Über 300 Einsätze in der Winternacht

Krisenstab bleibt vorerst in Alarmbereitschaft

Der Winter hat den Märkischen Kreis weiter voll im Griff. Zwar entspannt sich die Wetterlage schrittweise, dennoch bleibt ein Teil des Krisenstabes beim Kreis bis mindestens Donnerstag, 04. Februar 2010, vormittags, weiter in Alarmbereitschaft. Landrat Thomas Gemke ließ sich über die Einsätze in der vorangegangenen Nacht und die aktuelle Situation im Kreisgebiet von den Mitgliedern des Krisenstabes informieren. Von der dramatischen Wetterlage war das südliche Kreisgebiet deutlich stärker betroffen als der Nordkreis. In einigen Höhenlagen waren bis zu 80 Zentimeter Neuschnee gefallen.

 

Wie Kreisbrandmeister Rainer Blumenrath berichtete, waren von der Feuerwehr und den beteiligten Hilfsorganisationen mehr als 300 Einsatzkräfte unterwegs - davon alleine 40 vom Deutschen Roten Kreuz und 20 vom Technischen Hilfswerk. Der schlimmste Zwischenfall ereignete sich in Herscheid. Dort brachen Teile eines Stallgebäudes ein, in dem 35 Rinder untergestellt sind. Die Tiere blieben glücklicherweise weitestgehend unverletzt.

 

Vor allem auf der Sauerlandlinie, der A 45, waren die Helfer gefordert. Es mussten mehrere Fahrzeuge auf den Raststätten Sauerland-Ost und Sauerland-West frei geschleppt werden, ebenso auf den Straßen zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid sowie zwischen Olpe und Drolshagen. Das THW Lüdenscheid war mit vier Fahrzeugen im Einsatz, das THW Halver mit zwei, das THW Altena rückte ebenfalls mit zwei Fahrzeugen aus. Unterstützt wurden sie von einem Fahrzeug des THW Unna. Das Technische Hilfswerk sowie die Helfer des Roten Kreuzes versorgten die Insassen in den liegen gebliebenen Fahrzeugen mit Decken und heißen Getränken. Einige Autos waren mit leer gefahrenem Tank stecken geblieben. Auch hier wurde Hilfe geleistet. Das THW Lüdenscheid schickte fünf Wagen ins "Krisengebiet", die Rot-Kreuzler aus Meinerzhagen drei, ebenso das DRK Kierspe und deren Kollegen aus Lüdenscheid.

 

Auch die Rettungsdienste hatten alle Hände voll zu tun. Die Rettungswagen wurden bei ihren Einsätzen jeweils von Rüstfahrzeugen begleitet, um ein mögliches Steckenbleiben zu verhindern. "Es wurden vornehmlich Leute mit Knochenbrüchen in die Krankenhäuser transportiert, aber auch auffällig viele internistische Fälle. Die Menschen sind beim Schneeschippen über ihre physische Leistungsgrenze gegangen", so Kreisbrandmeister Rainer Blumenrath. "Alle Einsatzkräfte haben hervorragende Arbeit geleistet. Dafür meinen Dank.", Koordiniert und gelenkt wurden alle Hilfsmaßnahmen von der Leitstelle des Märkischen Kreises in Lüdenscheid.

 

Was den Feuerwehren aktuell die größten Sorgen bereitet, sind die Schneelasten auf den Dächern und Bäumen sowie herab fallende Eiszapfen. Die Menschen sollten auf jeden Fall Waldgebiete meiden. "Da lasten erhebliche Gewichte auf den Dächern und Ästen. Das kann sehr, sehr gefährlich werden", warnt der Kreisbrandmeister. Hilfe bekommen können Hausbesitzer bei ihren örtlichen Dachdeckerfirmen. Falls eine dringende Gefahr besteht, kann man sich auch an seine heimische Feuerwehr wenden. Die örtlichen Feuerwehr-Chefs entscheiden dann, ob die Männer zum Einsatz ausrücken können. "Da ist die Eigensicherung natürlich auch ganz wichtig", so Blumenrath. Bei einsetzendem Tauwetter sollte man auf gar keinen Fall selbst aufs Dach steigen. Falls man den Gefahrenbereich nicht räumen könne, sollte er großzügig abgesperrt werden.

 

"Vielleicht kann man ja auch mal seinen Nachbarn um Hilfe bitten", empfiehlt der Kreisbrandmeister, der übrigens kein Verständnis für manche Autofahrer hat. "Da stecken die Menschen mit ihren Autos in Schneeverwehungen fest und sie fahren einfach daran vorbei und machen noch abfällige Handbewegungen. Sie sollten lieber mal anhalten, aussteigen und diesen Leuten helfen." Ganz dringend bittet Rainer Blumenrath darum, Anwohnerstraßen vom Schnee und parkenden Autos frei zu halten, damit die Räum- und Einsatzfahrzeuge auch durchkommen.

 

Nach bisherigen Informationen der Kreisverwaltung sind am Donnerstag alle Förderschulen und Berufskollegs in Kreisträgerschaft wieder geöffnet. Wer es genau wissen möchte, kann sich auf den jeweiligen Internet-Seiten der Schule informieren.