Kreis hat wichtige Weichen gestellt

Mehr als 130 Teilnehmer bei Integrationskonferenz

Gut gefüllt war das Forum des Berufskollegs des Kreises in Iserlohn bei der Integrationskonferenz. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Gut gefüllt war das Forum des Berufskollegs des Kreises in Iserlohn bei der Integrationskonferenz. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 26.10.2016
| Integration sei eine Daueraufgabe, und das Erlernen der deutschen Sprache entscheidend dafür, dass sie gelinge. Landrat Thomas Gemke brachte in seiner Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Integrationskonferenz im Berufskolleg des Märkischen Kreises an der Hansaallee in Iserlohn die Probleme auf den Punkt. Thema der Konferenz diesmal: „Familien stärken – Potenziale erschließen – Chancen wahrnehmen.“ Mehr als 130 Interessierte aus Politik, Gesellschaft, aus Städten und Gemeinden, von Wohlfahrtsverbänden, aus KTAs und Schulen sowie Vereinen und Verbänden der Flüchtlingshilfe waren gekommen und füllten das Forum fast bis auf den letzten Platz.

Gemke: „Die deutsche Sprache zu erlernen und auch zu sprechen, ist unabdingbare Voraussetzung für eine gelingende Integration.“ Wenn nur in der Schule deutsch gesprochen werde, sei das nicht genug. Wichtig für gelingende Integration sei aber auch das Anerkennen und Bekenntnis zu den Werten, die das Grundgesetz für alle Menschen, die in Deutschland leben, vorsehe. Der Landrat untermauerte die zunehmende Herausforderung durch Zahlen: „Allein im vergangenen Jahr stieg durch die Flüchtlingswelle die Anzahl der Asylsuchenden im Märkischen Kreis von 1.300 auf knapp 6.000. „Wir haben mit der Einrichtung des Kommunalen Integrationszentrums, der Stellenaufstockung im Fachdienst Aufenthalt- und Migration sowie im Jobcenter wichtige Weichen gestellt, um unseren Beitrag zu leisten“, erklärte der Landrat.

Prof. Haci-Halil Uslucan, Migrationsforscher der Uni Düsburg-Essen und Referent des Nachmittags, schätzt die Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland auf gut viere Millionen. „Das sind rund 30 Prozent“, so Uslucan. Es gebe zwar eine leichte Verbesserung, aber das Thema Integration von Schülerinnen und Schülern dürfe auf keinen Fall vernachlässigt werden. „Die Bildungsaspiration bei den Eltern ist groß. Auch sie wollen gute Bildung für ihre Kinder. Sie sind keineswegs bildungsfern – aber vielleicht Bildungssystem fern.“ Wichtig sei ein durchgehender Schulbesuch. Wegen der Flucht hätten diese Jungen und Mädchen oft lange keine Schule besucht. „Wichtig ist auch das Einreisealter – je jünger desto besser.“

Ebenso wichtig sei die Bleibeperspektive. Uslucan: „Investition in Bildung lohnt sich nur, wenn man längerfristig bleiben will.“ Der Migrationsforscher plädierte dafür, den Migrationshintergrund der Jungen und Mädchen, deren Kulturkreis sowie die familiären Beziehungen bei der Beurteilung ihrer Fähigkeiten zu berücksichtigen. „Kleine Erfolge motivieren. Oft werden spezielle Begabungen nicht erkannt oder nicht entsprechend gewichtet“, erklärte Prof. Uslucan.

Die Arbeit des Kommunalen Integrationszentrums stellte deren Leiter Bernd Grunwald vor. „Ohne die Eltern geht es nicht, und ohne Kooperationspartner geht es nicht.“ Er freue sich über die gute Zusammenarbeit mit Schulen, KITAs, Städten und Gemeinden sowie Jugendämtern. Als gelungene Beispiele nannte Grunwald die Projekte „Rucksack KITA“, „Rucksack Schule“, die elf Elterncafés, die Unterstützung der Flüchtlingshelfer, die Elternlotsen.

Über die Erfahrungen nach der Einrichtung der Flüchtlingsklassen am Berufskolleg des Kreises in Iserlohn berichtete deren Schulleiter Bernhard Ingelbach in einer Gesprächsrunde mit Bernd Grunwald und Daniel Schöning vom Flüchtlingswerk Iserlohn. „Einige haben noch nie eine Schule besucht, noch nie einen Stift in der Hand gehabt. Andere sprechen schon gut Deutsch oder haben in Syrien eine gute Schulausbildung gehabt“, so Ingelbach. Im Februar nächsten Jahres laufe die erste Internationale Förderklasse mit noch 15 Schülerinnen und Schülern am Berufskolleg Hansaallee aus. Nach den Sommerferien sei eine zweite eingerichtet worden. Dort seien noch vier Plätze frei. Wie wichtig die Arbeit des Flüchtlingsnetzwerks Iserlohn ist, machte Daniel Schöning deutlich. Die etwa 100 ehrenamtlichen Paten kümmerten sich um bis zu 700 Flüchtlinge.

Nach dem viel beachteten Referat von Prof. Haci-Halil Uslucan teilten sich die Zuhörer in acht Workshops auf, die sich mit den verschiedensten Themen beschäftigten. Das reichte von „Interkulturelle Familienlotsen und frühe Hilfen“, über „Jugendmigrationsstellen“ bis hin zu „Männlichkeitskonzepte bei muslimischen Jugendlichen“ und „Berichten aus der Arbeit mit Flüchtlingsfamilien“.

Migrationsforscher Prof. Haci-Halil Uslucan war der Referent des Nachmittags. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Migrationsforscher Prof. Haci-Halil Uslucan war der Referent des Nachmittags. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 26.10.2016