Christoph Jochheim-Wirtz macht Serbien fit

Fachdienstleiter des Kreises fast drei Jahre in Belgrad

Christoph Jochheim-Wirtz half fast drei Jahre im serbischen Belgrad. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis
Christoph Jochheim-Wirtz half fast drei Jahre im serbischen Belgrad. Foto: Hendrik Klein/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 16.02.2016
| Fast drei Jahre lang war Christoph Jochheim-Wirtz in Belgrad. Von März 2013 bis Dezember 2015 hat der Fachdienstleiter Kataster und Geodatenmanagement beim Märkischen Kreis geholfen, Serbien fit zu machen für einen EU-Beitritt. Jetzt ist der 58-jährige Dortmunder zurück in der Kreisverwaltung - um viele Erfahrungen und einige Freunde reicher. „Stärkung kommunales Landmanagement“, so hieß das mit drei Millionen Euro ausgestattete Vorhaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, das Christoph Jochheim-Wirtz unterstützen durfte. „Wir haben verschiedene Projekte durchgeführt. Das Ministerium hat sich dazu der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit bedient“, erklärt er die Rahmenbedingungen. Was war seine Aufgabe genau? „Wir mussten erst einmal die Strukturen schaffen und die Kommunen dabei unterstützen, moderne Technik beim Flächenmanagement einzusetzen und Bürgerbeteiligungen einzuführen“, so der 58-Jährige.

Bürgerbeteiligung im Baurecht gab es in Serbien vorher nicht. Christoph Jochheim-Wirtz, dessen Kolleginnen und Kollegen, darunter mit Harald Müller von der Stadtverwaltung Mainz ein weiterer Deutscher, zeigten ihren Gastgebern, wie es gemacht wird. Kurios in Serbien: 80 Prozent der Grundstücke sind in staatlichem Eigentum, die Häuser darauf in Privatbesitz. Dies passt nicht in die EU-Strukturen. „Jeder EU-Bürger muss die Möglichkeit haben, Grundstücke in Serbien zu kaufen. Der Grundstücksmarkt muss frei sein, sonst kann das Land der Europäischen Union nicht beitreten“, so Jochheim-Wirtz.

Wie groß sind die Grundstücke genau? Was kostet der Quadratmeter Boden? Wie teuer ist es in den Metropolen, wie teuer auf dem Land? Fragen über Fragen, bei deren Lösung Christoph Jochheim-Wirtz die serbischen Stadtplaner unterstützt hat. Neben der Wertermittlung gehörte auch die Baulandumlegung, in Deutschland schon 1960 eingeführt, zu den Schwerpunkten des Dortmunders. Denn erst seit 2015 ist die städtische Flurbereinigung im serbischen Baugesetz verankert. Anders als in Deutschland war der Immobilienmarkt in dem Balkan-Land nicht transparent. Deshalb berieten Jochheim-Wirtz und seine Kollegen das Landesvermessungsamt beim Aufbau einer Kaufvertrags-Datenbank. „Dazu wurden 160.000 Kaufverträge ausgewertet und in die Datenbank eingegeben. Alle sind jetzt im Internet einsehbar – unter Berücksichtigung strenger Datenschutz-Auflagen, versteht sich. Das war für Serbien revolutionär“, erklärt der Fachdienstleiter des Kreises.
Und was kostet Wohneigentum in Serbien? „2.000 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung in Belgrad, damit muss man rechnen. Auf dem Land ist es natürlich deutlich günstiger“, weiß Christoph Jochheim-Wirtz. Preise, wie sie in anderen europäischen Metropolen durchaus üblich sind. „Belgrad boomt und hat sich zu einer Partystadt entwickelt“, erklärt der 58-Jährige. Junge Leute kämen freitags mit den Billig-Fliegern, amüsierten sich übers Wochenende und flögen dann zurück in die Heimat.

Belgrad, ein teures Pflaster? „Kommt darauf an“, so Jochheim-Wirtz, der mit Ehefrau Anne-Kathrin drei Jahre dort lebte. „Als wir unsere Wohnung im Zentrum angemietet haben, verlangte der Vermieter dafür zunächst 1.150 Euro pro Monat. Geeinigt haben wir uns dann auf 600 Euro. Das würde so in Deutschland wohl nicht gehen.“ Eine interessante Aufbauaufgabe, und ein tolles Land. Was hat ihm nicht gefallen? „In Serbien wird viel geraucht, sehr viel. Auch bei uns im Büro waren außer mir alles Raucher. Da ist es nicht so schön, wenn in Restaurants gequast wird.“ Gewöhnen müsse man sich auch an dem oft intransparenten Verwaltungshandeln.

Ein wahres El Dorado ist Serbien für die leidenschaftlichen Mountainbiker Anne-Kathrin und Christoph Jochheim-Wirtz. „Es gibt herrliche Landschaften. Allerdings ist es manchmal schwierig an geeignetes Kartenmaterial zu gelangen.“ In bester Erinnerung ist dem 58-Jährigen eine sechstägige Mountainbike-Tour mit 50 Serben durch die Berge bis nach Montenegro. Mit dabei waren vier Mitglieder der Lüdenscheider Turboschnecken. Christoph Jochheim-Wirtz hatte den Kontakt zwischen den Turboschnecken und dem Verein MTB Ciker Kraljevo in Zentral-Serbien vermittelt. Kraljevo liegt etwa 200 Kilometer südlich von Belgrad.

Wie fällt das Fazit von Christoph Jochheim-Wirtz nach drei Jahren Serbien aus? „Eine tolle Zeit. Ich konnte meine beruflichen Erfahrungen, die ich beim Märkischen Kreis gemacht habe, gut in das Projekt einbringen. Unsere Arbeit hatte sogar Einfluss auf die Baugesetzgebung in Serbien. Meine Frau und ich haben viel erlebt, ein neues Land kennengelernt und neue Freunde gewonnen.“

Mit etwa 50 Mountain-Bikern machte sich der Fachdienstleiter des Kreises auf die Mehr-Tages-Tour durch die Berge nach Montenegro. Foto: Privat/Märkischer Kreis
Mit etwa 50 Mountain-Bikern machte sich der Fachdienstleiter des Kreises auf die Mehr-Tages-Tour durch die Berge nach Montenegro. Foto: Privat/Märkischer Kreis
Mit auf Tour waren die Mitglieder der Turboschnecken aus Lüdenscheid. Foto: Privat/Märkischer Kreis
Mit auf Tour waren die Mitglieder der Turboschnecken aus Lüdenscheid. Foto: Privat/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2016