Bildungspartnerschaft unterzeichnet

Daten von 13.000 Zwangsarbeitern im Kreisarchiv

Friedenstauben stiegen zum Abschluss auf dem Schulhof auf. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Friedenstauben stiegen zum Abschluss auf dem Schulhof auf. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 28.06.2016
| Die erste Bildungspartnerschaft zwischen einer Grundschule im Rahmen der Landesinitiative „Bildungspartner NRW – Gedenkstätte und Schule“, dem Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie einem Kreisarchiv ist unter Dach und Fach. Landrat Thomas Gemke, der Leiter der Grundschule Am Nocken in Halver-Oberbrügge, Bernhard Ritschel, sowie Peter Bülter, Geschäftsführer des VdK-Landesverbandes, setzten ihre Unterschriften unter die Kooperationsvereinbarung.
Im Rahmen der Landesinitiative ist die Schule Oberbrügge die erste Grundschule in Nordrhein-Westfalen, die Kriegsgedenkstätten in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft als außerschulische Lernorte entdeckt. Weil es sich um die erste Vereinbarung mit einer Grundschule handelt, wollte NRW-Justizminister Thomas Kutschaty in seiner Eigenschaft als VdK-Landesvorsitzender gerne persönlich dabei sein und hatte seine Teilnahme fest zugesagt. Er war auch schon auf dem Weg nach Halver, als er wegen eines dringenden Dienstgeschäftes wieder umdrehen musste.
Bildungspartner ist neben dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge NRW auch das Kreisarchiv des Märkischen Kreises, das über viele historische Quellen zu den Themen erster und zweiter Weltkrieg und zu den Lebensbedingungen von Zwangsarbeitern in der Region verfügt. Die Herausforderung liegt darin, die Erziehung zum Frieden kindgerecht zu gestalten. Die Oberbrügger Grundschüler haben sich der fünf Gräber von Zwangsarbeitern auf dem nahegelegenen Ev. Friedhof angenommen.
„Wir wollten den Bogen spannen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Die Zukunft sind unsere Kinder“, begrüßte Schulleiter Bernhard Ritschel die Schülerinnen und Schüler, geladenen Gäste, Lehrer und Elternvertreter im vollbesetzten Saal.
„Wir waren zunächst unsicher - Kriegsgräber und Grundschüler, passt das überhaupt? Aber unsere Zweifel sind schnell verflogen“, sagte Peter Bülter. Der VdK-Landesgeschäftsführer dankte den Jungen und Mädchen für ihren beispielhaften Einsatz. Was sie schon geleistet haben, war an einer Fotowand dokumentiert. „Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg“, schloss Bülter sein Grußwort mit einem Zitat von Mahatma Gandhi.
Über das neue Projekt freute sich Landrat Thomas Gemke auch in seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender des VdK. „Das Kreisarchiv ist das Gedächtnis des Kreises. Dort lagern 3,5 Kilometer historischer Akten“, verriet der Landrat. Darunter seien auch die Daten von rund 13.000 Zwangsarbeitern, die während des Zweiten Weltkriegs in allen Kommunen des Kreises, zumeist in Firmen und in der Landwirtschaft, eingesetzt worden seien. „Frieden ist nicht selbstverständlich. Krieg ist immer Leid und Elend“, so der Landrat. Er lud die Schülerinnen und Schüler zu einem Besuch des Kreisarchivs nach Altena ein.
Die Jungen und Mädchen hatten für das Rahmenprogramm Gedichte und Lieder einstudiert. Als große Überraschung stiegen abschließend auf dem Schulhof Friedenstauben auf.

Sie unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung: (von links) Schulleiter Bernhard Ritschel, Landrat Thomas Gemke und VdK-Landesgeschäftsführer Peter Bülter. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Sie unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung: (von links) Schulleiter Bernhard Ritschel, Landrat Thomas Gemke und VdK-Landesgeschäftsführer Peter Bülter. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Gespannt verfolgten vor allem die Jungen und Mädchen die Festveranstaltung. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Gespannt verfolgten vor allem die Jungen und Mädchen die Festveranstaltung. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 28.06.2016