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Konzept Museen

An vielen Stellen des früheren Rundgangs durch die Museen Burg Altena war seit langem sichtbar geworden, dass die Dauerausstellungen nicht mehr zeitgemäß waren und insbesondere nicht dem Standard moderner besucherorientierter regionalgeschichtlicher Museen entsprachen, die sich an breite Bevölkerungsschichten wenden. Gerade bei Museen, die sich in kommunaler Trägerschaft befinden, ist es wichtig, dass die Besucher die Möglichkeit erhalten, sich intensiv mit ihrer regionalen, also ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen zu können. Aber auch auswärtige Besucher profitieren von der musealen Darstellung des Typischen einer Region. Zeitgemäße historische Regionalmuseen leisten damit wichtige Beiträge zur kulturellen Identität.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich die regionalgeschichtlichen Museen von der rein ästhetischen und enzyklopädischen Präsentation ihrer Objekte verabschieden: Mit Hilfe moderner museologischer Methoden bieten sie kultur-, sozial-, alltags- und technikgeschichtliche Deutungsmuster an. Konnte diese Entwicklung in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Schlagwort "vom Musentempel zum Lernort" treffend beschrieben werden, so ging die Entwicklung in den 1990er-Jahren dahin weiter, das historische Lernangebot mit dem Medium Museum gerecht werdenden Methoden erlebnisorientiert aufzubereiten. Dies ist sicherlich der richtige Weg, um möglichst breite Schichten für historische Museen zu begeistern. Nur so kann die in den 1970er-Jahren begonnene Demokratisierung der Geschichtsmuseen, die einen jahrelangen Museumsboom begründete, aber auch in viele methodische Sackgassen, z. B. in die Textlastigkeit, geführt hat, erfolgreich weiterentwickelt werden.

Aus der Analyse der bestehenden Probleme und Aufgabenstellungen heraus hatte Museumsleiter Stephan Sensen bereits Mitte 1996 die wichtigsten grundlegenden Anforderungen, die an neukonzipierte Dauerausstellungen auf der Burg Altena zu stellen waren, formuliert:

  • Stärkere Konzentration auf die Regionalgeschichte des märkischen Sauerlandes und damit Rückkehr zu den Wurzeln des 1875 gegründeten Museums, da darin wesentliche Stärken des Sammelkonzeptes begründet liegen, außerdem bei einer solchen Konzeption Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinander klaffen und eine regionale historische Dauerausstellung die Identitätsfindung der Region unterstützen kann.
  • Einbinden der herausragenden Sammlungen und Exponate in einen chronologischen und thematischen roten Faden, der sich an der Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte der Region orientiert. Beginn des Rundgangs bei den geologischen Voraussetzungen der Region und Ende des Rundgangs in der Gegenwart, d. h. auch Einbeziehung neuzeitlicher und zeitgeschichtlicher Themen.
  • Auflösen des Sammelsuriums, so dass von den 1994 noch vorhandenen acht Museen und Sammlungen auf der Burg nur noch das Museum der Grafschaft Mark und das Museum Weltjugendherberge übrig bleiben, während das Deutsche Drahtmuseum bereits 1994 in ein eigenes Gebäude 300 m unterhalb der Burg ausgelagert wurde: Integrieren des Geologischen Sauerlandmuseums, der archäologischen Abteilung und des Märkischen Schmiedemuseums in das Museum der Grafschaft Mark, Abwickeln des Deutschen Wandermuseums und des Erzgebirgischen Heimatmuseums.
  • Abkehr von den Geschichtsfälschungen: Deutlich machen, dass es sich nicht um ein Burgmuseum, sondern um ein Museum in einer Burg handelt. Thematisieren des Wiederaufbaus der Burg.
  • Aufgeben des Universalanspruchs mancher Ausstellungsabteilungen und Beschränkung auf die wesentlichen für einen roten Erzählfaden notwendigen Aspekte eines Themas.
  • Planung einer ausgefeilten, auf ein stimmiges Gesamterlebnis zielenden Dramaturgie der Dauerausstellungen, die verhindert, dass viele, nicht aufeinander bezogene Ausstellungsräume und -abteilungen entstehen.
  • Bewusstes Einsetzen inhaltlicher und gestalterischer Perspektiv- und Methodenwechsel, damit die Spannung beim Besucher bis zum Schluss des Rundgangs gehalten werden kann.
  • Abkehr von der in vielen Räumen überwiegenden Platzierung der Exponate innerhalb von Wandabwicklungen. Hinwendung zur Dreidimensionalität, d. h. zur umfassenderen Nutzung der Ausstellungsflächen und -räume.
  • Auflösen der typologischen Präsentationsformen und Arrangieren der Objekte in Inszenierungen, die Sinnzusammenhänge assoziieren oder erkennen lassen.
  • Vergrößern der Ausstellungsfläche durch das Belegen von Räumen, die zuletzt nicht von den Dauerausstellungen genutzt wurden.
  • Reduzieren der Anzahl der Objekte und stärkeres Herausstellen der wichtigsten und wertvollsten Exponate gemäß dem Motto "weniger ist mehr".
  • Betonen der Sinnlichkeit und der Authentizitäts-Aura originaler Exponate, die im Mittelpunkt des Interesses der Museumsbesucher stehen.
  • Weitgehender Verzicht auf computerunterstützte Virtualität, die nicht nur wegen ihres zu schnellen Veraltens und der zu hohen Wartungsintensität in einem Museum problematisch ist, sondern auch, weil die Institution Museum nur als bewusster Kontrapunkt zur immer virtueller werdenden Gesellschaft funktioniert, zumal virtuelle Erlebnisse auf jedem Heimcomputer professioneller und aktueller angeboten werden.•Sehr sparsamer und gezielter Einsatz audiovisueller Medien an den Stellen, wo sie aus inhaltlichen oder didaktischen Gründen notwendig sind.
  • Vermeiden von zu vielen und zu langen Texten, die dem Medium Museum nicht gerecht werden, weil Besucher sie in Ausstellungen nicht lesen wollen, sondern allenfalls im Katalog.
  • Vermeiden von Anlehnungen an kurzlebige Entwicklungen des Zeitgeistes in der Gestaltung. Setzen auf ein in den Hintergrund tretendes, puristisches, zeitloses Design, das sich der Aufgabe unterordnet, die Wirkung der Räume und der Exponate zu unterstützen.
  • Orientierung der baulichen und gestalterischen Umsetzungen an den Bedürfnissen des Exponates Nr. 1, der Burg Altena. Vermeiden von Beeinträchtigungen des Bauwerks - sowohl außen, als auch innen. Rückbau von den Denkmalcharakter störenden oder widersprechenden Einbauten oder Baumaßnahmen, insbesondere auch im Museum Weltjugendherberge, den authentischen Räumen der ersten ständigen Jugendherberge der Welt.

