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1997

Lüdenscheider Delegation reiste im Juni 1997 nach Polen

"In den letzten Jahren hat sich viel geändert. Das Stadtbild ist lebendiger geworden und an allen Ecken und Enden werden Neubauten hochgezogen." Dieses erfreuliche Fazit zog gestern Bürgermeisterin Lisa Seuster, die das letzte Mal 1989 in Lüdenscheid polnischer Partnerstadt Myslenice weilte.

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Im Juni 1997 kam sie nun zusammen mit Stadtdirektor Klaus Crummenerl, CDU-Fraktionsvorsitzendem Bernd Schulte, Otto Bodenheimer von den Grünen/Bündnis 90 und Stadtpressesprecher Wolfgang Löhn einer offiziellen Einladung zu den "Dni Myslenice" (Feiertage von Myslenice) ind er 18.000 Einwohner zählenden Stadt 30 Kilometer südlich von Krakau nach. Die Lüdenscheider Delegation wurden von Myslenices Bürgermeister Stanislaw Nowacki und seiner Stellvertreterin Teresa Chlosta herzlich begrüßt, genau wie die Delegationen der anderen beiden Partnerstädte Rouvroy (Frankreich) und Natasho (Japan). Ein umfangreiches Besuchsprogramm musste absolviert werden, wobei die Teilnahme an Veranstaltungen aus Anlass des Stadtfestes in Myslenice im Vordergrund stand. Daneben blieb für die Lüdenscheider aber genügend Zeit, sich ein aktuelles Bild von "ihrer" Partnerstadt zu machen. Mittlerweile gibt es fast 2000 private Unternehmen, Firmen und Geschäfte in Myslenice, eine Dichte pro Einwohner, die in Europa sicher ihresgleichen sucht. Das Stadtbild hat sich durch Neubauten und renovierte Fassaden stark verändert. "Die Stadt entwickelt sich blühend" freute sich Lisa Seuster. So wird derzeit ein Hallen- und Freibad gebaut und rund um den Marktplatz lasen freundliche Straßencafés zum Verweilen ein. Viel Geld hat die Stadt Myslenice auch "unter der Erde" investiert. Die Elektrifizierung, die Kanalisation und die Wasserversorgung sind inzwischen auf einem guten Standard. Bei einem Besuch der Medizinischen Oberschule, die eine direkte Partnerchaft zur Gertrud-Bäumer-Schule unterhält, informierte Bürgermeister Nowacki seine Lüdenscheider Gäste darüber, dass in den kommenden Jahren auch alle Schulen in Myslenice renoviert und neue Schulen gebaut werden sollen. In einem Gespräch äußerte Teresa Chlosta den Wunsche, ob sich nicht angehende Erzieherinnen aus ihrer Stadt vor Ort in Lüdenscheid ein Bild von moderner Kindergartenerziehung machen könnten. Lisa Seuster und Klaus Crummenerl sicherten dafür ihre volle Unterstützung zu.

Musikanlage auf dem Weg nach Myslenice

Sechs Mitglieder der "Fördervereins Schulpartnerschaft Medizinische Oberschule Myslenice/ Gertrud-Bäumer-Schule Lüdenscheid" starteten im August 1997 zu einem Besuch ihrer polnischen Partnerschule. Angesichts der Überschwemmungskatastrophe war es bis kurz vor dem Abfahrtstermin unklar, ob man überhaupt fahren könne.

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Da aber die letzten telefonischen Nachrichten aus Myslenice durchweg positiv waren, blieb man beim ursprünglich geplanten Reisetermin. Allerdings nahm die Reisegruppe auf Empfehlung von polnischen Freunden u.a. auch einen Kanister mit Wasser mit, um zu gewährleitsten, dass man unterwegs nicht mit möglicherweise verseuchtem Wasser in Berührung kommt. Auf Wunsch der Partnerschule hatte der Förderverein aus Vereinsmitteln eine mobile Lautsprecher-/Musikanlage für die Aula bzw. die Turnhalle gekauft und mit im Reisegepäck.

Hilfe vom GBBK für das Behindertenheim in Myslenice, Teil 1

Es sollte einfach eine informative Klassenfahrt werden, bei der man die polnische Partnerschaft kennelernt. Es ist viel mehr geworden. In der kommenden Woche will eine Projektgruppe der Gertrud-Bäumer-Schule Geld und Material für ein Behindertenheim in Myslenice sammeln. Noch vor Weihnachten sollen die Spenden in die Partnerstadt transportiert werden.

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An den ersten Eindruck bei der Besichtigung des Behindertenheimesin der Partnerstadt erinnert sich Fee Hüttebräucker ganz genau: "Man sah, dass überall etwas fehlt und viel kaputt ist." Zwischen den Standards der Ausstattung in Lüdenscheid und Myslenice "liegen Welten" ergänzt Tanja Pawlitz. Man sehe, dass organisierte Behindertsnarbeit, wie man sie in Deutschland kennt, in Polen noch in den Kinderschuhen stecke. Zu wenig Spielmöglichkeiten, zu wenig Platz zur eigenen Entfaltung, dazu die schweren Schäden, die das zurückliegende Sommerhochwasser auch in Myslenice angerichtet hat, verwandelten den unbeschwerten Ausflug in die Partnerstadt in den Auftakt zu einer hoffentlich ertragreichen Spendenaktion. Obwohl die Vorbereitungen für die bevorstehende Projektwoche am Raithelplatz schon bald nach Ende der Klassenfahrt anliefen, entschlossen sich die beiden angehenden Erzieherinnen - gemeinsam mit ihren Freunden Dirk Schroller und Kadolina Manczak - die Gelegenheit zu nutzen und den Kindern in Polen zu helfen. Benötigt wird in der Einrichtung, in der behinderte Kinder vom Säuglingsalter bis zum Alter von 18 Jahren betreut werden, alles, was Wohnen und therapeutisches Arbeiten erforderlich machen: Spielzeug aller Art, Material, das für Rehabilitationsmassnahmen gebraucht werden kann, große Bälle, Matratzen, weiche Sitzpolster, aber auch Rollstühle, Hängematten, Sport- und Kinderwagen und vieles mehr. Die Sachen müssen nicht neu, sollen aber funktionstüchtig sein.

