Ein Blick auf die Geschichte der Fahrradindustrie im Märkischen Kreis

Rüdiger Dulinski zeigt bei einer Führung im Deutschen Drahtmuseum das Handwerk des Drahtziehens. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Rüdiger Dulinski zeigt bei einer Führung im Deutschen Drahtmuseum das Handwerk des Drahtziehens. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 28.11.2018
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Ein prominenter Vertreter der Fahrradbranche in der Region war die Firma Wilhelm Berg, die seit 1885 Drahtspeichen in Altena produzierte. Im Rahmen der Sonderausstellung in den Museen des Märkischen Kreises in Altena erzählt Museumsführer Rüdiger Dulinski von seiner 47 Jahre dauernden Beschäftigung beim einstigen Marktführer: „Schon als Kinder haben wir in Heimarbeit die Nippel, also das Verschlussteil der Speiche, auf Verunreinigung geprüft und sie auf die Speichen gezogen. Mit 14 Jahren ging ich dann in die Drahtzieher-Lehre bei der Firma Berg. Meine drei Brüder und mein Vater arbeiteten ebenfalls dort.“ Die Fertigung war in mehrere Arbeitsschritte aufgeteilt: Rüdiger Dulinski zog den Draht, der das Grundgerüst für die Speiche ist. Anschließend wurde der Draht in der Galvanik veredelt und dann der Nippel sowie das dazugehörige Gewinde eingearbeitet, damit die Speiche am Rad befestigt werden konnte. Am anderen Ende wurde der „Kopf“ gebogen, damit sie an der Nabe halt fand. „Als ich 1956 anfing bei Berg zu arbeiten, waren wir weltweit führend mit den berühmten Kleeblatt-Speichen. Diese hießen so, weil auf dem Kopf stets ein Kleeblatt eingraviert wurde“, erklärt Dulinski. Die Markenrechte und der Vertrieb der markanten Speichen gingen nach dem Tod des Eigentümers im Jahr 2007 an die WWS GmbH in Karlsruhe, die so die Tradition der Firma Berg weiterführt.
Die Veränderung der Speichen lässt sich in der Fahrrad-Sonderausstellung gut nachvollziehen. Bei einem Rundgang erläutert der 76-Jährige den Weg bis zur heutigen Speiche. Anfangs wurden sie noch aus Holz gebaut, was wenig Federung bot. Die am Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Drahtspeichenräder waren bedeutend komfortabler für die Fahrer. Bis heute werden sich überkreuzende, weit auseinander gesetzte Speichen aus Stahl im Fahrradbau verwendet.
Überregional bekannt sind auch die Fahrräder der Marke „Vaterland“, die bis 2007 in Neuenrade hergestellt wurden. Das Versandunternehmen für Musikinstrumente wandelte sich ab 1930 in einen großen Betrieb für Fahrräder. In der Blütezeit der Firma in den 50er Jahren wurde das Angebot sogar um Mopeds erweitert. Als „größtes Fahrradversandhaus Deutschlands“ bezeichnete sich der Hersteller in einem Katalog.
Bis zum Ersten Weltkrieg war die Firma Süderland am Standort Mühlenrahmede ebenfalls im Fahrradbau aktiv. Sie stellte seit 1887 verschiedene Modelle her: Renn- und Tourenfahrräder für Damen und Herren, sowie Luxusmodelle und Gepäckräder. Die Firma war für ihre hohe Qualität bekannt.
Heute noch ist das Familienunternehmen Busch & Müller aus Meinerzhagen als Hersteller von Fahrradbeleuchtung ein wichtiger Zulieferer der Industrie. Seit 1925 produziert und entwickelt die Firma ihre Artikel im Sauerland.
Rüdiger Dulinski selbst hatte früher kein Fahrrad, weil er nur wenige hundert Meter entfernt von der Firma Berg wohnte. Heute ist er dem Drahtziehen immer noch verbunden und bietet seit zwölf Jahren Führungen im Deutschen Drahtmuseum an. Im Laufe der Führung wirft er auch gerne die Maschinen an und zeigt, wie das Draht-Handwerk funktioniert und sich entwickelt hat.
Die Sonderausstellung „Rauf aufs Rad! Von der Laufmaschine zum E-Bike“ ist noch bis zum 12. Mai im Deutschen Drahtmuseum und auf der Burg Altena zu besuchen. Weitere Infos unter www.maerkischer-kreis.de.

Ein Fahrrad der Marke "Vaterland" in der Sonderausstellung "Rauf aufs Rad!" in Altena. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Ein Fahrrad der Marke "Vaterland" in der Sonderausstellung "Rauf aufs Rad!" in Altena. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 28.11.2018