Küche der Frühen Neuzeit Thema im Deutschen Drahtmuseum

Küchenstück, 17. Jahrhundert, Foto: Jörg Andrees Grenter,Museen Burg Altena
Küchenstück, 17. Jahrhundert, Foto: Jörg Andrees Grenter,Museen Burg Altena

Pressemeldung vom 21.12.2016
Die Weihnachtszeit ist nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch die Zeit der kulinarischen Genüsse. Welchen Gaumenfreuden sich der Adel an Festtagen in der Frühen Neuzeit hingab, während große Teile der Bevölkerung Hunger litt, ist unter anderem Thema der Sonderausstellung des Märkischen Kreises im Deutschen Drahtmuseum und auf der Burg Altena. Während sich „Bei Tisch- Essen und Trinken in der Frühen Neuzeit“ auf der Burg alles um die Themen Porzellan, Tischgedecke, Essbestecke, Tischsitten und Trinkrituale dreht, eröffnet sich im Drahtmuseum die Welt des Kochens und der Verwendung neuer Lebens- und Genussmittel.

Insbesondere die Kochbücher der Frühen Neuzeit verraten viel über das Leben bei Hofe und die opulenten Genüsse bei den führenden Bevölkerungsschichten. Schon damals gab es regelrechte Starköche. Zu ihnen gehörte auch der Mundkoch des Mainzer Kurfürsten, Marx Rumpolt, in dessen Werk „Ein new Kochbuch“ von 1581 es sich zu blättern lohnt. Reich illustriert finden sich hier zahlreiche Rezepte: Exquisites für die Hohen Herren und Damen ebenso wie einfache Mahlzeiten fürs Gesinde. Erstaunlicher Weise wartet es aber auch mit Benimmregeln, Aufgabenbeschreibungen fürs Personal, Anleitungen für die Konservierung von Lebensmitteln und für die Verfeinerung von Bier und Wein.

Einen großen Raum nehmen aber die Speisefolgen für Bankette und Serviervorschläge ein. Wild, exotische Obstsorten und Zucker spielten dabei als Statussymbole eine große Rolle. Zucker durfte selbst bei Fleischgerichten oftmals nicht fehlen. Aus ihm wurden herrliche Kunstwerke gezaubert. En vogue waren auch allerlei Pasteten, die auch gerne mit Wild gefüllt waren. Zur allgemeinen Kurzweil wurden in ihnen gerne mal lebende Hundewelpen, Kaninchen oder Vögel versteckt und bei Tisch unter großem Hallo befreit. Auch kandierte Früchte waren sehr gefragt. Wer über ein eigenes Gewächshaus für seine exotischen Früchte verfügte, galt als sehr reich. „Eine Ananaspflanze, die nur einmal trug und drei Jahre bis zur Fruchtreife brauchte, kostete ungefähr so viel wie eine ganze Kutsche“, erzählt Dr. Agnes Zelck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen des Märkischen Kreises. In viel Kleinarbeit hat sie die Ausstellung im Deutschen Drahtmuseum und in den Museen der Burg Altena konzipiert und passende Leihgaben aus ganz Deutschland organisiert. Rund ein Viertel der Ausstellungsstücke fand sie anhand von Karteikarten im Fundus des Märkischen Kreises. Dank des Restaurators Holger Lüders konnten Gemälde wie das „Küchenstillleben“ oder das „Küchenstück“ passend zur Ausstellung noch „aufgehübscht“ werden. Interessante Hintergrundinformationen zum Thema liefert der reich illustrierte Ausstellungskatalog, der für 10 Euro in den Museen des Kreises erhältlich ist.

Ein besonderes Augenmerk lenkt die Kunsthistorikerin im Deutschen Drahtmuseum auf die Einführung und Verwendung neuer Lebens- und Genussmittel wie Kartoffel, Kakao, Tee oder Kaffee. Dass die Kartoffel aus Südamerika im 18. Jahrhundert als Grundnahrungsmittel für breite Bevölkerungsschichten Einzug in die deutsche Küche halten konnte, verdankt sie unter anderem Friedrich II. von Preußen. Er förderte ihren Anbau intensiv, um den Hunger der Landbevölkerung zu mindern. Denn Kriege und die sogenannte „kleine Eiszeit“ mit langen Wintern, nass-kalten Sommern und zahlreichen Unwettern führten zu zahlreichen Getreide-Missernten und Hungersnöten. Tee und Kaffee setzte sich als neues Heißgetränk zunächst beim Adel, bald aber auch in bürgerlichen Haushalten durch. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert genossen aber auch einfache Leute den Tee zum Teil stark verdünnt oder Kaffee mit Getreidekaffee gestreckt.

Kakao blieb bis ins 19. Jahrhundert weitgehend den wohlhabenden Kreisen vorbehalten. Für das Aufschäumen des Kakaos gab es am Hof extra Schokoladenkannen mit Quirl. Für das Frühstück im Bett kamen sogenannte Zittertassen zum Einsatz. Ein erhöhter Ring in der Mitte der Untertasse verhinderte dabei das Rutschen der Tasse. Dem Thema Schokolade ist im Rahmenprogramm der Sonderausstellung ein eigener Thementag am 26. März 2017 von 11 bis 18 Uhr gewidmet. Auch bieten die Museen auf der Burg Altena einen Kochkurs nach Re-zepten aus der Frühen Neuzeit am 11. Februar 2017 von 11 bis 15 Uhr an. Das Deutsche Drahtmuseum und die Museen der Burg Altena sind am zweiten Weihnachtstag, also am Montag, den 26. Dezember, von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist an diesem Tag frei. Am 24., 25., 31. Dezember und 1. Januar bleiben die Museen geschlossen. Zwischen den Feiertagen gelten die normalen Öffnungszeiten. Weitere Informationen unter www.maerkischer-kreis.de .

Zuletzt aktualisiert am: 21.12.2016