Schon bald mehr Pflegeplätze erforderlich

Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt schwierig

So verteilen sich die vollstationären Pflegeplätze auf die Städte und Gemeinden. Grafik: Märkischer Kreis
So verteilen sich die vollstationären Pflegeplätze auf die Städte und Gemeinden. Grafik: Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 03.06.2016
| Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und die Situation der Pflege im Märkischen Kreis: Das waren die zentralen Punkte bei der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales im Lüdenscheider Kreishaus. Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters Märkischer Kreis, rechnet mit einem monatlichen Zugang von 80 bis 100 Flüchtlingen beim Jobcenter. „Sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wird drei bis fünf Jahre dauern“, wagte Riecke eine Prognose. In der Regel fehle es den Bewerbern an Deutschkenntnisse, und die berufliche Qualifikation aus den Herkunftsländern sei nicht übertragbar. „Die Leute sind motiviert und wollen schnell Geld verdienen, aber uns helfen da keine Schnellschüsse“, so der Jobcenter-Chef. Sein Ausblick: „Positive Zahlen wie in der Vergangenheit werden wir hier wohl auf absehbare Zeit nicht mehr liefern können.“

Die Anzahl der erwerbsfähigen Personen aus nichteuropäischen Asylzuzugsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) lag im Mai laut Riecke bei 1.025. Das sei eine Steigerung um 140 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Mai. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften dieser Personengruppe sei im Mai deutlich auf 740 gestiegen. Ein Lob hatte Volker Riecke für die heimischen Unternehmen mit in den Ausschuss gebracht. „Sie reagieren sehr positiv auf unsere Maßnahmen, scheuen aber zu recht den hohen bürokratischen Aufwand.“ Dem Jobcenter fehle es seinerseits an der Finanzierungssicherheit für die langfristigen Projekte. Fachbereichsleiter Volker Schmidt wies auf die finanziellen Auswirkungen für den Kreishaushalt hin. „Wir haben bei den Kosten der Unterkunft für dieses Jahr bereits einen Zuwachs eingeplant und für 2017 weitere 1,5 Millionen Euro vorgesehen.“ Schmidt forderte vom Bund die „flüchtlingsbedingten Mehrkosten“ zu erstatten.

58 vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit 4.495 Plätzen: Das ist aktuell das Angebot im Märki-schen Kreis. „19,2 vollstationäre Plätze je 100 Einwohner, das ist viel“, erklärte Ralf Kling, Fachdienstleiter Pflege beim Kreis, in der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales. Die Auslastung der Einrichtungen liegt aktuell bei 93 Prozent – 350 Plätze wären noch frei. „Der Märkische Kreis ist derzeit gut versorgt. Plätze sind zu finden, wenn auch nicht immer quartiersnah“, so der Fachdienstleiter. Das werde sich in den kommenden Jahren ändern. Zwar gehe die Anzahl der Einwohner insgesamt zurück, aber die der 80-Jährigen und älteren wachse stetig. Sie nehme bis zum Jahr 2020 um 7.000 Personen zu – eine Steigerung um 30 Prozent. „Wir brauchen mehr stationäre Pflegeplätze, wir brauchen mehr ambulante Pflegeplätze, und wir brauchen mehr Pflegekräfte“, forderte Ralf Kling. Der Kreis sei deshalb ständig auch im Gespräch mit den Städten und Gemeinden.

Zu einer verbindlichen Pflegebedarfsplanung gemäß Pflegegsetz wird der Kreis zurzeit keinen Gebrauch machen. Dieser Beschlussvorschlag der Verwaltung fand im Ausschuss große Zustimmung. Eine örtliche Pflegbedarfsplanung wird in Abstimmung mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden erstellt.

Bis zu fünf Jahre dauert die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Foto:  Raffi Derian/Märkischer Kreis
Bis zu fünf Jahre dauert die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Foto: Raffi Derian/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 03.06.2016