„Viele Nationen als Alltag in einem Jugendzentrum“

Fachtagung der Offenen Kinder und Jugendarbeit

Pressemeldung vom 08.12.2016
Zwei Themen standen jetzt auf der Tagesordnung einer Fachtagung für Fachkräfte aus der Offenen Jugendarbeit in der Jugendbildungsstätte des Märkischen Kreises in Lüdenscheid. Am Vormittag stand der Austausch mit Studentinnen der Universität Wuppertal im Mittelpunkt, nachdem Prof. Dr. Astrid Messerschmidt mit ihrem Impulsreferat „Migrations-gesellschaftliche Perspektiven für die Jugendarbeit“ die entsprechenden Diskussionsstichworte geliefert hatte. Nachmittags stellte die Jugendförderung des Märkischen Kreises gemeinsam mit dem Jugendhilfeplaner das Konzept der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vor, das im Jugendhilfeausschuss am 30.11.2016 verabschiedet wurde.

Prof. Dr. Messerschmidt machte in ihrem Vortrag deutlich, dass die Tatsache der Einwanderung in den letzten Jahrzehnten zu lange nicht angesprochen wurde. Dadurch sei in der Jugendarbeit ein problematisches pädagogisches Verhalten in der Bandbreite von "die gehören nicht hierher" bis "passt euch an" entstanden. Bis heute fehle es an Konzepten des Miteinanders und Voneinander Lernens. Prof. Dr. Messerschmidt wies dabei auf ein Bündnis der Erziehungswissenschaften, Pädagogik und der Sozialen Arbeit hin, die einen „Aufruf für solidarische Bildung“ auf der Webseite www.aufruf-fuer-solidarische-bildung.de veröffentlicht hat.

In Arbeitsgruppen befragten die Studentinnen der Universität Wuppertal anschließend die Fachkräfte über die Grenzen von Zugängen in einem Jugendzentrum. Verdrängen Gruppen andere interessierte Jugendliche? Oder werden bestimmte Angebote von Jugendlichen nicht zur Kenntnis genommen, weil die Öffentlichkeitsarbeit nicht ausreichend ist? Auf die Nachfrage, ob „rechtsgerichteter Populismus“ in den Jugendzentren vorkommen würde, antworteten die Fachkräfte, dass es bisher keine Vorfälle gegeben habe. Wenn vereinzelt Äußerungen fallen, werden sie in Diskussionen zwischen Fachkräften und Jugendlichen aufgearbeitet. Bei der Frage, welche Argumente es gegen die Ängste aus der Bevölkerung geben könnte, verwiesen die Fachkräfte auf die Grundhaltung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Toleranz und Wertschätzung vermitteln eine antirassistische Grundhaltung allen gegenüber. Gleichzeitig sei es wichtig, die Fragen oder Ängste ernst zu nehmen und mit den Jugendlichen über Fakten zu sprechen. Im Internet kursieren Plattformen, die populistische „Wahrheiten“ verbreiten, ohne Fakten und Hintergründe zu liefern. Hier versuchen die Fachkräfte Aufklärungsarbeit zu betreiben. Auf Nachfrage einer Studentin, wie Kinder und Jugendliche in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit das Thema der Globalisierung betrachten, wurde über Methoden des sogenannten „globalen Lernens“ berichtet. In der offenen Kinder- und Jugendarbeit werden unterschiedliche Projekte und Aktionen durchgeführt, wie z.B. fair gehandelte Schokolade am Tresen verkauft oder auf den Verkauf von Coca-Cola verzichtet und dies auch erklärt. Andere Fachkräfte machen Workshops zum Thema „Einkauf von Kleidung aus aller Welt“ und wie deutsche Verbraucher darauf Einfluss nehmen können.

Nach der Vorstellung des neuen Konzepts für die Offene Kinder- und Jugendarbeit im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes, stimmte sich die Fachberatung mit den Fachkräften aus den entsprechenden Städten und Gemeinden ab. Das kommende Jahr soll für die Erarbeitung eigener Konzepte und die Zielvereinbarungsgespräche der Offenen Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden. In Zusammenarbeit mit dem Landesjugendamt wird es dazu einen Fachtag zur Konzeptgestaltung im Februar 2017 geben. Das Konzept des Märkischen Kreises gilt als Grundlage für die einzelnen Konzepte in den Kommunen und soll jeweils mit den Trägern vor Ort erstellt werden.

Zuletzt aktualisiert am: 08.12.2016