Komplexes Konzertprogramm des MJO zum Partnerschaftsjubiläum

Dirigent Thomas Grote (rechts) im Gespräch mit Komponist John Rausek
Dirigent Thomas Grote (rechts) im Gespräch mit Komponist John Rausek

Pressemeldung vom 25.08.2017
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Donnerstagabend in der Aula der Sängerstadt Finsterwalde: Dozenten wie Orchestermitgliedern des Märkischen Jugendsinfonieorchesters und den Schülern der Kre-ismusikschule Gebrüder Graun sind die Strapazen der Probentage und –nächte deutlich anzumerken. „Viele begreifen erst jetzt, in den letzten Orchesterproben vor den ersten öffentlichen Auftritten die Dimensionen dieses umfangreichen, vielschichtigen und sehr komplexen philharmonischen Projekts“, sagt Dirigent Thomas Grote. Zum Festkonzert am Samstag 26. August in der St. Nicolaikirche Bad Liebenwerda anlässlich des 25 – jährigen Partnerschaftsjubiläums zwischen dem Landkreis Elbe-Elster und dem Märkischen Kreis muss das Programm sitzen. Nach einem weiteren Konzert in der Lutherstadt Wittenberg, gehen die Partnerschaftsfeierlichkeiten am nächsten Wochenende im Märkischen Kreis weiter. Das Festkonzert findet am Samstag, 02. September im Kulturhaus Lüdenscheid statt. Weitere Konzerte sind in der Stadthalle Meinerzhagen und in der Alten Rohrmeisterei in Schwerte geplant.


Die Idee der „Philharmonischen Partnerschaft“ haben die Landräte Thomas Gemke (MK) und Christian Heinrich-Jaschinski (EE) ausgeheckt. Die Integration der Musikschüler der Kreismusikschüler Gebrüder Graun in das Märkische Jugendsinfonieorchester klappt reibungslos. „Das MJO spielt auf einem sehr hohen Niveau, vergleichbar mit der Jugendphilharmonie Brandenburg“, lobt Schulleiter Thomas Prager. „Daher haben wir unsere achten besten Musikschüler ausgesucht, die auch am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ teilnehmen. Die Kreismusikschule ist eins der Aushängeschilder des Landkreises Elbe-Elster und hat mit rund 2600 Musikschülern keine Nachwuchssorgen. Etwa jeder vierte Schüler besucht in Elbe-Elster die Musikschule. Das Kulturamt des Landkreises Elbe Elster unter Leitung von Andreas Pöschl hat es sich zur Aufgabe gemacht, das weitgehend in Vergessenheit geraten künstlerische Werk der heimischen Komponisten Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun wieder einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und so eröffnet das Partnerschaftsprogramm mit der festlichen Overtüre der Sinfonie D-Dur von Johann Gottlieb Graun, der am Hofe Friedrichs des Großen hohes Ansehen genoss und in der musikalischen Qualität mit Bach vergleichbar ist. Als eine „Welturaufführung“ kündigt Prager das zeitgenössische Auftragswerk „Wo wir uns finden 2017“ für Percussion und Orchester an, das John Rausek und Lars Weber eigens für das Partnerschaftsjubiläum komponiert haben. Aus zeitlichen Gründen können dabei nur zwei Sätze gespielt werden, die die Eigenheiten und Gemeinsamkeiten der Partnerkreise thematisieren. Inspiriert durch einen Besuch der Drahtfabrik Claas/Klinke in Altena wird der Prozess des Drahtziehens bildhaft und mit Jazzelementen nachempfunden. Auch in Finsterwalde wird in Voestalpine Draht gezogen. Musikalisch kommt dabei das Percussion-Ensemble der Kreismusikschule unter Leitung von Lars Weber zum Einsatz, das beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Preis geholt hat. „Die Herausforderung bestand darin, das Soloquintett und das Orchester miteinander zu harmonisieren“, erläutert Grote. Im zweiten Teil unter dem Titel „Legende“ beschäftigen sich die Komponisten auf klanglich zauberhafter Weise mit der tragischen Sage von „Ingmar und Thorgund in der Klutert“.


Im Lutherjahr darf selbstverständlich die romantische „Reformationssinfonie“ von Felix Men-delssohn Bartholdy nicht fehlen. „Das ist ein sehr frühes Werk von Mendelsohn Bartholdy, der als Jude zum Protestantismus konvertiert ist. Es finden sich aber schon Anklänge seiner bekannten Werke“, weiß Stephan Quandel, der als Moderator durch das Programm führt. „Musikalisch setzt der Komponist einer erstarrten Kirche das Thema Freiheit entgegen“, be-schreibt Dirgent Thomas Grote das Thema. Für die beiden Musiker hat Mendelsohn Bartholdy in seiner Zeit die Orchestermusik weit voran gebracht und neue Impulse gesetzt.


Nach der Pause geht es mit einer Auswahl aus dem Ballett „Romeo und Julia“ von Sergej Pro-kofjew weiter. Es gilt als einer der Höhepunkte des musikalischen Schaffens des sowjetischen Pianisten und Komponisten der Moderne. Die reiche und vielfältige Instrumentierung sowie die rhythmische Komplexität der Partitur stellt das MJO vor eine große Herausforderung, die die Nachwuchsmusiker mit viel Spielfreude und Ehrgeiz annehmen. Dissonanzen an der Grenze der Atonalität und schwerfällige Rhythmen bei der Darstellung der verfeindeten Familien, die die junge Liebe unmöglich machen, stehen dabei im Gegensatz zu den zarten und jugendlich-lebhaften Szenen der erwachenden Liebe zwischen Romeo und Julia.


„An solchen schwierigen Programmen wachsen unsere Orchestermitglieder“, resümiert Chris-toph Corazolla, langjähriger Cellodozent bei MJO. Er freut sich darüber, von Probe zu Probe und von von Saison zu Saison die wachsenden Fortschritte und das zunehmende Selbstvertrauen der Jugendlichen zu beobachten. „Sie wollen ihr Können unter Beweis stellen“. Und schon jetzt kann verraten werden, dass die kommenden Konzerte ein Hörgenuss werden.


Die Termine:
Freitag, 01.09.2017, 19.00 Uhr, Konzert in der Stadthalle Meinerzhagen
Samstag, 02. 09. 2017, 17.00 Uhr, Jubiläumskonzert im Kulturhaus Lüdenscheid,
Sonntag, 03.09.2017, 11.00 Uhr, Familienkonzert in der Alten Rohrmeisterei Schwerte
Weitere Informationen und Karten-Vorverkaufsstellen sind im Veranstaltungskalender zu finden unter www.maerkischer-kreis.de.

Die Weberknechte und das MJO in Aktion, Foto Ulla Erkens/ Märkischer Kreis
Die Weberknechte und das MJO in Aktion, Foto Ulla Erkens/ Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 25.08.2017