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19.09.2016 Die Zeitzeugen machen Station an unserer Schule!

Vom 11. bis 25. September 2016 kommen dreizehn Holocaust-Überlebende auf Einladung des "Haus des Lebens e.V.", Lüdenscheid, in unsere Gegend, um in vielen Schulen als Zeitzeugen zu berichten. Am 19.09.2016 sind sie in der Aula in Lüdenscheid. Manche sprechen erstmals über ihre traumatischen Kindheitserlebnisse und geben dem Holocaust für junge Deutsche Stimme und Gesicht - vielleicht die letzten Zeitzeugen, die zu uns kommen können.

"Versöhnung geschieht durch das Reden über die Vergangenheit und das Zuhören mit offenem Herzen, besonders von Jugendlichen" heisst es in einer Veröffentlichung des Vereins.

Wir sind sehr dankbar, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern dieses - möglicherweise letzte - Angebot machen können, Geschichte hautnah zu erleben und damit die erinnerungen an die Schrecken an dieses dunkle Kapitel hochzuhalten sowie Lehren für die heutige Zeit zu ziehen.

Dass die hochbetagten Überlebenden aus dieser Zeit den beschwerlichen Weg aus Israel zu uns auf sich nehmen, verdient Anerkennung und Respekt und zeigt, wie wichtig ihnen auch das Andenken ist.

Und hier ist der Bericht über die Veranstaltung...

Zeitzeugen besuchen das GBBK

Einen ganz besonderen Vormittag konnten Schülerinnen und Schüler des GBBK am 19. September 2016 verbringen, hatten sie doch Besuch von 13 Zeitzeugen aus Israel, die bereit waren, den jungen Deutschen von ihrer Zeit im Nationalsozialismus zu erzählen. Diese Gelegenheit musste genutzt werden, da die angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits alle über 80 Jahre alt sind und es nicht sicher ist, ob sie nochmals die beschwerliche Reise auf sich nehmen können. Entsprechend warmherzig fiel die Begrüßung der stellvertretenden Schulleiterin Stephanie Sperlich in der mit 180 Schülerinnen und Schülern vollbesetzen Aula aus.
Aber auch die Schülerinnen und Schüler hatten sich zur Begrüßung etwas ausgedacht: die Klassen EA2 und PEA3 hatten sich zusammengefunden und unter Anleitung von Musiklehrer U. Görke gemeinsam den Kanon Shalom chaverim einstudiert. Diese besondere Geste, mit viel Liebe vorgetragen, wurde seitens der Gäste mit freundlichen Kopfnicken und Applaus bedacht. So war das erste Eis bereits schnell gebrochen.

Auch ein Kamerateam des WDR-Fernsehens war anwesend und filmte die Veranstaltung, der Bericht wurde auch bereits am 19.09.2016 in der Lokalzeit Südwestfalen ausgestrahlt, den Bericht findet ihr hier.

Dann ergriff eine der Zeitzeuginnen, Frau Inna Kurgan, das Wort. Alles, was sie auf russisch sagte, wurde von einem Übersetzer ins Deutsche übersetzt. Dies nahm ihrer sehr anschaulichen Erzählung jedoch nichts von ihrer Spannung und Dramatik. Ihre Schilderungen waren hart, aber immer glaubhaft. So schilderte sie, wie sie als kleines Mädchen mit ihrer Mutter in einem Lager in Odessa war, ihre Mutter aufgrund einer Typhus-Erkrankung verlor und nur überlebte, weil sie mit den Wachhunden des Lagers aus einem Napf gegessen hat.
Inna Kurgan musste sich während der Schilderung des Todes ihrer Mutter nicht nur die Tränen aus dem Gesicht wischen, sondern auch Pausen einlegen, da sie kurzzeitig um Fassung rang. Dies ging auch an den Anwesenden nicht spurlos vorüber und ergriffen hörten die Schülerinnen und Schüler weiter zu.
Nach der Schilderung ihrer Erlebnisse folgte eine warmherziger, aber eindringlicher Appell an die Jugendlichen, sich für Frieden und Freiheit einzusetzen und keine Ungerechtigkeiten zuzulassen. Anschließend bestand Gelegenheit, moderiert von dem Geschichtslehrer Karsten Meininghaus, noch Fragen zu stellen, wovon die Anwesenden reichlich Gebrauch machten. Das hierbei gezeigte Interesse tat den Gästen sichtlich wohl.
Anschließend betrat ein zweiter Zeitzeuge das Rednerpult und berichtete ebenfalls aus seiner Zeit in einem KZ, mehreren Fluchtversuchen und dem Leben in einem Ghetto. Auch schilderte das Geschehen eindringlich, wenn auch in seiner ruhigen Art leichter erträglich.
Nachdem auch dieser Zeitzeuge geduldig alle Fragen beantwortet hatte, machte Frau Sperlich nochmals deutlich, wie dankbar die heutige Jugend sein kann, dass es Menschen gibt, die uns noch so aus der Vergangenheit erzählen können. Die Schülerinnen und Schüler hatten aber auch noch nette Dinge vorbereitet, die sie nun den Zeitzeugen als Dankeschön überreichten. Diese Veranstaltung wird den Anwesenden sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben und sollte, solange dies noch möglich ist, wiederholt werden.