Erste Integrationskonferenz nach Kreistagsbeschluss zu Integrationskonzept [Juli 2010]
1. Begrüßung durch Landrat Thomas Gemke
In seiner Begrüßung betonte Landrat Thomas Gemke, dass Zuwanderung eigentlich schon seit lang zurückliegenden Zeiten im Märkischen Kreis stattfinde. Viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund hätten bedauerlicherweise auch heute noch ungünstige Startbedingungen und verließen häufiger ohne Abschluss die Schule als im Durchschnitt. Der Schlüssel zur Integration für Kinder, Eltern, mit aber auch ohne Migrationshintergrund sei das Beherrschen der deutschen Sprache. Integration sei eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.
2. Sachbericht der Koordinierungsstelle Integration
Bernd Grunwald von der Koordinierungsstelle berichtete zum aktuellen Stand bei der Umsetzung des Integrationskonzeptes. Es liegen derzeit 26 Ziele und 50 Maßnahme-Vorschläge vor, die schrittweise umzusetzen seien. Wichtige Bestandteile des Konzeptes sind das Herstellen von Transparenz, die Vernetzung der Akteure und eine Nachhaltigkeit in der Umsetzung. Zu fünf Handlungsfeldern bestehen aktuell fünf Arbeitsgruppen. Die dort behandelten Themen wurden von Herrn Grunwald kurz vorgestellt. Außerdem wurden mehrere Projekte und Veranstaltungen, an denen die Koordinierungsstelle beteiligt war oder die sie selbst initiiert hat, dargestellt. Hier geht's zur Präsentation.
3. Erfahrungen aus dem zurückliegenden KOMM-IN-Projekt "Sprachförderung als Baustein.."
Gert Wolff von der Freiherr-vom-Stein-Grundschule und Martina Hellmann vom Familienzentrum „Bärenbande“, beide aus Hemer, berichteten über ihre Erfahrungen, die sie im Rahmen des KOMM-IN-Projektes „Vorschulische Sprachförderung als Baustein kommunaler Bildungsnetzwerke“ gemacht hatten. Ein wesentliches Thema betraf die Zusammenarbeit zwischen Lehrer/innen, Erzieher/innen und Eltern. Durch das Projekt seien Familienzentrum und Grundschule noch enger zusammengewachsen. Herr Wolff betonte, dass weiterhin daran gearbeitet werden müsse, genau die Eltern zu Veranstaltungen zu bekommen, die normalerweise zu schulischen Veranstaltungen nicht erscheinen.
4. Rückblick auf das Projekt "Ausbilden - wir sind dabei!"
Bernd Höller von der agentur mark GmbH informierte die Gäste über das Projekt JOBSTARTER „ran-mark“, in dessen Verlauf es gelang, 114 zusätzliche Ausbildungsplätze in Unternehmen einzurichten, deren Inhaber selbst einen Migrationshintergrund haben. Das Projekt wurde erst kürzlich beendet; jetzt werde an einer Fortführung der Initiative gearbeitet. Herr Höller schlug vor, eine regionale Anlaufstelle zu gründen, die auf vorhandenen Strukturen aufbaut und gemeinsam mit Migrantenorganisationen, der Arbeitsagentur, kommunalen Wirtschaftsförderern und der Koordinierungsstelle Integration Unterstützungsangebote aus einer Hand anbietet. Wichtig sei es, Angebote umzusetzen, die die Potenziale von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ausreichend wertschätzen und entsprechend fördern. In den nächsten Wochen werde hierfür ein Förderungsprogramm veröffentlicht. Zum Vortrag.
5. Neues Doppelprojekt "Integration durch Einbürgerung - Integration durch Engagement"
Katja Feld vom Institut für soziale Innovation in Solingen informierte die Teilnehmer über das anstehende KOMM-IN-Projekt des Märkischen Kreises mit dem Titel „Integration durch Einbürgerung – Integration durch Ehrenamt“. Es handelt sich um ein Doppelprojekt, welches jetzt im Juli beginnt und bis Ende Januar 2011 abgeschlossen sein muss. Danach sollen die erarbeiteten Ergebnisse in weitere Aktivitäten einfließen. Die wesentlichen Ziele der beiden Teilprojekte sind zum einen ein Kommunikationskonzept „Sag ja zur Einbürgerung“ mit konkreten Handlungsansätzen für eine verbesserte Information zum Thema Einbürgerung zu entwickeln, und zum zweiten ein Beteiligungs- und Qualifizierungskonzept zu erstellen, um in Zukunft Menschen, die sich als „Brückenbauer zwischen den Kulturen“ engagieren, zu stärken. Dabei sollen vor allen Dingen kreisangehörige Kommunen berücksichtigt werden, bei denen bisher noch keine Unterstützungsstruktur für „Brückenbauer“, „Begleiter“ oder „Lotsen“ existiert. Thomas Schmitz vom Fachdienst Aufenthaltsrecht und Integration des Märkischen Kreises ergänzte dazu, dass aus seiner Sicht die Einbürgerung ein wichtiger Schritt im Integrationsprozess darstelle. 70 Prozent der Ausländer im Märkischen Kreis würden die formalen Bedingungen zur Einbürgerung erfüllen, aber nur wenige von ihnen würden die Chance ergreifen, sich einbürgern zu lassen. Folien zum Vortrag.
