Duell – der Streit um den Wiederaufbau der Burg Altena

Kunstgeschichtsprofessor Hermann Ehrenberg Landrat Fritz Thomée Spendenaufruf Wiederaufbau Burg Altena

1609 starb Johann Wilhelm, der letzte Herzog von Jülich-Kleve-Berg, Graf von der Mark und Ravensberg. Die Grafschaft Mark mit der Burg Altena gelangte zusammen mit Kleve und Ravensberg in brandenburgischen Besitz. Nach dem Verlust ihrer wehrtechnischen Bedeutung verfiel die Burg zusehends. Erste Wiederaufbaupläne fanden 1835 die Zustimmung des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. und des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel. Obwohl die Altenaer Wehranlage den Hohenzollern als Stammburg ihrer mütterlichen Linie galt, scheiterte das Projekt.
1906 griffen die märkischen Eliten das Vorhaben wieder auf. Anlässlich der 300-jährigen Zugehörigkeit der ehemaligen Grafschaft Mark zu Brandenburg-Preußen wollten sie die Burg Altena zum Jubiläumsjahr 1909 wiederherstellen. Landrat Fritz Thomée und der Architekt Georg Frentzen planten eine historistische Überbauung der vorhandenen Substanz. Die Burg sollte ein patriotisches Wahrzeichen zu Ehren des preußischen Herrscherhauses werden. Das Nutzungskonzept sah ein Heimatmuseum, eine Gastronomie, einen Aussichtsturm und einen Veranstaltungsort für volkstümliche Feste vor.
Doch das Projekt provozierte Widerstand. Angeführt vom Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus und dem Münsteraner Kunstgeschichtsprofessor Hermann Ehrenberg liefen alle fortschrittlichen Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Architekten und Museumsleute Deutschlands Sturm gegen das Vorhaben. Sie plädierten für eine Konservierung der gut erhaltenen „Ruine“ im Sinne der modernen Denkmalpflege. Beinahe hätte der Streit zu einem Pistolenduell zwischen Thomée und Ehrenberg geführt. Erst ein Machtwort des Kaisers entschied den Disput zugunsten der Burgenbauer. Der Wiederaufbau aber hatte sich durch den Streit und die Diskreditierung des Projekts so verzögert, dass er erst 1915 abgeschlossen werden konnte. Damals begann die kulturtouristische Erfolgsgeschichte der Burg Altena, zu der auch die dort gegründete erste ständige Jugendherberge der Welt beitrug.
Die Ausstellung „Duell – der Streit um den Wiederaufbau der Burg Altena“ war Bestandteil des Gesamtprojekts „Wir sind Preußen. Die preußischen Kerngebiete in Nordrhein-Westfalen 1609–2009“.
Schon seit 1609 gehörten bedeutende Gewerberegionen auf dem Boden des heutigen Nordrhein-Westfalens zu Brandenburg und später zu Preußen. Diese Neuerwerbungen im Westen – das Herzogtum Kleve, die Grafschaften Mark und Ravensberg und seit 1648 auch das Fürstentum Minden – bildeten den Kern Preußens in Rheinland und Westfalen. Oft waren gerade diese Gebiete Schrittmacher der Modernisierung für Preußen insgesamt. Bis heute ist das Bewusstsein vor allem in den westfälischen Regionen durch die mehr als dreihundertjährige Zugehörigkeit zu Brandenburg und Preußen geprägt. An vielen sichtbaren, aber auch versteckten Spuren lässt sich diese besondere Vergangenheit ablesen. Grund genug für fünf Museen an sechs Standorten im preußischen Kern Nordrhein-Westfalens, die spannende, aber auch spannungsreiche Geschichte Preußens in diesem Raum in eigenen Ausstellungen zu erzählen.

Zur Ausstellung erschien ein Begleitbuch zum Preis von 19,95 €. Es ist in den Museen erhältlich.

Ausstellungszeitraum:

01.02. - 01.06.2009

Katalog: Wir sind Preußen

mehr Informationen

Die preußischen Kerngebiete in Nordrhein-Westfalen 1609–2009, hrsg. v. Stephan Sensen / Eckhard Trox / Maria Perrefort / Gerhard Renda / Veit Velzke, erschienen im Klartext-Verlag, Essen 2009, 264 Seiten, zahlr. Abb.
ISBN 978-3-89861-965-3
Preis: 19,95 Euro

Der Katalog bezieht sich auf das Gesamtprojekt. Die Museen Burg Altena sind mit dem Beitrag „Duell – der Streit um den Wiederaufbau der Burg Altena“ (S. 157-194) von Stephan Sensen vertreten.
Folgende weitere Beiträge sind in dem Buch veröffentlicht:
Jürgen Kloosterhuis: Preußen, Rheinland und Westfalen. Leitlinien einer Wechselbeziehung (S. 5-9)
Helmut Langhoff/Veit Veltzke: Im Westen viel Neues. Als Nordrhein-Westfalen preußisch war (S. 11-87)
Eckhard Trox: Preußen und der Aufbruch in den Westen. Die Grafschaft Mark zwischen Beharrung und Modernisierung – neue Wege der Forschung (S. 89-117)
Maria Perrefort: „Es gibt ausgezeichnete Köpfe hier“ – Das preußische Hamm um 1800 (S. 119-155)
Gerhard Renda: Preußens Spuren in Minden-Ravensberg (S. 195-215)
Veit Veltzke: Für die Freiheit – Gegen Napoleon. Ferdinand von Schill im Netzwerk der preußischen Konspiration (S. 217-252)
Martin Wilhelm Roelen: Wesel und die elf Schill’schen Offiziere (S. 253-260)

Zuletzt aktualisiert am: 02.02.2016