Workshop Qualitätssicherung
Pflegende Angehörige vor Überlastung schützen
Pflegende Angehörige von Demenzkranken mit passgenauen Angeboten zu entlasten, hat sich die Pflegeberatung des Märkischen Kreises auf die Fahnen geschrieben. Damit die Überlastungssymptome und deren Risiken auch rechtzeitig erkannt werden, startet der Märkische Kreis jetzt ein gemeinsames Projekt mit der Universität Siegen.
Im Rahmen einer vom Bundesfamilienministerium geförderten Studie des Fachbereichs Erziehungswissenschaften und Psychologie unter Leitung von Professor Dr. Susanne Zank hat die Uni Siegen einen praxisorientierten Fragebogen entwickelt. Anhand dieses Instruments wurden nun Mitarbeiter/innen Ambulanter Pflegedienste im Lüdenscheider Kreishaus geschult, Pflegende Angehörige zu individuellen Belastungen zu befragen, die Ergebnisse auszuwerten und zu interpretieren.
Die Teilnehmer/innen sollten lernen, typische aus der Pflegesituation resultierende Risiken für pflegende Angehörige einzuschätzen. Studien zu Folge sind mindestens 60 Prozent der pflegenden Angehörigen von Burnout bedroht. Somatische Beschwerden, Depressionen aber auch aktive oder passive Gewalt in der Pflege können die Folge sein. Schlimmstenfalls bricht die häusliche Pflege zusammen. Anhand der Befragungsergebnisse können Angehörige vorausschauend beraten und individuelle Entlastungsprogramme entwickelt werden. Gleichzeitig ermöglicht das Instrument eine einfache aber wissenschaftlich fundierte Beurteilung der Effizienz der eigenen Arbeit.
Mit diesem Angebot schlägt die Pflegeberatung in Kooperation mit der Uni Siegen und dem Fachbereich Gesundheitsdienste und Verbraucherschutz des Märkischen Kreises (der den Kontakt zur Uni Siegen hergestellt hat) mehrere Fliegen mit einer Klappe: Über das Beratungsgespräch der ambulanten Pflegedienste bahnen sie den Kontakt zu den Pflegenden Angehörigen an, die erfahrungsgemäß sonst erst nach Hilfen rufen, wenn sie bereits maßlos überfordert sind. Die ambulanten Pflegedienste erreichen über die gezielte Beratung mehr Kundenbindung und können ihr Angebotsspektrum den konkreten Bedürfnissen anpassen.
Die Entlastung der Angehörigen stabilisiert in der Regel die Pflegesituation zu Hause. Ganz im Sinne der Maßgabe "ambulant vor stationär" erwartet der Märkische Kreis eine Verbesserung der Qualitätssicherung in der Altenhilfe und einen längeren Verbleib Demenzkranker in der familiären Umgebung. "Mit unserem Workshop `Qualitätssicherung in der Angehörigenarbeit` haben wir offensichtlich einen Nerv getroffen. Es haben sich auf Anhieb 22 Teilnehmer/innen angemeldet", meint Pflegeberater Matthias Kortwittenborg.
Im Rahmen des Projekts "Älter werden im Märkischen Kreis" ist die Kooperation ein neuer Baustein. Er erfasst drei von vier Zielgruppen, nämlich "Ältere Menschen mit Demenz", "Pflegende Angehörige" und "Allein lebende Ältere". Referentin Constanze Steinhusen von der Uni Siegen ist sehr zufrieden mit der Resonanz auf ihr Seminar. Unterstützt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet die Uni Siegen das Programm derzeit noch kostenfrei allen Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen an.
Weitere Informationen erhalten Sie beim Märkischen Kreis von Herrn Dipl.-Sozialarbeiter Matthias Kortwittenborg, Telefon: 02352 966-7126.