Mitte 1997 hatte der Museumsleiter den politischen Gremien ein inhaltliches Grobkonzept präsentiert, in dem ein Rundgang mit allen Räumen thematisch festgelegt war. Auf dieser Basis arbeitete ein wissenschaftliches Team, bestehend aus Heinrich Ulrich Seidel M. A., Dr. Christiane Todrowski M. A. und Marita Völmicke M. A., von Ende 1997 bis Mitte 2000 unter der Leitung des Museumsleiters die inhaltlichen Feinkonzepte aus, d. h. sozusagen die Regieanweisungen für die einzelnen Abteilungen.

Der Gestaltungsauftrag wurde an das renommierte Berliner Architekturbüro Steiner vergeben, das vor allem auf die Gestaltung musealer Ausstellungen spezialisiert und in dieser Profession mit führend im deutschsprachigen Raum ist. Jürg Steiner, mittlerweile auch Professor an der Universität-GH-Wuppertal, hatte sich in den letzten Jahren wie kein Zweiter mit herausragenden Ausstellungsprojekten in denkmalgeschützten Gebäuden für die schwierige Synthese von Denkmalschutz und Dauerausstellungen in der Burg Altena empfohlen.

Das Jahr 1999 brachte eine intensive Diskussion zwischen der wissenschaftlichen Planungsgruppe und dem Gestaltungs- und Architekturbüro. Es ging um die Frage, wie in jedem Raum die inhaltlichen Konzepte gestalterisch umgesetzt werden könnten. In diesem schwierigen Prozess mussten folgende Bausteine zu einem funktionierenden Ganzen zusammengefügt werden: der thematische Inhalt einer Ausstellungsabteilung mit den recherchierten Objekten und den architektonischen und ästhetischen Erfordernissen des Raumes, jeweils vor dem Hintergrund, dass am Schluss nicht eine Abfolge nicht aufeinander abgestimmter Räume entsteht, sondern sich eine schlüssige Gesamtrhetorik ergibt. Darüber hinaus waren auch die logistischen Schwierigkeiten zu lösen, die sich daraus ergaben, dass erst die alte Ausstellung abgebaut wurde, Zwischenlager für die Exponate in der Burg entstehen mussten, dann die Räume eingerichtet und zum Schluss bestückt wurden.

Rechtzeitig zum 125-jährigen Museumsjubiläum konnten die Museen Burg Altena Ende Juni 2000 mit neu konzipierten Dauerausstellungen des Museums der Grafschaft Mark und des Museums Weltjugendherberge wieder eröffnet werden. Bei der Umsetzung der Planungen wurden alle bereits 1996 formulierten Anforderungen an den neuen Rundgang berücksichtigt. Er thematisiert die Geschichte des traditionsreichen märkischen Sauerlandes so, dass die Besucher die Möglichkeit erhalten, ein besseres Verständnis für diese Region zu entwickeln. Die wichtigsten Gestaltungselemente sind die thematisch motivierte, unterschiedliche farbliche Fassung der einzelnen Räume, die gezielte Lichtführung, das bühnenbildähnliche, assoziative Arrangement vieler Objekte, vor allem aber die Hervorhebung der ursprünglichen Raumeindrücke, weshalb die Vitrinen und Bilderrahmen so transparent wie möglich konstruiert worden sind.

Zuletzt aktualisiert am: 05.09.2012