Es ist ein gutes Gefühl, eigenes Geld zu verdienen

Larissa Cham hat ihre Ausbildung zur Vermessungstechnikerin beim Märkischen Kreis in Teilzeit absolviert. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Larissa Cham hat ihre Ausbildung zur Vermessungstechnikerin beim Märkischen Kreis in Teilzeit absolviert. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 07.03.2019
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„Wenn wir Feierabend haben, fängt bei uns die Arbeit erst an“, erzählt Sharlyn Süther. Zuhause warten ein kleines, meist ausgeschlafenes und energiegeladenes Kindergartenkind auf die alleinerziehende Mutter und der Haushalt mit Wäsche waschen, einkaufen, Essen kochen, putzen und vieles mehr. Die 26-jährige Hagenerin hat Ende 2018 ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten beim Märkischen Kreis erfolgreich beendet. Jetzt arbeitet sie an der Info der Ausländerbehörde und wechselt ab April ins Sachgebiet Syrien. „Aus der Ausländerbehörde will ich gar nicht mehr weg“, begeistert sie sich. Ihr gefällt der Kontakt mit den Kunden und „dass immer ordentlich viel zu tun ist“, sagt sie. Zuhause genießt sie es, endlich nicht mehr so aufs Geld gucken zu müssen und sich mit ihrer Tochter einfach mal ein Eis oder einen Zoobesuch zu gönnen. „Es ist ein gutes Gefühl, eigenes Geld zu verdienen!“


Das ist findet auch die frischgebackene Vermessungstechnikerin Larissa Cham aus Werdohl. Sie  hat schon ein wenig von der Welt gesehen. Nach ihrem Abitur 2011 in Schleswig-Holstein folgte sie ihrer Familie erst nach Spanien, dann nach Afrika. In Afrika lernte sie ihren Mann kennen und heiratete. Als es während ihrer Schwangerschaft zu gesundheitlichen Problemen kam und sie ihr Studium der Umweltwissenschaften nicht mehr finanzieren konnte, entschied sich das Paar, sein Glück in Deutschland zu suchen.


„Ich habe mich bewusst fürs Sauerland entschieden, weil es nicht so stark bevölkert ist, es aber viel Industrie gibt. Da ist es leichter, Arbeit zu finden“, sagt die junge Frau. Heute ist sie vor allem dankbar, endlich einen Berufsabschluss in der Tasche zu haben. „Den Wert von Bildung habe ich im Ausland sehr schätzen gelernt“, erklärt sie. Für sie steht fest: Sie will beruflich weiter kommen – für sich selbst und für ihre Familie. Von der Ausbildung zur Vermessungstechnikerin beim Märkischen Kreis hat sie aus der Zeitung erfahren. Gleich im Bewerbungsgespräch wurde der jungen Mutter angeboten, dass auch eine Ausbildung in Teilzeit möglich sei. Ihr Sohn war damals ein Jahr alt und wurde im Kindergarten betreut.


Schon während der Schwangerschaft interessierte sich Sharlyn Süther für eine Ausbildung in Teilzeit. Ihre Qualifikation zur Speditionskauffrau konnte sie als werdende Mutter nicht mehr weiterführen. „Die Arbeitszeiten und Rahmenbedingungen stimmten einfach nicht.“ Und so hat sie sich bei einer Ausbildungsmesse initiativ auf eine Teilzeitausbildung beim Märkischen Kreis beworben und es nicht bereut.


„Es war eine schöne aber auch harte Zeit mit wenig Schlaf“, erinnert sich die Hagenerin an die Ausbildung, die sie mit einer Reduzierung auf 30 Stunden pro Woche absolviert hat. Schön fand sie es, noch vor Beginn der Ausbildung Kontakt zu ihrer Ausbildungspatin zu haben, die sie in die Gepflogenheiten der Kreisverwaltung einweihte. Stationen auf Süthers Weg zur Verwaltungsfachangestellten waren das Gebäudemanagement, die Personalabteilung, die Polizeiverwaltung, das Schwerbehindertenrecht sowie die Natur- und Landschaftspflege und die Finanzbuchhaltung.


Ob zum Kinderspielplatz oder zum Wochenendbesuch bei der Familie, immer hatte sie ihre Bücher dabei und paukte sich durch Gesetzestexte. Natürlich forderte auch ihr „kleiner Wirbelwind“ ihr Recht und ihre möglichst ungeteilte Aufmerksamkeit. „Aber ich hatte auch viel Unterstützung durch meine Familie und meine Freunde“, ist die Alleinerziehende dankbar. Mit Rat und Tat beiseite stand ihr Ausbildungsleiterin Katja Fall. „Noch während meiner Probezeit kündigte die Tagesmutter meiner Tochter“, erzählt Süther. Die Personalabteilung habe sehr positiv reagiert und ihr Urlaub angeboten, um die neue  Betreuung zu organisieren.


Von der Flexibilität der Kreisverwaltung schwärmt auch Larissa Cham, insbesondere wenn es um die Gestaltung der Arbeitszeiten geht. Sie startete ihre Ausbildung zur Vermessungstechnikerin im August 2016 zunächst in Vollzeit. Im April 2017 reduzierte sie ihre Stundenzahl auf 34 als ihr Partner eine Festanstellung annahm. „Da konnte er unseren Sohn nicht mehr vom Kindergarten abholen“.


Der Zeitplan berufstätiger Eltern ist eng getaktet und bedarf viel Organisation. Da ist Gleitzeitarbeit nützlich. Aber trotz dem: „Ich musste lernen, Hilfe anzunehmen“, erzählt Cham und bedankt sich für die spontane Nachbarschaftshilfe, die ihre Familie erfahren durfte. Wenn die Auszubildende Berufsschule hatte, musste auch sie wie ihr Mann schon vor sechs Uhr aus dem Haus. Die Nachbarn sprangen wie selbstverständlich bei der Betreuung des Kleinkinds bis zur Öffnung des Kindergartens ein.


Viel Hilfe und Unterstützung wurde den beiden Müttern auch seitens der Ausbilder, Kollegen und des Personalamtes zuteil. „Es war nie ein Problem, mal zu Hause zu bleiben, wenn das Kind krank war. Soviel Verständnis und Zuvorkommenheit ist nicht bei jedem Arbeitgeber selbstverständlich“, weiß Cham aus Erfahrung. Auch das Eltern-Kind-Büro hat sie mehrfach genutzt. Profitiert hat Cham, die wegen der Familie wenig Zeit zum Lernen fand, insbesondere von dem Vertiefungsunterricht, den erfahrene Vermessungstechniker freitags zu prüfungsrelevanten Themen im Haus angeboten haben. Speziell für Azubis gibt es beim Märkischen Kreis noch weitere Fortbildungsangebote. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen die Schulungsfahrten ins Schullandheim nach Norderney, bei denen sich alle Auszubildenden der Kreisverwaltung untereinander kennen lernen und gemeinsam Seminare besuchen. Viel gebracht hat Cham beispielsweise das Angebot „Fit durch die Ausbildung“, in der eine Psychologin Tipps gab, wie man eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit findet.

Als alleinerziehende Mutte war Sharlyn Süther froh, einen verständnisvollen Arbeitgeber zu finden. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Als alleinerziehende Mutte war Sharlyn Süther froh, einen verständnisvollen Arbeitgeber zu finden. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 07.03.2019