Mit suchtgefährdeten Jugendlichen im Gespräch bleiben

Pressemeldung vom 01.12.2016
| Wie bleibe ich mit Jugendlichen im Gespräch, deren Genuss von Alkohol oder anderen Drogen auffällige Züge annehmen? Das ist die Ausgangsfrage der Fortbildung „Move – Motivierende Kurzintervention bei konsumierenden Jugendlichen“, die Evelin Schöffer von der Jugendförderung des Märkischen Kreises gemeinsam mit René Sadowski von der Anonymen Drogenberatung Iserlohn (Drobs) in der kreiseigenen Jugendbildungsstätte in Lüdenscheid anbieten. Die ersten Teilnehmerinnen der von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung NRW (GINKO, Mühlheim) entwickelten und zertifizierten dreitägigen Fortbildung zur Gesprächsführung im Märkischen Kreis kamen aus Jugendzentren, Schulen, der Familienarbeit, der Drogenberatung und der Jugendgerichtshilfe.
Viele von ihnen haben die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche bei Gesprächen mit drohendem Zeigefinger und bei langen Gardinenpredigten schnell dicht machen. Für die meisten Jugendlichen gehören Erfahrungen mit Alkohol und illegalen Drogen wie Ecstasy und Cannabis heute zum Alltag. Aber auch wenn der Umgang mit Drogen schon über das normale „Experimentieren“ hinausgeht, entwickeln Jugendliche selten ein Problembewusstsein. Sie nehmen Risiken nicht wahr und halten sich selbst nicht für suchtgefährdet. Ein Gespräch in einer Drogenberatungsstelle käme für diese Zielgruppe kaum in Frage. In der Fortbildung „Move“ erhalten die Multiplikatoren/innen, die in unterschiedlichen Praxisfeldern der Jugendhilfe in engem Kontakt zu Jugendlichen stehen, brauchbares Rüstzeug und zahlreiche Anregungen, um Jugendlichen ein niedrigschwelliges und alltagsnahes Gesprächsangebot zu machen.
Für Evelin Schöffer und René Sadowski ist die Motivierende Kurzberatung ein viel versprechendes Konzept auf der Suche nach wirksamen Präventionsstrategien. Die Gespräche finden auf Augenhöhe statt und bleiben vertraulich. Kurz und knackig sollen sie immer wieder neue Impulse und Denkanstöße setzen. Das geht auch mal zwischen Tür und Angel im Jugendzentrum oder auf dem Schulhof. „Wichtig ist es, den Jugendlichen ernst zu nehmen, seine Auffassungen und Ziele zu respektieren. Aus den Interessen des Jugendlichen, kann der Gesprächspartner dann Motivationsgründe zur Verhaltensänderung herleiten“, erklärt Sadowski. „Es geht auch darum, die zum Teil destruktive Energie des Jugendlichen in positive Energie um zu wandeln“, ergänzt Schöffer.
Motivierende Kurzberatung thematisiert sowohl die Frage, wie sehr eine Person motiviert ist, überhaupt Hilfe oder Beratung zu suchen oder ihr Verhalten zu ändern als auch die Frage, welche Strategien zu welchem Zeitpunkt des Motivationsprozesses angebracht sind. Move geht dabei von der Grundannahme aus, dass Verhaltensänderungen nur in Übereinstimmung mit den Überzeugungen und Werten der Person und nicht gegen sie motiviert werden können. Durch aktives Zuhören, Wertschätzung und Aufgreifen des Zielkonflikts zwischen den Auswirkungen des Drogenkonsums und der Realisierung der eigenen Interessen, unterstützen die Gesprächspartner den Jugendlichen. Sie stärken sein Selbstvertrauen und seine Motivation zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Drogenkonsum. Bestenfalls führt dies zur Verhaltensänderung beziehungsweise zur Inanspruchnahme weiterführender Hilfen. Das geht natürlich nicht über Nacht sondern ist ein dynamischer lang andauernder Prozess.

Bei der Fortbildung folgen auf theoretischen Input immer praktische Übungen und Rollenspiele, in denen die verschieden Strategien der Gesprächsführung eingeübt werden. Evelin Schöffer und René Sadowski freuen sich über die bisherige positive Resonanz der Teilnehmerinnen. Vom 22. bis 24. Mai 2017 bieten sie das Fortbildungsprogramm „Move – Motivierende Kurzintervention bei konsumierenden Jugendlichen“ erneut für Fachkräfte an, diesmal als Blockseminar in der Jugendbildungsstätte des Märkischen Kreises in Lüdenscheid. Interessierte können sich bereits jetzt bei Evelin Schöffer unter 02351 966-6609 oder e.schoeffer@maerkischer-kreis.de melden.

Zuletzt aktualisiert am: 01.12.2016