mal nicht zu denken. Das war bitter, nach so intensiver Vorbereitung und Vorfreude. Das Team entschied sich dafür, Nilovics Schichten auf die verbleibenden drei Fahrer aufzuteilen. „Wir waren bis zum Schluss im Rennmodus und haben Vollgas gegeben“, sagt Markus Gärtner. Besondere Herausforderungen waren die 3000 Meter-Pässe in den Rocky Mountains und die Hitze in der der Mojave-Wüste, die sämtliche Versuche sich mit einer Dusche „frisch zu machen“ im Schweiß ertränkte.
Inzwischen machte sich Nilovic soweit er konnte, im Betreuerteam nützlich. Apropos Betreuer: „Die haben wirklich Unglaubliches geleistet“, weiß Frank Lachnitt. Mit ihren elf Betreuern waren die Radler aus dem Märkischen Kreis im Vergleich zu den 20 anderen Viererteams an der Untergrenze. Auf der Strecke waren jeweils ein Radler im Schichtdienst und zwei Followcars mit vier Betreuern und einem Austauschradler auf der Strecke. Die beiden Medienleute Jannik Fischbach und Axel Schneider waren mit ihrer Kameraausrüstung in einem weiteren Fahrzeug unterwegs. Geschlafen wurde ebenfalls im Schichtdienst in einem Wohnmobil, das für sieben Personen ausgestattet war. Von dort erfolgte auch das Catering. „Trotz sieben Stunden Pause haben wir höchstens anderthalb Stunden am Stück geschlafen“, gibt Markus Gärtner zu. Als sich Miki Nilovic gegen die Bedenken der Teamärztin durchsetzte und auf den graden Strecken wieder in die Pedale trat, war das für alle eine Erleichterung. „So konnten wir uns vor der letzten Bergetappe in den Appalachen noch etwas besser ausruhen“, meint Sven Dunker. „Nachdem wir das komplette Rennen fast durchgängig auf Platz 4 waren, war die Freude umso größer im Ziel zu erfahren, dass wir aufs Treppchen gefahren sind“, ergänzt Betreuerin Jana Dopatka. Alle sind sich einig, dass dies eine wahnsinnige Teamleistung war, die ohne Unterstützer, Sponsoren und Spenden so nicht möglich gewesen wäre. Vielleicht gibt es bald eine neue Herausforderung für das Team. Das Schlüsselbein von Miki Nilovic ist inzwischen erfolgreich operiert.


 

Zuletzt aktualisiert am: 31.07.2019