Die Entstehung des Märkischen Kreises

Heinrich Bickmann
Der nordrhein-westfälische Landtag verabschiedete am 5. November 1974 das sogenannte "Sauerland-Paderborn-Gesetz". Der Name des Gesetzes zeigt bereits, in welchem großräumigen Zuschnitt diese Gebietsneuordnung vor sich ging. Ein Ergebnis war für das westliche Sauerland die Gründung des Märkischen Kreises als einen der großen des Landes, ja der gesamten Republik. Es war der Zusammenschluss des Kreises Lüdenscheid mit einem großen Teil der Einwohner des ehemaligen Kreises Iserlohn, der früheren kreisfreien Stadt Iserlohn und dem damaligen Amt Balve aus dem Kreis Arnsberg.
Wilfried Droste
Weil das Gesetz auch die Gebiete kommunal neu ordnete, gehörten zum Märkischen Kreis 15 Gebietskörperschaften - 13 Städte und zwei Gemeinden - mit unterschiedlicher Verwaltungsgeschichte, die der Gesetzgeber nunmehr in dem neuen Kreis zusammen fasste. Aber so wenig ihn die Unterschiedlichkeit störte, so wenig hatte er offenbar Probleme bei der Namensfindung. Er nannte den neuen Kreis schlicht "Märkischer Kreis", was offensichtlich bewusst ein Rückgriff auf territoriale Zeiten sein sollte.
Dr. Jürgen Albath
Aber mit der historischen Realität hat der Name nur bedingt etwas zu tun. Der Märkische Kreis deckt weder das Territorium der ehemaligen Grafschaft Mark ab, noch gehörten alle seine Städte und Gemeinden zur ehemaligen Grafschaft. Menden und Balve waren in historischer Zeit kölnische Städte des Herzogtums Westfalen. Beachtliche Teile, die der Stadt Iserlohn zugeschlagen wurden, waren ebenso wenig märkisch, zum Beispiel die ehemalige Stadt Letmathe, die vormals einen Teil der Grafschaft Limburg bildete, und Teile aus dem ehemaligen Amt Menden, die Iserlohn zugeordnet wurden.
Dr. Walter Hostert
Die genannten Vorgänge standen nicht einzeln dar, vielmehr war das ganze Land Nordrhein-Westfalen zwei Jahrzehnte lang mit der Neugliederung der kommunalen Grenzen beschäftigt. Die Gebietsneugliederung war ein ständiger Kampf, der die Kommunen entzweite und die Parteien regelrecht spaltete.

In diese Unruhe hinein wurde der Märkische Kreis geboren, und es bedurfte aller Anstrengungen der politischen Vertreter und der Verwaltungen, aus dem so vielfach unterschiedlichen Gebilde eine wirkliche Verwaltungseinheit zu machen. Bei der Bildung des Märkischen Kreises stand dieser vor der schwierigen Aufgabe, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ehemaligen Kreise Lüdenscheid und Iserlohn in einer Verwaltung zu integrieren und den Personal-Überhang abzubauen.
Klaus Tweer
Bei Inkrafttreten des Sauerland-Paderborn-Gesetzes am 1. Januar 1975 gab es weder eine gewählte politische noch eine Verwaltungsspitze, so dass für die ersten Monate eine kommissarische "Doppelspitze" eingesetzt werden musste, die aus einem politischen und einem Verwaltungs-Kommissar bestand. Vorgeschlagen wurde für die politische Seite von der CDU Heinrich Bickmann, der aus Letmathe stammend schon vorher Mitglied im Kreistag in Iserlohn gewesen war. Als Beauftragten für die Wahrnehmung der Aufgaben des Oberkreisdirektors wurde der OKD des aufgelösten Kreises Lüdenscheid, Wilfried Droste (SPD), vorgeschlagen. Die Landesregierung bestätigte beide. Entscheidungen, die gefällt werden mussten, hatten die beiden Beauftragten zu fällen.
Aloys Steppuhn
Die erste Kommunalwahl nach der Neugliederung fand am 4. Mai 1975 statt. Die CDU ging mit 47,26 Prozent der Stimmen als stärkste Fraktion daraus hervor, gefolgt von der SPD mit 44,03 Prozent und der F.D.P. mit 7,83 Prozent. Die Sitzverteilung im neuen Kreistag ergab 45 Vertreter, die in Wahlbezirken ermittelt wurden, und 22, die über die Reservelisten in den Kreistag einzogen. Auf die CDU entfielen 32, auf die SPD 30 und auf die FDP 5 Sitze; dem Kreistag gehörten also 67 Vertreter an. Da sich die Fraktionen von CDU und FDP zur Zusammenarbeit entschlossen, standen 37 Stimmen den 30 der SPD entgegen. Zum erster Landrat des neuen Kreises wurde Dr. Walter Hostert (CDU) gewählt, der bis 1994 im Amt blieb.

Zunächst ging es darum, einen der beiden Oberkreisdirektoren zum Chef der neuen Verwaltung zu machen. Der politischen Sachlage nach konnte dies nur Dr. Jürgen Albath sein, Oberkreisdirektor des Alt-Kreises Iserlohn, der dann auch am 23. Mai 1975 zum ersten Oberkreisdirektor des neuen Märkischen Kreises gewählt wurde. Er hatte dieses Amt bis zum 30. Juni 1986 inne. Der bevollmächtigte Oberkreisdirektor Wilfried Droste, ehemals OKD des Kreises Lüdenscheid, fand in Norddeutschland eine andere Stelle. Zum Nachfolger des altersbedingt ausscheidenden Dr. Jürgen Albath wählte der Kreistag mit Mehrheit Dr. Bernhard Schneider, vormals Stadtdirektor im münsterländischen Greven. Dieser blieb bis zum 30. Juni 1997 im Amt. Ihm folgte Klaus Tweer als erster hauptamtlicher Landrat, seinerzeit noch mit der Mehrheit des Kreistages in diese Position gewählt.
Bei der Kommunalwahl 1999 wurde Aloys Steppuhn direkt zum Landrat des Märkischen Kreises gewählt.