6. Berichte aus den Kommunen
Nach einer kurzen Pause, in der Deniz Kutlu von der Alevitischen Gemeinde in Lüdenscheid ein traditionelles Musikstück auf einer türkischen Laute vortrug, informierten Vertreter aus den Städten Iserlohn, Lüdenscheid und Werdohl über die aktuellen KOMM-IN-Projekte vor Ort.
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Ercan Atay vom Integrationsrat der Stadt berichtete über die in diesem Jahr in Iserlohn geplante Erstellung eines kommunalen Integrationskonzeptes (Planskizze). Notwendig sei dabei aus seiner Sicht eine aktive Bürgerbeteiligung.
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Volker von Rüden erläuterte das Lüdenscheider KOMM-IN Projekt, in dem die Situation älterer Migranten in der Stadt untersucht werden soll. Bereits im Jahr 2008 hatte dazu Auftaktveranstaltung im Rahmen des Lüdenscheider Integrationskonzeptes stattgefunden, bei der von den Pflegediensten viel Bereitschaft signalisiert worden sei, dieses Themenfeld vertieft zu bearbeiten. Etwa 1.000 ältere Migrantinnen und Migranten sollen insgesamt befragt werden; ein Teil der Befragungen hat bereits stattgefunden. Ziel ist es, Wege zu finden, wie in Lüdenscheid die Situation von Senioren mit einer Zuwanderungsgeschichte verbessert werden kann und welche Fachleute dabei helfen können. Diese Ergebnisse sollen im Januar 2011 auf einem Fachtag vorgestellt werden. Zu den Folien
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Gudrun Siebert von der Stadt Werdohl gab bekannt, dass auch das KOMM-IN Projekt in Werdohl, ähnlich wie das des Märkischen Kreises, zum Ziel hat, das ehrenamtliche Engagement von Zugewanderten zu stärken. Vier Phasen sind dafür vorgesehen: 1. Ermittlung des Angebots, 2. Erstellung des Qualifizierungsprogramms, 3. Lokalisieren von „Lotsen“ und 4. Durchführung des Qualifizierungsprogramms.
7. Projekt "Pflegelotsen"
Anschließend berichtete Mona Baschlau vom Caritasverband Iserlohn e.V. über das bereits laufende Projekt der Pflegelotsen. Hintergrund für die Projektidee ist die Erfahrung, dass Angebote in der Pflege von Hilfebedürftigen mit Migrationshintergrund nicht in Anspruch genommen werden. Insgesamt zehn Schulungs-Veranstaltungen, in denen über Hilfemöglichkeiten in der Pflege informiert wird, werden zwischen September und November dieses Jahres in Iserlohn, Menden, Altena und Werdohl stattfinden. Zum Vortrag
8. Ergebnisse der Wahlen zu Integrationsräten bzw. -ausschüssen
Zum Abschluss zeigte Ercan Atay vom Landesintegrationsrat NRW die Wahlergebnisse zur Wahl der Integrationsräte und -ausschüsse in NRW und speziell im Märkischen Kreis.
9. Verschiedenes
Unter dem Punkt „Verschiedenes“ rief Michaela Ernst von den Museen der Stadt Lüdenscheid die Anwesenden dazu auf, bei den Recherchen zu einer Ausstellung zum Thema „Zuwanderung im Märkischen Kreis“ zu helfen. Die Ausstellung wird in vier verschiedene Themenbereiche unterteilt: 1. „Heimat und Aufbruch“, 2. „Die ersten Jahre“, 3. „Stimmungswandel“ und 4. „Blick in die Zukunft“.
Ulrich Möller berichtete schließlich über das inzwischen sehr erfolgreich angelaufene Projekt der Rotarier „Sprache verbindet“ in Lüdenscheid. Dabei handelt es sich um Sprachunterricht für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren. Ursprünglich startete dieses Projekt in Iserlohn, mittlerweile gibt es zahlreiche Ableger im Märkischen Kreis wie auch in Nachbarregionen. Wichtig sei die Erfahrung, so Herr Möller, dass sich viele Schüler mit türkischer Abstammung aktiv an dem Projekt beteiligten. So gelinge es, jüngere Schüler zu motivieren, sich stärker für ihre eigene Bildung einzusetzen um damit einen guten Schulabschluss zu erreichen.
Die Konferenz, durch die Helmut Wehn von der Koordinierungsstelle Integration führte, klang unter der musikalischen Begleitung von Herrn Kutlu mit vielen Gesprächen der Teilnehmer untereinander aus.


