Kultur, Natur und ein Ex-Weltmeister am Herd
Journalisten erkunden Landkreis Elbe-Elster
Ein Einblick in die lebendige Kulturszene, das Erleben der herrlichen Naturlandschaft sowie das Kennenlernen von Land und Leuten, aber auch Diskutieren der Probleme vor Ort. Das waren die Gründe für eine viertägige Informationsfahrt von Journalisten aus dem Märkischen Kreis in den Partnerschaftskreis Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg. Bei den Treffen mit den politisch Verantwortlichen, unter anderem Landrat Klaus Richter, gab es Gelegenheit über die Sorgen und Nöte der Menschen im Partnerschaftskreis zu sprechen. Richter hatte den Anstoß für die Journalistenfahrt gegeben. Der Märkische Kreis nahm den Vorschlag gerne auf, zumal eine ähnliche Reise von Meinungsbildnern in den Partnerschaftskreis Ratibor in Oberschlesien vor einigen Jahren und die darauf folgende Berichterstattung sehr zum Verständnis füreinander beigetragen hatte.
Größtes Problem ist der Bevölkerungsrückgang. "Eigentlich gelten wir als unbesiedelt", so Landrat Klaus Richter. 115.713 Einwohner zählte der Landkreis Elbe-Elster am 30. November 2008. Sie verteilten sich auf 1.890 Quadratkilometer und elf Städte und Gemeinden. Seit der Wende verringerte sich die Bevölkerungszahl um knapp 33.000, fast 22 Prozent. Als Hauptgrund nannte Landrat Klaus Richter die geringen Löhne. Wer gut ausgebildet und flexibel ist, verlässt den Kreis. Nach Berlin, Dresden, Cottbus und Leipzig ist es nicht weit. Anfang nächsten Jahres sind Kommunalwahlen. Dann werden die Landräte in Brandenburg erstmnals direkt gewählt. Sozialdemokrat Klaus Richter kann aus Altersgründen nicht mehr antreten. Er bewirbt sich um ein Landtagsmandat.
Die wenigen Finanzmittel effizient einsetzen und damit gute Kulturarbeit machen. Dieses Ziel verfolgt Kulturamtsleiter Andreas Pöschl. Ob Kreismuseum in Finsterwalde, das Kreismuseum in Bad Liebenwerda mit dem Marionettenmuseum, ob Kreismusikschule oder Kreis-Volkshochschule, die Kultur wird groß geschrieben im Landkreis Elbe-Elster. Zeugnis davon gibt auch die aktuelle Ausstellung "Engelsgeflüster" im Refektorium des Schlosses von Doberlug-Kirchhain. Dort stellen sieben Berufskünstler bis zum 16. September ihre Werke aus, darunter MKK-Stipendiat Christian Pilz sowie Kurt Kornmann aus dem Märkischen Kreis.
Touristisches Highligh in der vor allem bei Radwanderern begehrten Region ist das Besucherbergwerk "Förderbrücke 60", kurz F60, in Lichterfeld. Der 11.000 Tonnen schwere, über 500 Meter lange und 80 Meter hohe Stahlgigant gilt als eines der größten beweglichen Arbeitsgeräte der Welt. Mit einer Leistung von bis zu 29.000 Kubikmeter Abraum pro Stunde grub er sich bis 1992 durch den Braunkohletagebau Klettwitz-Nord. Die Förderbrücke wird jedes Jahr von bis zu 70.000 Gästen besucht. Bis zum Jahr 2012 soll hier der Bergheider See entstehen, mit einer Ferienhaussiedlung, Strandbereich und schwimmenden Mehrzweckgebäuden.
Bis zum Jahr 2015 soll das Schloss Doberlug in Hemers Partnerstadt Doberlug-Kirchhain vollständig restauriert sein, die Arbeiten sind angelaufen. Bürgermeister Bodo Broszinski erläuterte den Medienvertretern aus dem Märkischen Kreis die Pläne des 15-Millionen-Euro-Projektes. Ein Modell des Schlosses, wie es einmal aussehen soll, wird im kommenden Jahr auf der Landesgartenschau in Hemer gezeigt. Natur pur genießen konnten die Dienstreisenden aus dem Märkischen Kreis bei einer Bootsfahrt auf dem Fluss "Kleine Elster" ab Wahrenbrück. Der Besuch der Brikettfabrik "Louise" in Domsdorf mit einem Konzert des Liedermachers Holger Biege rundeten das kulturelle Programm ab.
Ein kulinarisches Aushängeschild für den Landkreis Elbe-Elster ist das Restaurant "Goldener Hahn" in Finsterwalde. Mit Inhaber und Küchenchef Frank Schreiber steht hier ein Weltmeister am Herd. Schreiber wurde mit der Koch-Jugendnationalmannschaft 1997 Weltmeister im kanadischen Toronto und holte sich ein Jahr später beim World Individual Cooking Championship in Australien die Bronzemedaille.
Der Arbeitsbesuch wäre nicht komplett gewesen, hätte es nicht einen bilateralen Austausch der Journalisten gegeben. So stand der Besuch der Redaktion der Lausitzer Rundschau in Elsterwerda ebenso auf dem Programm wie ein Blick hinter die Kulissen des regionalen Fernsehsenders Elster-TV. Einhelliges Urteil der Medienvertreter aus dem Märkischen Kreis: "Wir kommen bestimmt wieder."
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