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13.09.2016 Crash-Kurs NRW mach Station in Lüdenscheid

Hintergrund

In Nordrhein-Westfalen ereignen sich pro Jahr 550000 Verkehrsunfälle. Über 600 Menschen werden dabei pro Jahr getötet. Der Anteil von jugendlichen Verkehrsteilnehmern bei den Verursachern von schweren Unfällen ist überproportional hoch. Das ist alarmierend und inakzeptabel. Überhöhte Geschwindigkeit, das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes, der Konsum von Alkohol und Drogen: Das sind in über 50 Prozent aller Fälle die Ursachen, warum Menschen im Straßenverkehr zu Tode kommen oder schwer verletzt werden. Die Polizei geht gemeinsam mit ihren Partnern beim „Crash Kurs NRW“ neue Wege. Die Anregungen stammen aus Staffordshire in England, wo man mit einem vergleichbaren Programm bereits seit Jahren gute Erfahrung gemacht hat.

Crash Kurs NRW

Crash Kurs NRW ging im Jahr 2010 an den Start. Bei den Veranstaltungen in Schulen stehen die Emotionen im Vordergrund. Ziel ist es, bei den jungen Teilnehmern ein realitätsnahes Gefahrenbewusstsein zu schaffen und eine dauerhafte, positive Verhaltensänderungen zu bewirken. Polizisten, Feuerwehrleute, Notfallseelsorger, Notärzte, Verkehrsunfallopfer oder deren Angehörige berichten von ihren Erfahrungen. Sie erzählen, was sie erlebt haben, wie sie sich gefühlt haben und welche Belastungen durch einen Unfall entstehen können. Die Akteure verdeutlichen aber auch schonungslos ihre eigenen Grenzen. Es wird vermittelt, dass Verkehrsunfälle in den meisten Fällen passieren, weil die Fahrer Regeln missachten. Das heißt auch, dass man etwas dagegen tun kann. Den Schülern wird vor Augen geführt, dass sie Verantwortung tragen, wenn sie sich im Straßenverkehr bewegen. Dies gilt nicht nur für den Fahrer, sondern auch für diejenigen, die sich zu ihm ins Auto setzen. Alle tragen Verantwortung für sich selbst und andere. Crash Kurs NRW macht den Zuschauern eindringlich klar, dass innerhalb weniger Sekunden alle Lebensträume zerplatzen können. Damit dies nicht geschieht, sollen die Jugendlichen aufgerüttelt werden und die Überzeugung verinnerlichen: Das Leben ist viel zu wertvoll, als das man es durch eine risikoreiche Fahrweise aufs Spiel setzen sollte. Weniger jungendliche Verkehrsopfer sind der Erfolg, auf den Crash Kurs abzielt. Crash Kurs NRW am GBBK Am 13.09.2016 fand diese Veranstaltung in der Aula in Lüdenscheid statt, interessierte Klassen konnten sich hierfür anmelden. Leider war die Teilnehmerzahl aufgrund der Sitzplätze in der Aula auf 180 begrenzt, es hätten gerne noch mehr teilgenommen. So begann die Veranstaltung bei herrlichstem Sonnenwetter in der abgedunkelten Aula.

Nach der Begrüßung durch die stellvertretende Schulleiterin Sperlich stellte der Moderator der Veranstalter, ein waschechter Polizist in Uniform, seine Mitstreiter vor und führte in die Veranstaltung ein.

Plötzlich piepten laute Herztöne durch die Aula, die schließlich in dem charakterischtischen langen Dauerton endeten, als ob gerade ein Mensch verstorben wäre. Zu der Musik "Geboren um zu leben" zeigte das CrashKursTeam dann zunächst Namen von Verkehrstoten mit Unfalldatum. Was nicht jeder wusste, diese Namen waren keine ausgedachten Namen, sondern waren Vornamen von echten Verkehrstoten aus unserem Kreis! Es folgten Bilder von heftigen Verkehrsunfällen, die ebenfalls alle echt waren und von Unfällen stammten, die tatsächliche auch so passiert waren. Der Moderator betonte, dass er nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gekommen ist, um die Jugendlichen an die Verkehrsregeln zu erinnern. Es war ihm wichtig, dass die überwiegenden Verkehrsanfänger sich klarmachten, dass ein Verkehrsunfall jeden jederzeit treffen kann und was für Folgen ein solcher Unfall hat. Damit dies deutlich wurde, erzählten nacheinander die Mitglieder seines Teams aus ihrer Arbeit:

So erzählte eine junge Streifenpolizistin von einem schweren Motorradunfall, zu dem sie gerufen worden war. Sie legte hierbei den Fokus auf die Tätigkeiten, die sie selbst bei einem Unfall zu erledigen habe. Sie schilderte jedoch auch eindringlich, wie gravierend die Verletzungen des Unfallopfers offensichtlich waren und die Verzweiflung der Lebensgefährtin des Verunfallten, die an die Unfallstelle gekommen war und jetzt wissen wollte, wie es ihrem Freund geht. Wie nachhaltig diese Geschehnisse die junge Frau auch heute berühren wurde den Zuhörern deutlich, die teilweise mit angehaltenem Atem die Schilderungen verfolgten.

