Pflegeberatung soll ausgebaut werden
Ausschuss einstimmig für "optimiertes Jobcenter"
Das Soziale stand bei der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales des Märkischen Kreises am Dienstag, 1. Juni 2010, deutlich im Vordergrund. Die Politiker diskutierten unter anderem den geplanten Ausbau der Pflegeberatung. Zwar wurde noch kein Beschluss gefasst, weil das Thema noch in die Fraktionen soll, aber alle Ausschussmitglieder signalisierten ihre Zustimmung. Oberstes Ziel der Pflegeberatung beim Märkischen Kreis: „Die Menschen sollen so lange wie möglich in ihrer eigenen Umgebung bleiben können“, erklärte Ralf Kling, Fachdienstleiter Pflege. „Das hat auch einen finanziellen Aspekt.“ Fast 27,3 Millionen Euro betrug der Zuschussbedarf des Kreises im vergangenen Jahr - Tendenz steigend. Kämmerer Fritz Heer: „Wir haben eine Modellrechnung erstellt. Wenn wir die demografische Entwicklung zu Grunde legen und alle älteren Menschen stationär untergebracht werden müssten, reden wir von jährlich 30 Millionen Euro mehr.“ Deshalb, aber vor allem im Sinne der Betroffenen, sei es dringend erforderlich, jetzt die Weichen zu stellen.
Künftig soll es drei Pflegeberatungs-Teams geben: Das „Team Süd“ ist zuständig für Beratungen im Raum Lüdenscheid, Halver, Schalksmühle, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid. Das „Team Nord“ wird tätig im Bereich der Städte Iserlohn, Hemer, Menden und Balve. Das „Team Mitte“ übernimmt die Beratungen im Raum Nachrodt-Wiblingwerde, Altena, Werdohl, Neuenrade und Plettenberg.
Die geschätzten 281.700 Euro Mehrkosten für die vier zusätzlichen Planstellen, so der Fachdienstleiter, amortisierten sich bereits bei nur 29 Personen, für die Lösungen gefunden werden, damit sie nicht stationär untergebracht werden müssen. Kling: „Der Kreis zahlt durchschnittlich pro Jahr 15.000 Euro pro Person in Pflegeheimen.“
Eine gute Arbeit („Wir liegen aktuell im bundesweiten Vergleich auf Rang zwei“, so Kämmerer und Sozialdezernent Fritz Heer) wird der ARGE Märkischer Kreis attestiert. Grund genug für die Ausschussmitglieder, einstimmig für eine gemeinsame Einrichtung als Weiterführung der ARGE zu votieren. Zusammen mit der Agentur für Arbeit soll die Arbeit im Rahmen eines „optimierten Jobcenters“ fortgesetzt werden.
Beteiligen soll sich die ARGE MK auch an dem Modellprojekt „Bürgerarbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Dabei geht es darum, 140 schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen wieder eine berufliche Perspektive zu bieten. 100 Euro pro Teilnehmer und Monat soll sich der Kreis das kosten lassen. Das Projekt beginnt am 1. Januar und ist auf drei Jahre befristet. 168.000 Euro kostet dieser Zuschuss den Kreis jährlich. „Für uns ein Nullsummenspiel. Die 140 Teilnehmer bekommen keine Kosten der Unterkunft mehr, weil sie von ihrem Einkommen leben können“, so Kämmerer Fritz Heer. Der Bund stellt insgesamt 5,5 Millionen Euro zur Verfügung.
87.000 Menschen im Kreis haben eine körperliche Beeinträchtigung zwischen 20 und 100 Prozent. Das sind zwanzig Prozent der Bevölkerung. Das sagte Fachdienstleiterin Anja Spies im Ausschuss bei ihrem Zwischenbericht zur Übernahme der Versorgungsverwaltung. Die Versorgungsämter waren zum 1. Januar 2008 aufgelöst worden. Seither habe sich die Zahl der Fälle deutlich erhöht. Es ergebe sich ein rechnerischer Mehrbedarf von 2,5 Stellen. Anja Spies: „Der Kreis zahlt jetzt schon jährlich 580.000 Euro drauf.“ Die Aufgabenübertragung sei insgesamt erfolgreich gewesen. „Die Menschen wissen, dass sie jetzt zu uns kommen müssen.“ Laut Spies liege die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Antrags auf Schwerbehinderung bei drei Monate.
Vom erfolgreichen Start des MRE-net Märkischer Kreis berichtete der Fachdienst Gesundheitschutz und Umweltmedizin. MRE bedeutet Multi-Resistente-Erreger. Sie sind unempfindlich gegenüber Antibiotika und in Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen Problem. Im Ausschuss wurden einheitliche Standards für die 15 Krankenhäuser und 108 Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet angeregt.