Hilfe vom GBBK für das Behindertenheim in Myslenice, Teil 2

Hilfe für Behinderte in der polnischen Partnerstadt Myslenice leistet derzeit eine Schülergruppe der Gertrud-Bäumer-Berufsschule. Angehende Erzieherinnen und Erzieher werben mit Informationstafeln in der Pausenhalle der Schule für ihre Ziele. Gesammelt werden Gegenstände, die zur Rehabilitation und für spielerische therapeutische Übungen gebraucht werden. Die Spenden sollen in der kommenden Woche mit einem Wagen der Märkischen Werkstätten nach Myslenice transportiert werden.

Hilfe vom GBBK für das Behindertenheim in Myslenice, Teil 3

Im Dezember 1997 starteten Fee Hüttebräucker, Otto Bodenheimer und Rüdiger Drallmeyer mit einem vorweihnachtlichen "Überraschungspaket" in die polnische Partnerstadt. Eine Schülergruppe aus angehenden Erzieherinnen und Erziehern hatte sich während der Projektwoche der Gertrud-Bäumer-Schule mit dem Thema "Behindertenheim" befasst.

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Während der Aktion in der Pausenhalle nahmen sie zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung entgegen, zum Beispiel zwei Pflegebetten vom AWO-Seniorenheim Parkstrasse, sackweise Spielzeug (unter anderem von der Fa. Kloeden) sowie spezielle therapeutische Dinge wie Knete und Bälle. Weitere Geschenke für behinderte Kinder und Jugendliche in Myslenice konnten aus dem Erlös eines Basars angeschafft werden, der ebenfalls in der Pausenhalle veranstaltet wurde.

Hilfe vom GBBK für das Behindertenheim in Myslenice, Teil 4

Tränen der Rührung im Kinderheim: "Das hätten wir nicht erwartet!" Sie hatten Tränen der Rührung in den Augen, die Eltern der Schützlinge des einzigen Kinderheims für Behinderte in Myslenice, als der blaue Lieferwagen mit Hilfsgütern aus der Partnerstadt vor der Tür stand.

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Die Bäumer-Schüler Fee Hüttebräucker, Dirk Schmoller und Tanja Pawlitz hatten Geld und Güter gesammelt. Mit Unterstützung ihrer Lehrer Otto Bodenheimer und Rüdiger Drallmeyer wurde dann der Transport organisiert, den Bodenheimer, Drallmeyer und Fee Hüttebräucker schließlich durchführten. Keine leichte Aufgabe, wie sich bald nach der Abfahrt erweisen sollte: 22 Stunden dauerte die Fahrt, darunter fünf Stunden Wartezeit an der deutsch-polnischen Grenze. "Obwohl wir alle Papiere dabei hatten, die unseren Transport als humanitäre Hilfe auswiesen, mussten wir sowohl auf der deutschen wie auf der polnischen Seite erst noch zahllose Laufzettel ausfüllen und Stempel besorgen" schilderte Otto Bodenheimer die als unnötig und schikanös empfundenen Kontrollen. Dann aber war es geschafft: Die erste Station in Myslenice war die Gertrud-Bäumer-Partnerschule, wo es für die Ankömmlinge zunächst einmel etwas zu essen gab. "Die waren schon in Sorge, weil wir so lange überfällig waren." Am Nachmittag rollte der Laster dann zu dem städtischen Kinderheim. Bei einem kleinen Empfang durch die Kinder, die Leiterin und die Eltern, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin von Myslenice, Theresa Chosta: "Wir hatten von der Idee zu der Hilfsaktion gehört. Dass die Jugendlichen ihr Versprechen aber tatsächlich wahrgemacht haben, bewegt uns sehr." Die Lage von Kindereinrichtungen ist in Polen nach den Erkenntnissen Bodenheimers alles andere als rosig: "Die stehen in der Rangliste ganz weit unten und behinderte Kinder wurden vor der Wende überhaupt nicht betreut, sondern regelrecht versteckt." Die in Lüdenscheid gesammelten Güter sind in Polen samt und sonders nur schwer zu beschaffen. Mit Spielzeug hatte man das Kinderheim anfangs zwar auch ausgestattet, "aber bei behinderten Kindern geht einfach mehr kaputt und das konnte nicht ersetzt werden." Nach dem vier Tage dauernden Polen-Transport ist noch einiges vom gesammelten Geld übrig geblieben. "Jetzt sollen die uns konkret sagen, was sie noch brauchen." Es wird also eine Fortsetzung dieser ungewöhnlichen Hilfsaktion geben.