Als nächstes ging ein Berufsfeuerwahrmann ans Mikrophon. Dieser erzählte aus seinem Schichtdienst und von einem Unfall, bei dem ein 18-jähriger aus einem verunfallten Mercedes gerettet werden musste, der so stark deformiert war, dass die Rettung die Helfer an ihre Grenzen brachte. Eindrücklich schilderte er die hilfesuchenden Augen des Unfallopfers, das nicht mehr in der Lage war, zu sprechen und dessen Atmung ausgesetzt hatte, die - so der Feuerwehrmann- "mich um Hilfe anflehten". Nachdem es gelungen war, den jungen Mann aus dem Fahrzeug zu bergen, wurde er in den Rettungswagen verbracht, wo die Notärzte weitere 2 Stunden um sein Leben kämpften. Während dieser Zeit stand die Mutter des Unfallopfers vor dem Rettungswagen und schrie ihre Verzweiflung in die Nacht. Gänsehaut pur bei den Teilnehmenden, als der Feuerwehrmann seinen Bericht damit beendete, dass der junge Mann den Unfall nicht überlebte und noch im Rettungswagen verstarb.

Der anwesende Notarzt schilderte danach einen Unfall, in dem er einen seiner Kollegen retten musste, der übermüdet nach einer 24 Stunden Schicht verunfallt war. Dieser überlebte jedoch.

Nach diesen Schilderungen brauchten alle zunächst eine kurze Pause.

Nach der Pause erzählte eine Notfallseelsorgerin von ihrer Arbeit und einem Einsatz, bei dem sie einem Autofahrer Beistand geleistet hat. Dieser Autofahrer hat auf der Autobahn einen anderen verunfallten Autofahrer überfahren, nachdem dieser nach seinem Unfall in Panik aus seinem Auto ausgestiegen ist und über die Fahrbahn gelaufen ist. Sie machte deutlich, dass durch einen Unfall nicht nur die direkt betroffenen leiden, sondern dass auch Angehörige und andere Unfallbeteiltigte unter Umständen ein Leben lang durch Traumata beeinträchtigt werden können.

Ganz besonders mutig war der Auftritt des Unfallopfers. Er schilderte sehr eindringlich, wie er nach seinem Unfall im Krankenhaus erwacht ist und erst nach und nach realisiert hat, was passiert ist und wie sich sein Leben durch die Unfallfolgen komplett verändern würde. Er erzählte nicht nur von den körperlichen Einschränkungen und Schmerzen, die bis heute andauern, sondern auch davon, dass er seinen Beruf als Altenpfleger nicht mehr ausüben kann, seine Wohnung aufgeben musste und sein Leben vollkommen neu sortieren musste. Seine Erzählung ging vielen der Anwesenden sehr nah, die ersten Taschentücher wurden gezückt. Doch all dies wurde noch von dem Hinweis getoppt, dass er deswegen nicht von seinem Unfall selbst erzählen wolle, weil sein Unfall bereits Teil der Schilderungen war: der Motorradunfall, von dem die Streifenpolizistin erzählt hatte, war sein Unfall.
Die Anwesenden waren von den Schilderungen so berührt, dass es am Schluß der Veranstaltung langen, intensiven Applaus gab. Bleibt nur zu hoffen, dass der tiefe Eindruck, den die Schilderungen hinterlassen haben, lange anhält und möglichst viele der Anwesenden ihren Fahrstil anpassen und auf risikoreiche Fahrweisen (zu schnell, unter Drogen oder Alkohol, riskantes Überholen...) möglichst lange verzichten und auch als Beifahrer die Fahrer auf riskantes Verhalten hinweisen. Ein großer Dank gilt den Beteiligten, die sich nicht gescheut haben, vor den 180 Jugendlichen auch Gefühle zuzulassen und über Dinge zu berichten, die in einer solchen Öffentlichkeit sicherlich nicht einfach zu erzählen sind. Hoffentlich kommt diese Veranstaltung bald wieder an unsere Schule!!