„Totentanz“ im Kreisarchiv

Ausstellung zeigt Scherenschnitte und Druckgraphiken

Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski vor Teilen der aktuellen Ausstellung. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski vor Teilen der aktuellen Ausstellung. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 27.04.2016
| Nichts für zart Besaitete ist zurzeit ein Besuch im Kreishaus an der Bismarckstraße 15 in Altena. „Ein Totentanz des Weltkriegs und Das Leben“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums, die das Kreisarchiv des Märkischen Kreises dort bis zum 1. Juli präsentiert. Der Tod war das Leitmotiv des Pfarrers und Künstlers Melchior Grossek (1889 – 1967). Mit Scherenschnitten und Druckgraphiken verarbeitete er auf eine schaurige und intensive Weise die Schrecken des Ersten Weltkriegs und drückte sein christliches Bekenntnis aus.

„Ursprünglich wollten wir in unserer Weltkriegsausstellung im Jahr 2014 nur einige Beispiele aus Grosseks Totentanzserie zeigen. Die Wanderausstellung war jedoch bis jetzt ausgebucht. Ich bin sehr froh, dass wir in einer eigenen Schau das qualitativ hochwertige und zu Unrecht in Vergessenheit geratene künstlerische Werk präsentieren können“, sagt Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski. Die Leihgabe des Oberschlesischen Landesmuseums ist zum ersten Mal im Märkischen Kreis zu sehen.

Der 1889 im schlesischen Bralin geborene Grossek studierte in Breslau katholische Theologie und begann gleichzeitig eine künstlerische Ausbildung an der dortigen Kunstakademie bei dem bekannten Künstler Heinrich Tüpke. 1923 erschien sein bedeutendstes und zentrales künstlerisches Werk: „Gestalten des Todes. Ein Totentanz des Weltkriegs“. Die aus 15 Blättern und diversen Vorstudien und Variationen bestehende Scherenschnittreihe aus hauchdünnem Seidenpapier widmete er beiden Brüdern, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren.

Der Totentanz war im späten Mittelalter ein populärer Kunsttypus, der den Betrachter an die eigene Sterblichkeit erinnert und ermahnt, seine christlichen Gebote und sozialen Pflichten zur Erlangung des ewigen Lebens zu erfüllen. Das Gemetzel auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs veranlasste zahlreiche Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts, die vergessene Kunstform neu zu entdecken. Grosseks Totentanz führt in schauriger Eindringlichkeit dem Betrachter die Schrecken des Krieges vor Augen. Ebenfalls 1923 veröffentlichte Melchior Grossek „Das Leben“. Nicht mehr ganz so expressiv, bisweilen idyllisch und detailliert gestaltet sind die 33 Scherenschnitte aus dem Leben Christi. Kunst ist hier weder Klage noch Protest, sondern Zuversicht. Der Künstler Grossek tritt hinter dem Priester Grossek zurück.

Den Jahrestag der größten und zugleich verlustreichsten Schlacht des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren nimmt das Kreisarchiv zum Anlass, mit Grosseks Scherenschnitten der 420.000 Briten, 204.000 Franzosen und 465.000 Deutschen - darunter zahlreiche Märker - zu gedenken, die von Ende Juni bis Ende November 1916 auf beiden Seiten des Flusses Somme westlich von Péronne getötet, vermisst, verwundet oder gefangen genommen wurden.

Die Ausstellung im Kreishaus I, Bismarckstraße 15 in Altena, ist bis zum 1. Juli zu den normalen Öffnungszeiten zu sehen. Weitere Informationen im Internet unter www.maerkischer-kreis.de sowie telefonisch unter 02352/ 966-7055.

Die Feldherren, ein Scherenschnitt von Melchior Grossek. Foto: Märkischer Kreis
Die Feldherren, ein Scherenschnitt von Melchior Grossek. Foto: Märkischer Kreis
Die Auferweckung - ein weiteres Motiv aus der Ausstellung. Foto: Märkischer Kreis
Die Auferweckung - ein weiteres Motiv aus der Ausstellung. Foto: Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 27.04.2016